Peru

Erinnert euch! Frauenkollektive demonstrieren gegen Fujimori-Familie


Aufruf zum ersten Marsch für die Würde / Mujeres Dignidad(Fortaleza, 27. April 2011, adital/poonal).- Etwa 1.000 Mitglieder des Zusammenschlusses „Für die Würde der Frauen: Nein zu Keiko“ (Mujeres Dignidad: No a Keiko) demonstrierten am 27. April 2011 in Lima unter dem Motto „Marsch für die Würde und die Erinnerung: niemals mehr Fujimori“. Die Kundgebung bildete den Auftakt einer Reihe von friedlichen Aktionen der Frauengruppe, mit der die Bevölkerung an die Verbrechen erinnert werden soll, die während der Regierungsperiode von Alberto Fujimori in den Jahren von 1990 bis 2000 begangen wurden.

„Demokratische Ordnung mit Füßen getreten“

Aktueller Anlass ist die Präsidentschaftskandidatur seiner Tochter Keiko Fujimori für das Wahlbündnis „Die Macht 2011“ (Fuerza 2011). In einer 2. Wahlrunde am 5. Juni dieses Jahres wird sie in einer Stichwahl gegen Ollanta Humala, den Kandidaten des Bündnisses „Peru gewinnt“ (Gana Perú) antreten.

„Wir sind überzeugt, dass die Würde der Peruanerinnen und Peruaner unvereinbar mit der Rückkehr eines autoritären und korrupten Regimes ist, das den unkontrollierten Kapitalismus befürwortet, wie es die Partei Fuerza 2011 mit ihrer Kandidatin Fujimori propagiert. Ihre Kandidatur ist eine Rückkehr zu den Zeiten, als der Rechtsstaat und die demokratische Ordnung mit Füßen getreten wurden, eine systematische Korruption allgemein üblich war und die Menschrechte sowie die sozialen und wirtschaftlichen Rechte der Peruaner*innen verletzt wurden“, so der Wortlaut des Dokuments.

Die Frauengruppe beschuldigt Keiko Fujimori, an Verbrechen wie Entführungen, dem gewaltsamen Verschwinden lassen von Personen und außergerichtlichen Hinrichtungen während der Regierungszeit ihres Vaters beteiligt gewesen zu sein. Außerdem ist sie der Meinung, dass sich die Familie an der Staatskasse bereichert hat: „Die Präsidentschaftskandidatin hat es vor Gericht ausdrücklich abgelehnt, die Herkunft der 800.000 US-Dollar für ihr kostspieliges Auslandsstudium und das ihrer Geschwister zu erklären“, so die Frauengruppe.

Ex-Präsident Fujimori wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilt

Alberto Fujimori regierte das Andenland von 1990 bis zu seiner Flucht nach Japan im Jahr 2000. Im April 2009 wurde der ehemalige Präsident vom Obersten Gerichtshof zu 25 Jahren Gefängnis wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Das Gericht machte ihn für Entführungen und insgesamt 25 Morde verantwortlich. Fujimori war der Massaker von La Cantuta und Barrios Altos in den Jahren 1991 und 1992 sowie der Entführungen des Journalisten Gustavo Gorriti und des Unternehmers Samuel Dyer für schuldig befunden worden.

Verübt wurden die zwei Massaker von der Todesschwadron Colina, zu der Angehörige des peruanischen Militärs gehörten. Die Einheit überfiel im November 1991 ein Fest im Limaer Stadtteil Barrios Altos. Bei dem Überfall waren 15 Menschen getötet worden. Im Juli 1992 entführten und ermordeten die Todesschwadronen neun Studierende und einen Professor der Universität La Cantuta.

Grausames Sterilisierungsprogramm

Die Regierung Fujimori wurde auch durch Sterilisierungsprogramme bekannt, bei denen Frauen mit zweifelhaften Methoden zur Sterilisation genötigt worden waren. Je nach Quelle sollen es etwa 200.000 bis 300.000 Frauen gewesen sein, die zwischen 1996 und 2000 Opfer dieser staatlichen Politik wurden. Den Frauen wurden – oft ohne vorherige Aufklärung, ohne ihre Einwilligung und unter Androhung von Sanktionen – operativ die Eileiter abgeklemmt. Die medizinischen Eingriffe fanden häufig unter prekären, lebensgefährlichen Bedingungen statt.

Dutzende Frauen starben an den Folgen der Operation. Vor allem arme Frauen, Bäuerinnen und Landarbeiterinnen sowie indigene Frauen wurden Opfer dieser Praktiken. Tausende von ohne müssen mit den lebenslangen Folgen zurechtkommen, Entschädigungszahlungen an Opfer und deren Familien gibt es bisher kaum. Bei der so genannte Freiwilligen Chirurgischen Empfängnisverhütung AQV (Anticoncepción Quirúrgica Voluntaria) sei es nach Erkenntnissen von Menschenrechtsorganisationen nicht um Vorsorge oder die Eindämmung von Epidemien gegangen, wie es von offizieller Seite geheißen hatte, sondern um die Verringerung der Geburtenrate unter den Armen, der Landbevölkerung und Indígenas.

Stichwahl zwischen Keiko Fujimori und Ollanta Humala

Bei der Präsidentenwahl am 10. April dieses Jahres hat Ollanta Humala die erste Runde mit 31,69 Prozent gewonnen. Damit verfehlte er die absolute Mehrheit und muss sich deshalb am 5. Juni einer Stichwahl mit Keiko Fujimori stellen, die mit 23,55 Prozent den zweiten Platz belegte.

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