Peru

Fälle von Zwangssterilisationen unter Fujimori werden weiter untersucht


Foto: TinkerBells, Flickr(Lima, 03. November 2011, noticias aliadas/poonal).- Die peruanische Staatsanwaltschaft verfügte am 21. Oktober die Wiedereröffnung der Untersuchung zum Fall der Zwangssterilisation an Tausenden von Frauen während der Regierungszeit von Alberto Fujimori (1990-2000). Zu den Opfern gehörten hauptsächlich indigene Frauen.

Peru hatte bisher immer wieder versucht, die Verurteilung der Täter zu verhindern. Dabei wurde argumentiert, es handele sich lediglich um Vergehen gegen Leib, Leben und Gesundheit und fahrlässige Tötung. Diese Vergehen werden nicht als Menschenrechtsverbrechen angesehen und wären teilweise bereits verjährt.

Die Untersuchung der Fälle wird wieder aufgegriffen, nachdem die zur Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehörende Interamerikanische Kommission für Menschenrechte CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos) befand, dass die Fälle den Tatbestand von Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfüllen und daher nicht verjähren.

Mindestens 18 Todesopfer

Offiziellen Berichten zufolge wurden während der Regierung von Fujimori etwa 300.000 Frauen gegen ihren Willen sterilisiert. Der ehemalige Präsident von Peru verbüßt zurzeit eine 25-jährige Haftstrafe wegen Menschenrechtsverbrechen, Fällen von Korruption und Machtmissbrauch.

Bei 18 der bisher dokumentierten Zwangssterilisationen starben die Frauen. Bis jetzt sind jedoch nur sehr wenige Fälle aufgearbeitet worden. Als vorgebliches Ziel der Sterilisierungskampagne hatte Fujimori die „Senkung der Armut in den ländlichen Gebieten“ ausgegeben. Menschenrechtsgruppen begrüßten die Wiederaufnahme der Fälle durch den obersten Staatsanwalt José Peláez Bardales.

In einem Kommuniqué forderten die Organisationen Asociación Pro Derechos Humanos, Estudio para la Defensa de los Derechos de la Mujer, Comité de América Latina y el Caribe para la Defensa de los Derechos de la Mujer und Centro por la Justicia y el Derecho Internacional sowie weitere Gruppen die „Regierungsbehörden dazu auf, alle verfügbaren finanziellen, personellen und technischen Mittel einzusetzen, um sicherzustellen, dass die Untersuchungen zum Ziel führen – angesichts der systematischen und verbreiteten Praxis der Verletzung der Rechte der Frauen, besonders der ärmsten unter ihnen in Peru“.

CC BY-SA 4.0 Fälle von Zwangssterilisationen unter Fujimori werden weiter untersucht von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 439 Hallo und Willkommen zum onda-info 439! Bei frischer Wassermelone und fast 40 Grad im vierten Stock produzieren wir für Euch unsere Sommerlochausgabe vom onda-info! Dabei führt uns der Weg zunächst nach Honduras. Zu Besuch in Berlin war die honduranische Schriftstellerin Melissa Cardoza. Wir interviewten sie zu ihrem 2012 erschienenen Buch 13 colores de resistencia, 13 Farben des honduranischen Widerstandes. Außerdem hört ihr eine Kurzgeschichte aus ihrem Buch, übersetzt ...
Interamerikanische Menschenrechtskommission verurteilt Morde an Aktivist*innen (Lima, 23. Juli 2018, servindi/poonal).- Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Kolumbien bereits über 120 Menschenrechtsverteidiger*innen und soziale Aktivist*innen ermordet. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Angesichts dessen zeigte sich die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH alarmiert und verurteilte die Morde. Die Fälle werden von der kolumbianischen Menschenrechtsorganisation Somos Defensores registri...
onda-info 438 Wie klingen freie Radios in Lateinamerika? Diesmal kommt Jorge Collet vom Radio Sayaten aus dem Norden Argentiniens zu Wort. In Kolumbien wird es zwar nie richtig Winter, trotzdem hat es Straßenkünstler*innen aus Bogota in den deutschen Sommer gezogen. Sie nahmen am Farbflut-Festival in Lemwerder bei Bremen teil. Tobias Mönch sprach mit zwei von ihnen über Street-Art in Bogota. Und es gibt neues zum Thema Aufarbeitung der Verbrechen in der Colonia Dignidad. Die Bund...
La lucha Mapuche Primer programa Radio Matraca, nueva temporada 2018 La causa mapuche por la autodeterminación territorial y política, se ha convertido cada vez con mayor fuerza en un factor de politización para otros movimientos sociales y para la ciudadanía en general, tanto en Chile como en Argentina. Esta es sin duda una razón, aunque no la única ni la más persistente, que explica el nivel de represión y el ataque – judicial y policial – desatado por los Estado nacionales contra las comu...
„Warum bloß immer noch Colonia Dignidad?“ Colonia Dignidad heißt übersetzt ins Deutsche „Kolonie der Würde“. Bis heute aber ist dieser Name ein Synonym für religiösen Fanatismus, moderne Sklaverei, sexuellen Missbrauch, Folter und Mord. Und auch für Straflosigkeit. Die Opfer der deutschen Sektensiedlung im Süden Chiles kämpfen noch immer für Gerechtigkeit. Ende April ist eine Delegation deutscher Staatsanwälte und Justizbeamter nach Chile und auch in die Colonia Dignidad gefahren. Sie haben Gespräche mit Vertretern ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.