Argentinien

Erste Verurteilung wegen Menschenhandels


(Fortaleza, 30. November 2009, adital).- Am Donnerstag dem 26. November wurde die Argentinierin Julia Núñez zu zehn Jahren Haft wegen Menschenhandels verurteilt. Damit fand das im April 2008 implementierte „Gesetz zur Verhinderung und Bestrafung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer“ (Ley de Prevención y Sanción de la Trata de Personas y Asistencia a sus Víctimas) zum ersten Mal Anwendung.

Julia Núñez (55) wurde verurteilt, weil sie Mädchen und junge Frauen aus den Armenvierteln des Großraums der Stadt Santa Fé zur Prostitution gezwungen hatte. Sie brachte ihre Opfer dazu, ihre Familien zu verlassen, indem sie ihnen bezahlte Hausarbeit und monatliche Geldzuwendungen an die Familien versprach. Tatsächlich wurden die Mädchen und Frauen jedoch in Bordelle der Provinz Buenos Aires verschleppt und zur Sexarbeit gezwungen.

Wie in dem Prozess bewiesen werden konnte, brachte Julia Núñez die 13 Jahre alte Carolina F. in ihre Gewalt, sowie eine 19-jährige junge Frau, die in der Hauptverhandlung vor dem Bundesgericht aussagte. Dabei legte die 19-Jährige die mafiöse Vorgehensweise der Menschenhändler*innen offen: Nachdem die Mädchen und Frauen gefangen genommen wurden, übergab man sie einem Mann, der versuchte, sie mit körperlicher Gewalt gefügig zu machen. Wenn sie sich wehrten, wurde ihnen damit gedroht, ihren Familien Schaden zuzufügen. Schließlich wurden sie in einen Nachtclub nahe der Stadt Trenque Lauquen verfrachtet.

Es konnte außerdem aufgedeckt werden, dass der Lebensgefährte von Julia Núñez, Héctor Rousselot, ebenfalls zu dem Menschenhandelsring gehört. Rousselot befand sich bereits wegen Mordes im Gefängnis. Mit der „Anwerberin“ Julia Núñez bestand über das Mobiltelefon eines Gefängniswärters regelmäßiger Kontakt. Rousselot nutzte zudem seinen Hafturlaub für weitere verbrecherische Aktivitäten im Menschenhandel und befindet sich zur Zeit auf der Flucht.

Carolina F. galt seit dem 3. März dieses Jahres als vermisst. Erst nach der Verurteilung von Julia Núñez kam sie frei: Am 9. Dezember suchte sie eine Polizeistation auf und befindet sich seitdem an einem aus Sicherheitsgründen geheimgehaltenen Ort.

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