Brasilien

Erneut Radiomoderator in Brasilien ermordet


Der ermordete Radiomoderator Israel Gonçalves Silva /Foto: Article19/Adital(Fortaleza, 19. November 2015, adital).- In der brasilianischen Stadt Lagoa de Itaenga (Bundesstaat Pernambuco) ist am vergangenen 10. November erneut ein Radiomoderator ermordet worden. Dies berichtet die zu Meinungs- und Pressefreiheit arbeitende Menschenrechtsorganisation Article 19. Laut Angaben des 12. Bataillons der Militärpolizei von Pernambuco habe sich Israel Gonçalves Silva in einer Handelseinrichtung befunden, als er von vier Schüssen getroffen wurde. Der Täter sei gemeinsam mit einem Komplizen auf einem Motorrad zum Tatort gekommen. Anschließend seien die beiden geflohen, ohne einen Diebstahl zu verüben.

Israel Silva arbeitete für Community-Radio Itaenga FM

Israel Silva arbeitete beim Community-Radio Itaenga FM und moderierte dort das Programm „Micrófono abierto“ (Offenes Mikrofon), das politische Nachrichten aus der Region verbreitet wo Hörer*innen Missstände anzeigen und Rechtsansprüche vorbringen können. Zudem war der Moderator auch als Korrespondent für das Portal „La Voz de Vitória“ tätig. Nach Angaben von Article 19 hatte Silva bereits eine Reihe von Drohungen und Einschüchterungsversuchen erhalten, die er auch zur Anzeige gebracht hatte.

Der Mord am Radiomoderator Israel Silva reihe sich in eine „besorgniserregende“ Statistik für das Jahr 2015 ein, in dem es besonders viele Morde an Medienschaffenden gegeben habe, so Article 19. Allein im ersten Halbjahr des Jahres waren vier Medienarbeiter*innen (eine Journalistin und drei Moderatoren) laut Untersuchungen der Organisation aufgrund ihrer Arbeit umgebracht worden. „Weitere vier Morde werden gegenwärtig noch untersucht, doch alles deutet auf eine Verbindung zwischen Beruf und Straftat hin, die noch bestätigt werden muss“, so Article 19.

Staat muss für besseren Schutz sorgen

Vor allem sei die Situation im Nordosten Brasiliens, wo auch Israel Silva tätig war, besonders alarmierend. Dort wurden in diesem Jahr bereits die Moderatoren José Patricio de Oliveira und Gleydison Carvalho in Ceará ermordet. Moderator Djalma dos Santos wurde in Bahía umgebracht, zuvor hatte er Morddrohungen erhalten. In allen Fällen gebe es konkrete Hinweise darauf, dass die Ausübung ihres Berufes Grund für ihre Ermordung gewesen ist, so Article 19.

Die Organisation fordert von den brasilianischen Behörden ein schnelles und effektives Handeln bereits dann, wenn Medienschaffende erstmals bedroht werden um zu verhindern, dass diese Drohungen sich in weit gewaltsameren Übergriffen manifestieren. Nach Erhebungen der Menschenrechtsorganisation hatten 67 Prozent der Mordopfer sowie der Personen, die einen Mordversuch überlebten zuvor Drohungen erhalten und seien Opfer von irgendeiner Art Gewaltakt geworden.

Weiter heißt es: „In diesem Kontext ist es essentiell, dass der brasilianische Staat auf Landes- und Bundesebene angemessene Maßnahmen zur Vorsorge und zum Schutz der Medienschaffenden anbietet um das Klima für die Ausübung von Kommunikation in Brasilien sicherer zu machen.“

 

Dieser Artikel ist Teil unseres diesjährigen Themenschwerpunkts:

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