Guatemala

Ehemaliger Elitesoldat wegen Massaker vor Gericht


alt(Guatemala-Stadt, 12. April 2011, cerigua).- Ein weiterer ehemaliger Militär, der beschuldigt wird, 1982 an einem Massaker beteiligt gewesen zu sein, hatte Ende März seine erste Anhörung vor einem Hochsicherheitsgericht. Bei dem Massaker im Dorf Dos Erres im Department Petén wurden 251 Einwohner*innen des Dorfes ermordet.

Nach Informationen von Aura Elena Farfán von der Vereinigung der Angehörigen von Gefangenen und Verschwundenen Guatemalas FAMDEGUA (Asociación de Familiares de Personas Detenidas y Desaparecidas de Guatemala), wurde der Ausbilder Daniel Marínez Méndez kürzlich im Bezirk Chiquimula festgenommen. Zuvor waren bereits Manuel Pop Sun, Reyes Colling Gualip und Carlos Antonio Carías festgenommen worden, die auch als Mittäter unter Anklage stehen. Sie alle gehörten der Elitetruppe Kaibiles des guatemaltekischen Militärs an.

Zudem habe die Staatsanwaltschaft die Auslieferung von Jorge Vinicio Orantes beantragt, der in Kanada inhaftiert ist, teilte die Menschrechtsaktivistin weiter mit. Dennoch sei ein langwieriger Prozess zu erwarten.

Verfahren jahrelang verschleppt

Farfán wies darauf hin, dass die Strafverfolgung der am Massaker beteiligten Soldaten von 1999 bis 2010 ausgesetzt werden musste. Die Verteidigung der Angeklagten hatte zahlreiche Einsprüche eingereicht, welche eine Weiterführung des Verfahrens verzögert und behindert hatten.

Genau deswegen wurde der guatemaltekische Staat in diesem Fall vom Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte CorteIDH (Corte Interamericana de Derechos Humanos) verurteilt. Daraufhin stellten die Behörden die Haftbefehle gegen 17 ehemalige Kaibiles erneut aus.

Erst kürzlich haben internationale Menschenrechtsorganisationen wie das Zentrum für Gerechtigkeit und Internationales Recht CEJIL (Centro por la Justicia y el Derecho Internacional), den guatemaltekischen Verfassungsgerichtshof CC (Corte de Constitucionalidad) aufgefordert, Entscheidungen zu korrigieren, welche internationale Urteilssprüche des CorteIDH nicht erfüllen.

Der Fall von Dos Erres wurde im Juli 2009 von FAMDEGUA und CEJIL vor den CorteIDH gebracht. Bereits im Dezember 2009 fällte der Interamerikanische Gerichtshof sein Urteil. Demnach habe Guatemala die juristischen Garantien und Integrität der Opfer verletzt und die Verpflichtungen des Abkommens nicht eingehalten, welches in einer gütlichen Einigung mit dem CorteIDH im Jahr 2000 getroffen worden war.

CC BY-SA 4.0 Ehemaliger Elitesoldat wegen Massaker vor Gericht von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Uns bringt das Erdöl gar nichts!“ Von Darius Ossami (Berlin, 15. Februar 2018, npl). Der Staat, private Unternehmen und internationale Konzerne - sie alle fördern seit Jahrzehnten Erdöl im peruanischen Amazonasgebiet. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Umweltverschmutzungen und zu Konflikten mit den dort lebenden Indigenen. Für viele der Ölaustritte ist eine Pipeline verantwortlich, die von den Ölfeldern im Amazonasgebiet bis zu den Häfen an der Küste führt. Die Pipeline "Oleoducto Norperuano" geh...
Ileana Alamilla ist tot: Guatemala wird eine kluge Stimme fehlen Von Gerold Schmidt (Mexiko-Stadt, 20. Januar 2018, npl).- Am 17. Januar starb in Guatemala-Stadt völlig überraschend aufgrund nicht näher benannter natürlicher Ursachen die Journalistin und gelernte Anwältin Ileana Alamilla Bustamante, Gründerin der Poonal-Mitgliedsagentur cerigua (Informationszentrum zu Guatemala) und mehrfache Vorsitzende des guatemaltekischen Journalist*innenverbandes (APG). Erst zwei Tage vor ihrem Tod hatte Alamilla, die auch regelmäßige Kolumnen ...
Welle von Verfassungsklagen gegen umstrittenes Sicherheitsgesetz Von Gerd Goertz (Mexiko-Stadt, 19. Januar 2018, npl).- Die Diskussion um das Ende vergangenen Jahres vom mexikanischen Abgeordnetenhaus und dem Senat mit den Stimmen der Regierungsmehrheit und Teilen der konservativen Oppositionspartei PAN verabschiedete Gesetz zur Inneren Sicherheit (siehe Poonal Nr. 1281) wird vor dem Obersten Gerichtshof weiter geführt. Mehrere Tage vor Ablauf der entsprechenden Frist am 20. Januar hatte bereits die Stadt Cholula eine Verfassungskla...
Auftraggeber von Massaker an Landlosen-Aktivisten im Gefängnis Von Benjamin Bunk, Belo Horizonte (19. Dezember 2017, amerika 21).- Der Großgrundbesitzer Adriano Chafik Luedy, in Brasilien rechtskräftig wegen Mordes verurteilt, ist am 14. Dezember in Salvador de Bahia verhaftet worden. Die Nachricht über die Festsetzung von Chafik in Brasilien platzte direkt in das Jahrestreffen der Landlosenbewegung MST. Am 20. November 2004 waren in der Nähe von Felisburgo in der Grenzregion zwischen den Bundesstaaten Minas Gerais und Bahia fünf ...
Aktivistin Milagro Sala erneut verhaftet Von Maylin Vidal (Buenos Aires, 17. Oktober 2017, cimacnoticias/prensa latina).- Seit Mitte Oktober macht die Nachricht Schlagzeilen in allen argentinischen und auch einigen ausländischen Zeitungen: Die argentinische Aktivistin Milagro Sala muss wieder ins Gefängnis. Der Beschluss sorgte für heftige Kritik seitens verschiedener internationaler Organisationen. “Es ist wie ein Alptraum, aus dem ich nicht aufwachen kann“, twitterte Sala über den Account der Tupac Amaru-Or...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.