Chile

Erstmals Marineoffiziere wegen Entführung unter Pinochet verurteilt


(Buenos Aires, 10. Juni 2009, púlsar).- Das Berufungsgericht in Valparaíso verurteilte sieben ehemalige Marineoffiziere wegen der Entführung des linken Politikers Jaime Aldoney Vargas im Jahr 1973. Vargas war damals Stadtrat des Ortes Limache in der Region von Valparaíso gewesen.

Beamte der uniformierten Polizei (Carabineros) hatten Vargas am 12. September 1973, am Tag unmittelbar nach dem erfolgreichen Putsch von Augusto Pinochet, gemeinsam mit 12 weiteren Personen festgenommen. Er wurde verschleppt und ermordet.

Es ist das erste Mal, dass ehemalige Funktionäre der Marine wegen Menschenrechtsverletzungen, die sie während der Diktatur von Pinochet begangen haben, verurteilt worden sind. Die Richter verurteilten in einer nicht einstimmig getroffenen Entscheidung die Angeklagten Ernesto Leonardo Hüber von Apeen, Patricio Maximiliano Horacio Valentín Villalobos Lobos, Pedro Pablo Arancibia Solara, Jaime Miguel Urdandgarín Romero und Germán Patricio Valdivia Keller zu einer Haftstrafe von drei Jahren und einem Tag.

Das Gericht sieht in diesen Verurteilten die Verantwortlichen für die Entführung. Dennoch wurde die Strafe zur Bewährung unter Aufsicht (libertad vigilada) ausgesetzt.

Der Marineangehörige Guillermo Ignacio Vidal Hurtado sowie der Kommandant der Militärbase El Belloto, Iván Mendoza Rojas, wurden ebenfalls verurteilt. Die beiden erhielten jeweils eine Haftstrafe von 541 Tagen.

Mit diesem Urteil hob das Berufungsgericht die Entscheidung des Richters Julio Miranda auf, der Hübner von Apeen in erster Instanz freigesprochen hatte.

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