Mexiko

Feminizid ist neuer Straftatbestand in Mexiko-Stadt


Gedenken an die Frauenmorde in Mexiko / Detritus, flickr(Buenos Aires, 01. Juli 2011, adital/cimac/púlsar).- Am vergangenen 29. Juni hat die Legislative des Hauptstadt-Distrikts ALDS (Asamblea Legislativa del Distrito Federal de México) für die Einführung des Feminizids als speziellen Straftatbestand gestimmt. Damit sind Frauenmorde infolge von sexualisierter Gewalt jetzt in den Bundesstaaten Guerrero, Mexiko, Guanajuato, Morelos und Tamaulipas und Mexiko-Stadt eine eigene Straftatkategorie.

Die Abstimmung fiel mit 51 Ja-Stimmen, keiner Gegenstimme und keiner Enthaltung eindeutig aus. Feminizide können nun mit 20 bis 50 Jahren Gefängnis bestraft werden. Wenn der Täter zudem in einer beruflichen, familiären oder einen Liebesbeziehung zum Opfer stand, beträgt das Strafmaß 30 bis 60 Jahre.

Existenz des Feminizids anerkannt

Vertreter*innen von Menschen- bzw. Frauenrechtsorganisationen und Anwält*innen zeigten sich erleichtert angesichts der Gesetzesänderung, die sie bereits seit langem eingefordert hatten. Dieser Schritt habe eine große Bedeutung beim Kampf um die Frauenrechte, denn es werde anerkannt, „dass der Feminizid existiert und die Schaffung eines speziellen Straftatbestands dafür notwendig ist“, erklärte die Anwältin Karla Michel Salas Ramírez. Sie vertritt Fälle von Feminiziden in Ciudad Juárez. Laut Salas seien die Gesetzesänderungen das Eingeständnis, dass man Frauenmorde sichtbar machen müsse, um der Straffreiheit in diesen Mordfällen ein Ende zu setzen. Auch die Landesweite Monitoringstelle für Feminizide OCNF (Observatorio Ciudadano Nacional del Feminicidio) bezeichnete die Modellierung des Gesetzes als einen Schritt auf dem Weg, „den Opfern und Angehörigen den notwendigen Zugang zur Justiz zu garantieren“.

107 Frauenmorde in Mexikos Hauptstadt

Laut der Staatsanwaltschaft des Hauptstadt-Distrikts sind im vergangenen Jahr 107 Frauen in Mexiko-Stadt ermordet worden. Angaben darüber, bei wie vielen Fällen die Frauen aufgrund von sexualisierter Gewalt ums Leben gekommen seien, könne die Behörde jedoch nicht machen, weil der Straftatbestand des Feminizids noch nicht existiert habe.

Nach Angaben des OCNF hat es in nur elf der insgesamt 31 Bundesstaaten Mexikos im Zeitraum von Januar 2009 bis Juni 2010 rund 890 Feminizide gegeben. Als erster Bundesstaat hatte Guerrero im vergangenen Jahr seine Gesetze entsprechend geändert. Auch in Veracruz wird derzeit ein Gesetzesvorhaben zur Einführung des Feminizids als Straftat diskutiert.

 

alt

CC BY-SA 4.0 Feminizid ist neuer Straftatbestand in Mexiko-Stadt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Das Leben nach dem Erdbeben in Mexiko-Stadt Von Ana Ivonne Cedillo Nach dem Erdbeben: Señor Enique bügelt auf der Straße / Foto: José Luna, desinformemonos (Mexiko-Stadt, 04. Dezember 2017, desinformemonos).- Drei Zeug*innen erzählen davon, wie sie ihr Leben nach dem Erdbeben, das Mexiko-Stadt am 19. September erschüttert hat, wieder aufbauen. Hier sind ihre Geschichten: Der Friseursalon „El Ángel“ von Adela María Adela will nicht darüber sprechen, was am 19. September passiert ist. Diese Momente seien so ...
Es stinkt zum Himmel und auf Erden Die Gerichtsmediziner haben in Mexiko besonders viel zu tun. In diesem Fall war es jedoch ein Unfall. Foto: Flickr/Luis_Pats (CC BY-NC-SA 2.0) (Mexiko-Stadt, 15. November 2017, la jornada/poonal).- Ausführliche Kommentierung überflüssig: Am 14. November verließen in Chilpancingo, der Hauptstadt des Bundesstaates Guerrero, mehr als 500 Beschäftigte der staatsanwaltschaftlichen Behörde Guerreros ihre Büros. Der Grund: Anhaltender unerträglicher Geruch aus dem angrenzenden L...
„Alle Rechte für Frauen! Schluss mit den Übergriffen!“ Von Montserrat Antúnez Estrada Foto: Cimac/César Martínez López (Mexiko-Stadt, 10. November 2017, cimacnoticias).- Ein Jahr nach der Einführung des "Protokolls zur Verfolgung geschlechtlich motivierter Übergriffe" in der Autonomen Universität Mexikos UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) führten von 234 Anzeigen lediglich 150 zu Untersuchungen; in einigen Fällen waren die Täter keine Angehörigen der Universität, in anderen Fällen wurde die Anzeige zurückgezoge...
Drei Jahre ohne die 43 aus Ayotzinapa Von Orlando Oramas Leon Drei Jahre ist die Todesnacht von Iguala schon her. Und die Studenten bleiben immer noch verschwunden. Foto: Prensa Latina (Mexiko-Stadt, 26. September 2017, prensa latina).- Inzwischen sind schon drei Jahre vergangen, seitdem die 43 Studierenden aus der Escuela Normal Rural von Ayotzinapa spurlos verschwunden sind. Genauso wie der Verbleib der Studierenden ist auch der Umgang der Justiz mit diesem Verbrechen weiterhin ungewiss. Wieder einmal...
Frauenmord wird härter bestraft Montevideo, 13. September 2017, cimacnoticias).- Die Abgeordnetenkammer in Uruguay hat mehrheitlich für einen Gesetzesentwurf gestimmt, der den Femizid, den Mord an Frauen als besonders schwere Straftat einstuft. Der Gesetzesentwurf wurde vom der Exekutive ins Parlament geschickt und vom Senat angepasst. Er sieht Strafen von mindestens 15 Jahren Haft bis zu maximal 30 Jahren Haft vor. In dem Gesetzestext wird der Femizid als besonders schwerer Mord definiert, bei dem das O...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.