Peru

Existiert ein „Fairer Handel“ für Kleinbauern?


von Fátima Flores, La Revista Agraria Nº 154

Peru-Kind-Haus-Früchte-Loreto raul.iquitos CC BY-NC-SA 2.0-Flickr(Lima, 25. September 2013, servindi).- Fairen Handel gibt es nicht. Dies ist zumindest die Ansicht von peruanischen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen. Die einzigen, die Vorteile davon haben, seien die die Zwischenhändler*innen, so die Kleinbauern. Vor etwa 30 Jahren entstand in Europa eine neue, zivilgesellschaftliche Bewegung, die einen fairen Handel einführen und fördern wollte. Doch wodurch zeichnet sich dieser aus?

Zu wenig Wertschätzung für Kleinbetriebe

In erster Linie soll fairer Handel sich auf die Ware von Kleinbetrieben einlassen und diese wertschätzen. Die besagte Bewegung rief das Siegel der Fairtrade Labelling Organizations (FLO) ins Leben, um gerechte Arbeits- und Handelsbedingungen für Kleinbetriebe voranzutreiben.

Was als exklusives System für Kleinbetriebe auf der ganzen Welt begann, bringt heutzutage auch großen, transnationalen Unternehmen, wie zum Beispiel Dole und Neuman viele Vorteile.

„Als die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten zu wachsen begann, mussten auch mehr Produkte, die mit dem FLO-Siegel ausgezeichnet werden konnten, hergestellt werden. Genau da haben transnationale Unternehmen Anschluss gefunden, sodass auch deren Arbeiter*innen vom fairen Handel profitieren konnten“, erklärt Arnaldo Neira, Expräsident der landesweiten Koordination des fairen Handels in Peru CNCJ (Coordinadora Nacional de Comercio Justo Peru). Die Folge dieser Entwicklung ist, dass das ursprüngliche Ziel, nämlich Verantwortung für Kleinbetriebe zu übernehmen und sich zu diesen zu bekennen, heute verfehlt wird.

Modell wird grundsätzlich in Frage gestellt

Derzeit wird in Peru häufig in Frage gestellt, ob überhaupt und wenn in welcher Form der faire Handel den Kleinproduzent*innen Nutzen bringt. Daraus resultieren einige Fragen: Welche Rolle spielt das Ministerium für Landwirtschaft in diesem System? Gibt es irgendeine Art der Regulierung des fairen Handels? Und welche politischen Maßnahmen sind angedacht, um den fairen Handel voranzubringen? Es scheint, als fielen die Antworten zu all diesen Fragen eher enttäuschend aus.

Und genau deswegen ist es dringend notwendig, zumindest auf lokaler Ebene agrarpolitische Schritte einzuleiten um den Fairtrade-Handel und die Kleinbauernfamilien zu fördern und dadurch ein nachhaltiges System voranzutreiben. Im Moment engagieren sich nur vereinzelt Organisationen aus der Zivilgesellschaft, deren Arbeit angesichts der beschriebenen Tatsachen noch unvollständig zu sein scheint.

Regional viele positive Effekte 

Trotz allem muss die Fairtrade-Initiative weiter vorangetrieben werden. Der Effekt, den sie für Kleinbetriebe schon erzielen konnte, ist unbestreitbar. Arnaldo Neira bemerkt, dass „egal welche Organisation man besucht, die Teil der fairen Handelssystems ist, zeigt sich offensichtlich die positive Spur, die dieser hinterlassen hat: viele haben ihre Herstellungsverfahren verbessert, andere wiederum ihre Umgebung, indem sie Straßen gebaut haben oder sich anderweitig einsetzen. Nichtsdestotrotz gibt es zweifellos noch viel zu tun.“ (2)

Allein im Jahr 2012 exportierte Peru mehr als 400 Millionen Zentner Kaffee, die nach Vorgaben des fairen Handels produziert wurden. (3) Diese Zahl zeugt von der wachsenden Bedeutung dieses Systems für die peruanischen Produzent*innen.

Anmerkungen:

(1) „Fairtrade ist eine Handelsgesellschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt aufbaut und versucht, den internationalen Handel gerechter und gleicher zu machen. Sie trägt zur nachhaltigen Entwicklung bei, da sie Arbeiter*innen aus Randgruppen bessere Geschäftsbedingungen bietet.“ (internationale Definition, zitiert nach servindi)

(2) Laut Informationen der CNCJ Peru wird ein Teil des durch den fairen Handel erwirtschafteten Geldes in die Verbesserung der Produktionsmechanismen sowie in die Weiterentwicklung der Wohnorte von Produzent*innen und deren Familien investiert.

(3) Laut Informationen der CNCJ Perú

 

Weiterlesen:

Eine noch immer diskutierenswerte, interessante Analyse:

Kostenanalyse und Preisvorschlag zur Unterstützung der Kaffeeproduktion, der Kaffee anbauenden Familien und der von Fairtrade zertifizierten Organisationen in Lateinamerika // 2007 // Christopher M. Bacon, Ph.D. christophermbacon@gmail.com CAFENICA und die Koordinierungsstelle der für den Fairen Handel produzierenden Genossenschaften aus Lateinamerika und der Karibik (CLAC)

 

Dieser Artikel ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

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