Argentinien
Fokus: Menschenrechte 2011

Erstmals Indígena zum Bürgermeister gewählt


Bürgermeister Ricardo Sandoval / servindi(Lima, 23. September 2011, servindi).- Zum ersten Mal in der Geschichte Argentiniens wurde in der Provinz Chaco am 18. September ein Indígena ins Bürgermeisteramt gewählt. Der 37-jährige Ricardo Sandoval vom Volk der Toba war bei den Wahlen in El Espinillo für die Wahlallianz Front für den Sieg FPV (Frente para la Victoria) der amtierenden Präsidentin Cristina Kirchner angetreten. Sandoval hatte 27 Prozent der Stimmen erhalten.

„Mit einer Wahl wie der vom vergangenen Sonntag haben die indigenen Gemeinden ihre Mentalität dahingehend geändert, dass sie entscheiden können und ein politisches Projekt vorantreiben“, unterstrich Sandoval. Wichtige Vorhaben seien der Bau einer asphaltierten Straße bis zu den indigenen Gemeinden sowie die Errichtung eines Abwassersystems und die Trinkwasserversorgung, ergänzte der frisch gewählte Bürgermeister.

Gemeindereform und Quotenregelung

Sandoval ist der erste Bürgermeister des Gemeindebezirks El Espinillo überhaupt. Der Bezirk war auf Drängen der lokalen Bevölkerung erst vor wenigen Monaten durch eine Strukturreform geschaffen worden, wie lokale Medien berichten.

Festgelegt wurde bei der Reform demnach auch, dass Ämter entsprechend des Bevölkerungsanteils an Indígenas vergeben werden müssen. Als Grundlage soll der jeweils letzte Zensus dienen. Mit dieser Quotenregelung wolle man verhindern, dass, ähnlich wie in anderen Gemeinden des Chaco, eine indigene Mehrheit von einer weißen Minderheit regiert wird, so die argentinische Zeitung El Clarín in ihrer Onlineausgabe.

 

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