Kuba

Ein kurzer Nachruf auf ein langes Leben


Von Addys Mercedes

Foto: Antonio Marín Segovia, CC-BY-NC-ND-2.0

Foto: Antonio Marín Segovia, CC-BY-NC-ND-2.0

(27. November 2016, poonal).- Fidel Castro ist tot und gestern wurde ich beim Konzert gefragt, was ich hierzu fühle und denke, ob ich Trauer oder Freude empfinde. Weder noch, ich kannte ihn nicht persönlich, bin nicht sonderlich empfänglich für romantische Sozialismusverklärungen in Deutschland und auch nicht für Jubel über den Tod eines Menschen.

Ich fühle mich nicht als Richter über sein politisches Leben. Auch wegen ihm bin ich in Kuba gänzlich unpolitisch aufgewachsen. Seine Entscheidungen schwebten über allem, seine abendfüllenden Reden waren für mich nur ein Grundrauschen aus den Nachbarhäusern, da wir zu arm waren uns einen russischen Fernseher zu kaufen und meine Heldin ohnehin eher die Ballerina Alicia Alonso war.

Fidel erschien wie eine unveränderliche Naturgewalt. Meine Oma war froh, dass er sie von Batista befreite, meine Mutter und ich kannten keine anderen Präsidenten. Warum sollten wir uns über Politik Gedanken machen, wenn sich offensichtlich nichts verändern ließ? Es gab kein Internet, keine internationale Presse und die staatliche Zeitung „Granma“ brauchte ich vor allem als Schutzhülle für meine „Libretas“ (kubanische Essensmarken).

Meine Neugierde hat mich nach Deutschland gebracht und ich lernte eine neue Welt kennen, in der Menschen an Entwicklung und Veränderung glauben. Ich hoffe sehr, dass sich Kuba weiter öffnet und einen friedlichen Übergang in eine demokratische Gesellschaft schafft. Ein Land, in dem Menschen frei reisen können und in das sie gerne wieder zurückkehren, weil sie an ihre Zukunft und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten glauben. Mein Cousin wäre vielleicht nicht auf dem Weg über das Meer nach Miami verschollen.

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