Argentinien
Fokus: Menschenrechte 2016

Exklusive U-Bahn-Waggons für Frauen künftig auch in Buenos Aires?


Pedro Schwarze, La Tercera

Die "Subte" von Buenos Aires / Foto: Luis Ramos, CC BY-NC-SA 2.0

Die „Subte“ von Buenos Aires / Foto: Luis Ramos, CC BY-NC-SA 2.0

(Buenos Aires-Santiago de Chile, 09. Juni 2016, comcosur).- Andere Teile der Welt haben es vorgemacht – nun folgte die Abgeordnete der Stadt Buenos Aires, Graciela Ocaña, diesen Beispielen und stellte am Mittwoch, 15. Juni 2016, einen Gesetzesentwurf vor, laut dem das Metro-Netz der Stadt, besser bekannt unter dem Namen „Subte“, künftig über Sonderwagen verfügen soll, die ausschließlich Frauen zur Verfügung stehen. Damit sollen sexuelle Belästigungen und Übergriffe sowie Missbrauch verhindert werden.

Waggons nur für Frauen zu den Hauptverkehrszeiten

Laut dem Vorschlag von Ocaña sollen diese speziellen Waggons für Frauen zu den Hauptverkehrszeiten eingesetzt werden: Morgens von 7:00 bis 10:00 Uhr und nachmittags von 17:00 bis 19:00. Zu diesen Zeiten solle es den Männern verboten sein, diese Wagen zu betreten. Ausnahmen wären Jungen bis zu 13 Jahren in Begleitung einer Frau.

Ocaña verteidigte ihre Initiative, indem sie Länder als Beispiel nannte, die bereits Erfahrungen mit derartigen Projekten machten, wie Brasilien, Mexiko, Japan, Russland, Indien, Ägypten, Malaysia und Thailand. In Mexiko sei die Zahl der Klagen wegen sexueller Übergriffe seit Einführung der Waggons für Frauen um 26 Prozent zurückgegangen.

17 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs in 2015

Im vergangenen Jahr wurden bei der Staatsanwaltschaft der Stadt 141 Vorfälle von Exhibitionismus angezeigt, aber nur zwei davon fanden in der „Subte“ statt. Die Polizei von Buenos Aires hingegen informierte darüber, dass es im Jahr 2015 wegen sexuellen Missbrauchs in verschiedenen Linien der Subte insgesamt 17 Anzeigen gegeben habe, woraufhin 15 Personen verhaftet worden waren.

„Als Bürger sind wir permanent Zeuge von sexuellen Übergriffen oder von Missbrauch, denen Frauen zum Opfer fallen, wenn sie die öffentlichen Verkehrsmittel in Buenos Aires benutzen. Ebenso wissen wir als Frauen, dass es sich hier um ein Problem handelt, welches uns alle gleichermaßen betrifft, und dass wir jeden Moment selbst in eine solche Situation kommen können“, erklärte Ocaña, die der Partei „Öffentliches Vertrauen“ (Confianza Pública) angehört.

Geteilte Reaktionen auf den Vorschlag

Der Gesetzesvorschlag wurde jedoch nicht von allen Bereichen gut aufgenommen. Der argentinische Verkehrsminister, Guillermo Dietrich, sagte gegenüber Radio Mitre, dass das System, welches die Abgeordnete von Buenos Aires plane, „keinerlei Logik unterliege“, da auch „in jedem anderen Transportmittel“ Gewaltsituationen auftreten könnten. „Es würde nicht funktionieren und ich sehe es nicht als die Lösung des Problems. Das Gegenteil ist der Fall, ich sehe es als ein Aufgeben gegenüber dieser Art Situationen“, erklärte der Minister.

Der Bürgermeister der Stadt, Horacio Rodríguez Larreta, erklärte hingegen, „die Sache ist es wert, sie zu untersuchen, da sie in mehreren Teilen der Welt funktioniert. Darum habe ich die Verkehrsabteilung gebeten. Sicherlich werden wir uns mit der Landesregierung absprechen, um dann eine einheitliche Position zu vertreten. Ich möchte keine Position vorwegnehmen“.

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