Uruguay

Erblickt sie das Licht der Welt?


Sind Sie schwanger? Ein Gesetz soll vor übergriffigen Fragen beim Einstellungsgespräch schützen / Universidad Montevideo, flickr(Montevideo, 14. Oktober 2011, la diaria/poonal).- Kind oder Arbeit? Eine Gesetzesinitiative soll sicherstellen, dass Schwangerschaften kein Grund für die Nichtbeschäftigung von Frauen sind.

 

 

Gesetzentwurf soll aktuelle Situation verbessern

Es ist quälend und sehr belastend, dass von Frauen bei Antritt einer neuen Stelle oder bei einer Beförderung eine Bescheinigung verlangt wird, die bezeugen soll, dass die Frau nicht schwanger ist. Doch im Alltag kommt dies vor, wie die Allgemeine Arbeitsaufsicht des Ministeriums für Arbeit und Soziale Sicherheit MTSS (Inspección General de Trabajo del Ministerio de Trabajo y Seguridad Social) festgestellt hat.

Deshalb hat die Regierung beim Parlament eine Gesetzesinitiative eingereicht, die diese Situation ändern soll. Im Entwurf des Gesetzestextes ist festgeschrieben, dass es „verboten ist, als Voraussetzung für ein Weiterkommen in Bewerbungs- oder Beförderungsverfahren, für Zugang zu oder Verbleib in Arbeitsverhältnissen auf der Durchführung von Schwangerschaftstests zu bestehen oder die Vorlage von Bescheinigungen zu erzwingen, die eine Schwangerschaft ausschließen. Es ist ebenso verboten, eine Erklärung darüber zu verlangen, dass die Frau nicht schwanger sei“.

Wird dieses Gesetz verabschiedet, so wird die Allgemeine Arbeitsaufsicht künftig Verstöße mit den höchsten Verwaltungsstrafen ahnden. Die Bußgelder sollen laut Gesetzesvorlage dazu benutzt werden, „Maßnahmen des Nationalen Plans für Chancengleichheit und gleiche Arbeitsbedingungen (Plan Nacional de Igualdad de Oportunidades y Trato en el Empleo) umzusetzen“.

Gegenwärtige Praxis verstößt gegen geltendes Recht

In der Begründung kommt das Ziel zum Ausdruck, „das Recht auf Arbeit, auf Mutterschaft, auf Privatsphäre und das Recht auf Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern in Arbeitsfragen“ sicherzustellen. Der Text benennt zudem, gegen welche Regelungen verstoßen wird, wenn Frauen entsprechende Informationen abverlangt werden: Es ist zum Einen ein Verstoß gegen die Verfassung der Republik Uruguay und ein Bruch von internationalen Vereinbarungen, die auch Uruguay ratifiziert hat. Zudem verstößt diese Praxis auch gegen einige nationale Gesetze. Diese Gesetze sind das Gesetz Nr. 16.045, welches es verbietet, gegen das Prinzip der Chancengleichheit und gleicher Arbeitsbedingungen für beide Geschlechter zu verstoßen, Gesetz Nr. 18.104 für die Beförderung von gleichen Chancen und Rechten für Frauen und Männer und das Gesetz Nr. 18.331, das sicherstellt, dass persönliche Daten zur Gesundheit der Person so eingestuft werden, dass für sie das „Recht auf Privatheit gilt, und dass deshalb niemand verpflichtet werden kann, diese zur Verfügung zu stellen.“

Die Argumentation der Regierung entkräftet auch wirtschaftliche Argumente: „Eine Untersuchung aus dem Jahr 2000 über Arbeitskosten zeigt auf, dass dem Arbeitgeber nur sehr geringe Unkosten aufgrund von schwangerschaftsbedingten Fehlzeiten entstehen, und die Kosten größtenteils auch von der Sozialversicherung getragen werden.“

Die Gesetzesinitiative steht in Einklang mit dem Ziel, die Arbeitslosigkeit von Frauen zu senken, die viel höher ist als die Arbeitslosigkeit von Männern. Außerdem soll damit ein weiterer Geburtenrückgang verhindert werden.

[Der Originalartikel erschien am 14. Oktober 2011 in der uruguayischen Tageszeitung „la diaria„]


banner ddhh

CC BY-SA 4.0 Erblickt sie das Licht der Welt? von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Ex-Staatssekretär versteckt Millionen im Kloster (Montevideo, 15. Juni 2016, la diaria).- Der ehemalige Staatsekretär im argentinischen Bauamt, José López, wurde bei dem Versuch festgenommen, acht Millionen Dollar im Kloster Nuestra Señora de Fátima zu verstecken. López war zwölf Jahre lang die Nummer zwei im Planungsministerium. Das gesamte politische Spektrum Argentiniens beeilte sich, das Verhalten von López zu verurteilen. In einer Pressekonferenz am 14. Juni erklärte Kabinettschef Marcos Peña, López sei “keine unbedeut...
Fall Victor Jara: US-Prozess gegen chilenischen Militärangehörigen (Montevideo, 14. Juni 2016, la diaria).- “Wie Sie sich vorstellen können, ruft dieser Moment, dieser Prozess viele Erinnerungen und Gedanken wieder wach”, erklärte die 89-jährige Joan Jara gegenüber der Presseagentur EFE. Die Witwe des chilenischen Musikers Victor Jara ist eine von über 20 Zeug*innen im Zivilprozess, der am 13. Juni von einem US-Gericht gegen Pedro Pablo Barrientos Núñez eröffnet wurde. Der chilenische Militärangehörige war einer der Oberstleutnants, die währ...
Interview mit Verónika Mendoza: Das kleinere Übel wählen Von Stephanie Demirdjian(Montevideo, 01. Juni 2016, la diaria).- Mendoza kommt zu spät zum Interview, sie hat sich in den Straßen von Montevideo verlaufen, empfindet das aber nicht als Zeitverlust: „So lerne ich die Stadt ein bisschen besser kennen.” Ihre Ernennung als Präsidentschaftskandidatin lief eigentlich ähnlich ab: Bis in den Dezember hinein stellte die Kandidatin der Partei Frente Amplio mit ihren Umfragewerten das Schlusslicht; die Medien nahmen kaum Notiz ...
Protestcamp in der argentinischen Provinz Feuerland gewaltsam geräumt (Montevideo, 01. Juni 2016, la diaria).- Vor mehr als drei Monaten hatten Beamt*innen, überwiegend Lehrer*innen, in der Provinzhauptstadt Ushuaia vor dem Sitz der Landesregierung ein Camp errichtet, um gegen Rentenreformen zu protestieren. Die Reformen hatte die Chefin der Regionalregierung, Rosana Bertone, auf den Weg gebracht. Am vergangenen Dienstag wurde das Camp von der Polizei geräumt. Bei dem in den frühen Morgenstunden begonnenen Einsatz wurden mehrere Arbeiter*innen ...
Schwierige Versorgungssituation (Montevideo, 29. April 2016, la diaria).- Während die Opposition Unterschriften sammelt, um ein Referendum zur Abwahl des venezolanischen Staatspräsidenten Nicolás Maduro einzuberufen, hat sich die Ernährungs- und Energiesituation in Venezuela verschlechtert. Laut Regierung liege das an einem von den USA geplanten Boykott-Versuch.Laut verschiedener Umfragen haben heute 90 Prozent der Venezolaner*innen weniger Lebensmittel zur Verfügung als früher, 31 Prozent nehmen wenige...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *