Peru

Fall Olivia Arévalo schlägt weiter Wellen


Woodroffe Arevalo

Der Mord an Olivia Arévalo hat im peruanischen Amazonasgebiet für Aufruhr gesorgt und kostete des Mörder schließlich selbst das Leben. Foto: Servindi

(Lima, 4. Mai 2018, servindi).- Der Kanadier Sebastian Woodroffe hat die indigene Schamanin Olivia Arévalo ermordet. Das bestätigte Ricardo Jiménez, Vorsitzender der Obersten Staatsanwaltschaft der peruanischen Provinz Uyacali, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die 89-jährige Weise der indigenen Shipibo Konibo (nach anderen Medienberichten war sie 81 Jahre alt) wurde am 19. April in der interkulturellen Gemeinde Victoria Gracia in der Amazonasprovinz Uyacali erschossen.

Alles deute darauf hin, dass Woodroffe die fünf Schüsse auf Arévalo abgefeuert habe, erklärte Jiménez. „Der Fall ist praktisch aufgeklärt. Was uns noch fehlt ist das Motiv“. Die Patronenhülsen, die bei dem Leichnam von Arévalo gefunden wurden, passen zu der Waffe, die Woodroffe von einem Polizisten gekauft hatte. „Auch an der Kleidung des Kanadiers wurden Schmauchspuren gefunden“, so Jiménez.

Zwei Tage nach dem Mord tauchte ein Video auf, das die Selbstjustiz der aufgebrachten Dorfbewohner*innen an Sebastian Woodroffe zeigt. Später wurde dann sein Leichnam gefunden. Nach dem Stand der Ermittlungen wurde er Stunden nach dem Mord an der Schamanin gelyncht. In diesem Fall von Selbstjustiz suchen die Behörden noch nach den Verantwortlichen.

Indigene wehren sich gegen Diskriminierung

„Wir akzeptieren nicht, dass sie uns als Mörder ansehen“ erklärte Ronald Suarez Maynas, Vorsitzender des Rates der Shipibo Konibo, Coshikox. Nach den Morden an Arévalo und Woodroffe sei eine Welle der Diskriminierung über die Shipibo hereingebrochen. Ihnen seien negative Attribute zugeschrieben worden, die ihre kulturelle Identität beschädigten. Suarez Maynas sprach von einem „kulturellen Attentat“ auf seine Volksgruppe. Der indigene Sprecher versicherte, die Shipibo seien friedlich und widmeten sich der Interkulturalität. Keinesfalls würden sie akzeptieren, dass man sie als Mörder bezeichne.

Um sich gegen die negative Darstellung zu wehren, planen die Shipibo Konibo für den 18. Mai eine Kundgebung in Pucallpa. Suarez Maynas rief zudem die Weltöffentlichkeit dazu auf, sich an jenem Tag vor den Botschaften Perus zu versammeln, um ihre Solidarität mit den Shipibo Konibo zu zeigen.

CC BY-SA 4.0 Fall Olivia Arévalo schlägt weiter Wellen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

89-jährige indigene Heilerin und Aktivistin ermordet
205
(Caracas, 20. April 2018, telesur).- Die 89-jährige Olivia Arévalo Lomas, Führungspersönlichkeit der indigenen Shipibo Konibo im peruanischen Amazonasgebiet, ist am 19. April ermordet worden. Zeug*innen zufolge hat sich ein Mann ihrem Haus genähert und ihr mehrfach in die Brust geschossen. Anschließend flüchtete er auf einem Motorrad. Der Mord geschah in der Gemeinde Victoria Gracia nahe der Stadt Yarinacocha, in der ostperuanischen Region Ucayali. Der Dachverband der Indi...
Indigener Forscher: Der Brand im Nationalmuseum von Rio ist ein kultureller Ethnozid
169
(Mexiko-Stadt, 8. September 2018, desinformémonos/servindi).- Mit über 20 Millionen Objekten und der angeschlossenen Bibliothek mit mehr als 530 Millionen Titeln galt das Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro als das wichtigste Museum für Naturkunde und anthropologische Geschichte. Am Sonntag den 2. September wurde es durch einen Brand zerstört. Der Brand bedeute einen “unwiederbringlichen Verlust für die indigenen Kulturen, vergleichbar mit dem Einfall ...
Angriff auf TeleSUR-Reporterin
24
(Berlin, 28. August 2018, npl).- Die indigene Reporterin Rolanda García Hernández wurde am 21. August dieses Jahres von vermeintlichen Angestellten des Wasserkraftwerkes Oxec im guatemaltekischen Departement Alta Verapaz tätlich angegriffen und sexuell bedroht. García Hernández wollte in Begleitung von Angehörigen der indigenen Selbstverwaltung von Santa María Cahabón Berichten über illegalen Holzeinschlag im Bereich des Flusses Cahabón nachgehen. Ziel war es, einen Bericht ü...
Zwei Tatverdächtige im Mordfall Marielle Franco und Anderson Gomes festgenommen
65
(Rio de Janeiro, 24. Juli 2018, Brasil de Fato).- Am 24. Juli 2018 hat die Mordkommission in Rio de Janeiro zwei Tatverdächtige, die an der Ermordung der Abgeordneten Marielle Franco im März 2018 beteiligt gewesen sein könnten, festgenommen. Die zwei Ex-Staatsbeamten, Alan de Moraes Nogueira (ehemaliges Mitglied der Militärpolizei) und Luís Claudio Ferreira Barbosa (ehemaliger Feuerwehrmann beim Militär) werden außerdem beschuldigt als Mitglied der Milícia Orlando de Curicica...
Verteidiger indigener Rechte in Oaxaca ermordet
16
(Mexiko-Stadt, 18. Juli 2018, desinformémonos).- Der Verteidiger indigener Rechte, Abraham Hernández González, wurde am Dienstag, 17. Juli 2018, ermordet. Man fand seine Leiche am selben Tag in der Gemeinde Cuatunalco im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca, nachdem er am Morgen von unbekannten Personen entführt worden war. Hernández war Regionalkoordinator des Komitees zur Verteidigung der indigenen Rechte Codedi (Comité por la Defensa de los Derechos Indígenas) in der Gem...