Guatemala

Facundo Cabral erschossen


von Darius Ossami

Facundo Cabral / Gilberto Viciedo, flickr(Berlin, 12. Juli 2011, npl).- Der argentinische Cantautor Facundo Cabral galt als einer der wichtigsten Protestsänger Lateinamerikas. Am 9. Juli wurde der 74-Jährige erschossen. Cabral befand sich auf einer Tournee durch Mittelamerika und hatte an den Tagen zuvor umjubelte Konzerte in Guatemala-Stadt und Quetzaltenango gegeben.

 

 

 

Tausende legten Blumen am Tatort nieder

Am Morgen des 9. Juli befand er sich zusammen mit dem nicaraguanischen Unternehmer und Konzertveranstalter Henry Fariña, der die Tour organisiert hatte, auf dem Weg zum Flughafen. Obwohl hinter dem Wagen in dem Cabral saß noch ein Auto mit Leibwächtern fuhr, gelang es den Tätern, das Auto mit drei Fahrzeugen einzukreisen und zu beschießen. Cabral starb, Fariña überlebte schwer verletzt.

Die Täter werden im Drogenmilieu vermutet. Guatemalas Präsident Colom ordnete Staatstrauer an, entschuldigte sich bei der argentinischen Präsidentin Christina Fernandez und kündigte eine Untersuchung an. Währenddessen legten tausende Trauernde am Tatort Blumen nieder.

Vom Straßenkind zum Weltstar

Cabral wurde 1937 im argentinischen La Plata geboren und wuchs quasi auf der Straße auf. Wegen Problemen mit Alkohol und Gewalt kam er bereits mit 14 Jahren ins Gefängnis. Erst dort lernte er Lesen und Schreiben. Ein Jahr vor seiner Entlassung brach er aus dem Gefängnis aus und reiste durchs Land.

Mit 17 Jahren fing er an, Musik zu machen und 1959, als 25-Jähriger wurde er in einem Hotel in Mar del Plata als Musiker angestellt. Mit dem Lied „No soy de aquí, ni soy de allá“ begann im Jahr 1970 sein Weltruhm. Nach Beginn der Militärdiktatur in Argentinien 1976 ging er nach Mexiko ins Exil. 1983 kehrte er zurück.

Die argentinische und guatemaltekische Presse sowie die Regierung Guatemalas sind der Ansicht, dass der Angriff, dem Cabral zum Opfer fiel, eigentlich Fariña gegolten habe. Der nicaraguanische Unternehmer ist Besitzer einer Kette von Nachtclubs und soll angeblich Todesdrohungen erhalten haben.

Angriff soll Fariña gegolten haben

Präsident Colom erklärte vorsorglich, die Täter kämen wohl aus dem Drogengeschäft und es sei „sehr wahrscheinlich“, dass sie aus dem Ausland kämen. Währenddessen vermeldete die Polizei die Festnahme zweier Verdächtiger. Für zusätzliche Spekulationen sorgt der Fakt, dass die Leibwächter bei dem Attentat unverletzt geblieben waren.

Cabral verband seine Musikstücke mit persönlichen Überlegungen und Anekdoten. Er hatte eine anarchistische Einstellung und galt als Freidenker und Pazifist. Sein letztes Konzert in Quetzaltenango beendete er mit seinem berühmtesten Lied: „No soy de aquí, ni soy de allá“.

CC BY-SA 4.0 Facundo Cabral erschossen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Zeuge: Cáceres wurde von Soldaten ermordet (Caracas, 21. Juni 2016, telesur/poonal).- Der ehemalige Oberfeldwebel Rodrigo Cruz war Mitglied einer Sondereinheit der Armee in Honduras. Nach einem Bericht des britischen Guardian vom 21. Juni habe die Einheit von Cruz den Befehl erhalten, mehrere Führungspersonen sozialer Bewegungen in Honduras zu ermorden. Eine davon soll die Umweltaktivistin Berta Cáceres gewesen sein. Rodrigo Cruz erklärte, ihr Name sei auf einer schwarzen Liste gewesen; die honduranischen Militärs hät...
Der Pfad der Frauen Wie in kaum einem anderen Friedensprozess ist die weibliche Bevölkerung in den Dialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla eingebunden.Von Wolf-Dieter Vogel(Berlin, 20. Juni 2016, npl).- Es war eine außergewöhnliche Delegation, die am 18. Mai dem Friedensdialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Organisation FARC in Havanna beiwohnte: 16 Kämpferinnen aus ehemaligen bewaffneten Gruppen nahmen an dem Treffen teil. Darun...
Massaker an Homosexuellen – und keinen interessiert es (Caracas, 14. Juni 2016, Telesur).- Ende Mai im mexikanischen Bundesstaat Veracruz: Bewaffnete dringen in eine Schwulenbar ein und eröffnen das Feuer auf die dort anwesenden 180 Menschen. Sieben Menschen werden getötet, weitere zwölf verletzt. Die Regierung behauptet, es habe sich um eine Abrechnung zwischen Drogenbanden gehandelt.Die lateinamerikanische LGBTI-Gemeinde ist regelmäßig Gewalt ausgesetzt, aber mit dem Islam hat das nichts zu tun. Auch die Reaktionen auf die ...
Kriminelle Umweltzerstörung im Nordwesten Mexikos Von Victor M. Quintana(Mexiko-Stadt, 6. Mai 2016, la jornada).- Nicht jeden Tag genießt man ein solches Vorrecht. Die pastoralen Mitarbeiter*innen der Diözese der Sierra Tarahumara, einer Gebirgsregion im Nordwesten Mexikos, luden mich zu ihrer Versammlung zum Thema Seelsorgeplan der Diözese ein. Die Dynamik dieser großen Gruppe, die sich aus Laien, Nonnen, Mönchen und Priestern zusammensetzt, erregte meine Aufmerksamkeit. Anfang des Jahres hatten sie einen Seelsor...
Interview mit Verónika Mendoza: Das kleinere Übel wählen Von Stephanie Demirdjian(Montevideo, 01. Juni 2016, la diaria).- Mendoza kommt zu spät zum Interview, sie hat sich in den Straßen von Montevideo verlaufen, empfindet das aber nicht als Zeitverlust: „So lerne ich die Stadt ein bisschen besser kennen.” Ihre Ernennung als Präsidentschaftskandidatin lief eigentlich ähnlich ab: Bis in den Dezember hinein stellte die Kandidatin der Partei Frente Amplio mit ihren Umfragewerten das Schlusslicht; die Medien nahmen kaum Notiz ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *