Peru

Frauenmord wird eigener Straftatbestand


von Benjamin Beutler

Bildquelle: feminicidio.net(03. Dezember 2011, amerika21.de).- Lange genug hat Perus Gesetzgeber der Gewalt gegen Frauen und Mädchen zugeschaut. Jetzt hat das Parlament Frauenmord erstmals als eigenen Straftatbestand definiert. Mit 90 gegen zwei Stimmen und 14 Enthaltungen stimmte Perus Nationalkongress am vergangenen 1. Dezemberfür eine Erweiterung von Paragraph 107 des Strafgesetzbuches, berichtet die Tageszeitung La República.

Angesichts von 405 Frauenmorden innerhalb der letzten drei Jahre wird auf Abschreckung gesetzt. “In Sachen Feminizid ist unsere Strategie die Schließung rechtlicher Lücken”, setzt Perus Frauen-Ministerin Aida García das Thema oben auf ihre Agenda. Auch gelte es die Beweispflicht der Frauen bei körperlicher und sexueller Gewalt zu reformieren.

Anzeigen bei der Polizei würden wegen der hohen Anforderungen oft ins Leere laufen, so die Ministerin. “Wenn jeder weiß, dass er 25 Jahre ins Gefängnis muss, ist dieses Gesetz wegen seines abschreckenden Charakters von grundsätzlicher Bedeutung”, kommentierte García die Novelle.

Strafmaß wird erheblich erhöht

Bislang wurde Feminizid als Tötung von Frauen durch Männer gesondert nur unter dem Tatbestand der Kindestötung geführt und mit Strafen bis zu sechs Jahren Freiheitsentzug belegt. Verurteilte Täter konnten unter Auflagen bereits nach zwei Jahren wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Die Feminizid-Novelle sieht in Verbindung mit Paragraf 108 des Strafgesetzbuches (Mord) eine Verschärfung des Strafmaßes auf mindestens 20 Jahre vor.

Laut Angaben der peruanischen Staatsanwaltschaft werden landesweit jeden Monat zehn Frauen von ihren Partnern, Ex-Partnern oder Familienangehörigen ermordet. 37,4 Prozent der Frauen waren Opfer ihrer Ehemänner oder Ex-Ehemänner. Zehn Prozent der Mordopfer waren schwanger. 58,7 Prozent der Morde passieren im eigenen Haus. Nur jedes zehnte Opfer von Gewalt in der Ehe erstattet Anzeige. Hingegen werden nur 1,8 Prozent aller männlichen Mordopfer von ihren Frauen umgebracht, so eine aktuelle Studie der Staatsanwaltschaft.

CC BY-SA 4.0 Frauenmord wird eigener Straftatbestand von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 399 Hallo und willkommen zum onda-info 399!Nach zwei kurzen Nachrichten aus Kolumbien und Ecuador haben wir zwei längere Beiträge für euch:Die Organisation Women in Exile setzt sich für die Rechte von geflüchteten Frauen ein. Sie wurde von Frauen gegründet, die selbst in Flüchtlingslagern lebten. Dieses Jahr wird Women in Exile 15 Jahre alt und auch Migrantinnen aus Lateinamerika sind dort aktiv. Wir stellen euch die Gruppe vor.Der zweite Beitrag führt nach El Salvado...
Migrantinnen aus Lateinamerika für die Rechte von Flüchtlingsfrauen in Deutschland Empowerment für geflüchtete Frauen, Hilfe zur Selbsthilfe, über ihre Rechte informiert werden und lernen diese einzufordern: das macht Women in Exile. Die Organisation wurde 2002 von Flüchtlingsfrauen in Brandenburg gegründet. Seitdem gehen sie regelmäßig in die Lager und Sammelunterkünfte und sprechen mit den dort lebenden Frauen über ihre Lebensbedingungen, aber auch über ihre Geschichten, Gefühle und das, was sie bewegt. Vor allem in den letzten zwei Jahren hat Women in Ex...
Yanel Barbeito – eine deutsch-kubanische Tanzgeschichte Yael Barbeito und die DINA13-Tanzcompany bei einem Auftritt in Köln. Foto: Omar GomezTanzen mit körperlicher Einschränkung. Die Kubanerin Yanel Barbeito tritt trotzt ihrer spastischen Lähmung im kubanischen Fernsehballett und inzwischen auch auf deutschen Bühnen auf. Vor über dreißig Jahren war sie das erste Mal in Deutschland, in der damaligen DDR erhielt sie von 1978 bis 1982 eine wertvolle medizinische Behandlung. Nun ist sie zurückgekehrt. Yanel Barbeito beteiligte s...
Guatemalas holpriger Weg zum Frieden Mural/Wandbild der NGO Mujb ab I Yol in Guatemala, einem Zusammenschluss von 26 Community-Radios. Foto: Markus Plate Mit der Unterzeichnung der Friedensabkommen am 29.12.1996 endete in Guatemala ein über drei Jahrzehnte langer, blutiger Konflikt zwischen Militärdiktatur und Guerilla. Ein Krieg, der in dem kleinen mittelamerikanischen Land über Hunderttausend, meist zivile Opfer forderte. In den letzten Jahren sind nun mehrere Militärangehörige zu hohen Haftstrafen verurteil...
onda-info 397 Hallo und willkommen zum onda-info 397! Wir haben drei Beiträge für Euch: Das Friedensabkommen in Guatemala wird zum Jahresende 20 Jahre alt. Doch als „Frieden“ kann man die Realität in dem mittelamerikanischen Land kaum bezeichnen - Guatemala hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Der Rassismus ist allgegenwärtig. Trotzdem gibt es Entwicklungen und gesellschaftliche Akteur*innen, die Hoffnung machen. Unser nächster Beitrag handelt von der kubanischen Tänzerin Yanel Barbe...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.