Uruguay

Gericht: Journalist soll Quelle preisgeben


fotouruguay. Foto: Poonal(Berlin, 01. April 2014, poonal).- In Uruguay versuchen ein Strafrichter und Anwälte der Militärs seit Mitte März, einen Journalisten zu zwingen, den Namen seines Informanten preiszugeben. Der Journalist Roger Rodriguez ist bekannt für seinen langjährigen investigativen Journalismus. Seit Jahren trägt er zur Aufklärung der Verbrechen der Militärdiktatur in Uruguay (von 1973- 1985) bei.

Der Strafrichter Pedro Zalazar willigte der Forderung der Verteidigung von vier Militärs und einen ehemaligen Polizisten ein, Rodriguez zu verhören. Dieser erschien am 17. März diesen Jahres zu der angeordneten Anhörung. Die Anwälte der Militärs wollen unbedingt wissen, woher er seine detaillierten Informationen hatte und wer den Verschwiegenheitspakt „pacto de silencio“ gebrochen hat. Sie fragten, woher die Informationen über den Aufenthaltsort von Simón Riquelo kamen, den Militärs im Alter von drei Wochen seiner Mutter entrissen und entführt hatten und woher er von der Militärbasis in Valparaíso (Chile) wusste. Dort wurde María Claudia García de Gelman zum letzten Mal gesehen.

Der lange Schatten der Diktatur

María Claudia García de Gelman wurde 1976 im Alter von 19 Jahren verschleppt und ist seitdem verschwunden. Ihre Tochter Macarena Gelman wurde als als Baby entführt und wuchs in Uruguay bei Angehörigen des Militärs auf. Erst im Jahre 2000 konnte sie ihr Großvater, der bekannte Literat und Schriftsteller Juan Gelman, nach einer langen Suche ausfindig machen.

Im Jahr 2002 erstattete Macarena Gelman Anzeige. Für diesen Fall wurden die vier Militärs und bekannten Folterer Nino Gavazzo, Ricardo Arab, Gilberto Vasquez und Jorge Silveira sowie der damalige Polizeibeamte Ricardo Medina zu Gefängnisstrafen von 20-25 Jahren verurteilt. Sie gehören zu den wenigen verurteilten Verantwortlichen für diese Verbrechen.

Beobachter*innen vermuten, dass sie nun auf diesem Wege den Namen des Informanten wissen wollen, um weitere Enthüllungen zu vermeiden. Roger Rodriguez blieb dabei, die Quelle, sprich den Namen seines Informanten nicht zu nennen und berief sich auf den Quellenschutz. Er bestätigte nur, dass es sich dabei um einen ehemaligen Offizier des Militärs handelt.

AMARC Uruguay, die uruguayische Sektion des Weltverbands der freien Radios, unterstützt in einer schriftlichen Erklärung die Entscheidung des Journalisten Roger Rodriguez, die Quelle seiner Informationen im Falle Gelman nicht anzugeben.

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