Chile

Fall Victor Jara: US-Prozess gegen chilenischen Militärangehörigen


Die schlichte frühere Grabnische Victor Jaras auf dem Cementerio General. Foto: Wikipedia

Die schlichte frühere Grabnische Victor Jaras auf dem Cementerio General. Foto: Wikipedia

(Montevideo, 14. Juni 2016, la diaria).- “Wie Sie sich vorstellen können, ruft dieser Moment, dieser Prozess viele Erinnerungen und Gedanken wieder wach”, erklärte die 89-jährige Joan Jara gegenüber der Presseagentur EFE. Die Witwe des chilenischen Musikers Victor Jara ist eine von über 20 Zeug*innen im Zivilprozess, der am 13. Juni von einem US-Gericht gegen Pedro Pablo Barrientos Núñez eröffnet wurde. Der chilenische Militärangehörige war einer der Oberstleutnants, die während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet für die im Estadio Chile Inhaftierten verantwortlich war. In diesem Internierungslager, das heute Victor-Jara-Stadion heißt, wurde der Musiker gefoltert und ermordet.

Joan und ihre Töchter Manuela und Amanda hatten den Militärangehörigen nach dem Gesetz zum Schutz von Folteropfern verklagt, was in den USA rechtlich möglich ist. Eine der Erinnerungen, die durch diesen Prozess wieder wachgerufen wurden, war, wie die Witwe ihren Ehemann zum letzten Mal sah: “Wir saßen im Wohnzimmer und hörten im Radio, wie eine brutale Militärdiktatur die Macht in Chile übernahm.” Jara starb am 16. September 1973, fünf Tage nach dem Putsch. Er war zusammen mit anderen Lehrer*innen und Studierenden der Technischen Universität in Santiago verhaftet worden.

Hoffnung auf Wiedergutmachung

Die Erinnerungen, die der Prozess in Barrientos auslöst, werden wohl ganz andere sein. Laut Anklage hat der Oberstleutnant Jara eine Pistole in den Nacken gedrückt und “russisches Roulette gespielt”; er soll abgedrückt haben, ohne dass einer von beiden wusste, ob die Kugel diesmal treffen würde. Zum Prozessauftakt erschien Barrientos mit Sonnenbrille und ging Journalist*innen aus dem Weg, wie EFE berichtete.

Barrientos lebt seit 1989 in Florida und ist US-Bürger. Ein Gericht dieses Bundesstaats hatte die Anklage gegen ihn zugelassen, allerdings nicht wegen Menschenrechtsverbrechen, wie es das “Zentrum für Gerechtigkeit und Verantwortung” gefordert hat, das die Kläger*innen unterstützt. Trotzdem “wird es der erste Prozess sein, der versucht, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Folter und die Ermordung von Victor Jara zu erlangen”, wie es Dixon Osburn, Leiter dieser Menschenrechtsorganisation aus San Francisco ausdrückt. Laut Telesur hofft Osburn außerdem, dass dieser Prozess “die US-Behörden dazu bringt, das Auslieferungsverfahren gegen den Ex-Militär in Gang zu bringen”, das von Chile ersucht wurde.

 

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