Guatemala

Erster hochrangiger Militär wegen Genozids vor Gericht


Héctor Mario López Fuentes(Guatemala-Stadt, 24. Juni 2011, cerigua).- Der im Ruhestand befindliche General Héctor Mario López Fuentes ist festgenommen worden und wurde den Gerichtsbehörden überstellt. Der Oberbefehlshaber der Armee von 1982 bis 1983 der de-facto-Regierung des Generals Ríos Montt, wurde wegen Menschenrechtsverbrechen und Völkermord angeklagt.

Nach lokalen Medienberichten wird der ehemalige General von der für Menschenrechte zuständigen Staatsanwaltschaft angeklagt, für über 10.000 Morde, 9.000 Vertreibungen und Vergewaltigungen hauptverantwortlich zu sein. Die Verbrechen wurden zwischen März 1982 und Oktober 1983 im Gebiet der Ixil, im nördlichen Bundesstaat Quiché begangen.

Verbrechen in der Regierungszeit von Ríos Montt

Der zuständige Staatsanwalt Manuel Vásquez erklärte, die Verbrechen hätten im Rahmen der Operationen Sofía, Victoria 82 und Firmeza 83 stattgefunden. Diese Operationen seien unter dem Oberbefehl von López Fuentes geplant und ausgeführt worden, der damals Generalstabschef der Regierungszeit von Ríos Montt war. Ríos Montt ist heute Abgeordneter der Nationalversammlung.

Der General im Ruhestand wurde am 17. Juni in seiner Residenz verhaftet, die sich im Viertel Lourdes, Zone 17 der Hauptstadt befindet. Die Anklagepunkte lauten Genozid, Menschenrechtsverbrechen und gewaltsames Verschwindenlassen. Der Verhaftete wurde zum Militärstützpunkt Matamoros gebracht und am 20. Juni erstmals vernommen.

Anzeige liegt seit zehn Jahren vor

Der Rechtsbeistand für Menschenrechte CALDH (Centro de Acción Legal para los Derechos Humanos) und die Vereinigung für Gerechtigkeit und Wiedergutmachung AJR (Asociación por la Justicia y la Reconciliación) hatten eine solche Anklage gefordert. Sie zeigten sich daher zufrieden, dass der ehemalige Militärführer festgenommen wurde, zehn Jahre nachdem Anzeige erstattet worden ist.

Der Vorsitzende des CALDH, Mario Minera erklärte, dass López Fuentes des Todes von mindestens 317 Menschen angeklagt sei. Nach Angaben der Kommission für Aufklärung und Wiedererlangung der Erinnerung der Katholischen Kirche wurden in jener Zeit über 600 Massaker begangen; über 440 Gemeinden wurden zerstört.

 

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