ECUADOR: Verfassunggebende Versammlung stellt sich gegen US-Stützpunkt in Manta


(Lima, 08. April 2008, noticias aliadas).- Die USA kompensierten den Rückzug vom Panamakanal im Jahr 1999, indem sie Abkommen zur Nutzung der internationalen Flughäfen Aruba und Curaçao in El Salvador abschlossen. Darüber hinaus pachteten sie für zunächst zehn Jahre den Flughafen Eloy Alfaro in der ecuadorianischen Küstenstadt Manta. Die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors verabschiedete nun am 31. März einen neuen Artikel 5, der dieser Nutzung widerspricht: „Die Einrichtung von Militärstützpunkten und Anlagen mit militärischem Nutzen ist fremden Staaten nicht erlaubt. Militärstützpunkte im Inland können nicht bewaffneten oder ausländischen Truppen überlassen werden.“

Das Abkommen zwischen Ecuador und den USA über den Stützpunkt in Manta läuft im November 2009 aus. Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa versicherte, dass der Vertrag nicht verlängert werde und es die Idee gebe, ein Gesetzesprojekt zu verabschieden, das eine vorzeitige Beendung des Vertrages ermögliche. Zurzeit ist eine Verlegung des US-Stützpunktes nach Kolumbien im Gespräch.

Die USA haben im Zuge von militärischen Umstrukturierungsmaßnahmen weitläufige Anlagen durch kleinere, beweglichere Einrichtungen ersetzt, auf denen weniger Personal stationiert ist. In Manta sind es rund fünfzehn Personen. Der Stützpunkt hätte jedoch die Kapazität für fast 500 Soldat*innen. Die Kommunikation läuft hauptsächlich über den Ort Colorado Springs in den USA. Hinter der Verkleinerung steht dem ehemaligen US-amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zufolge die Idee einer „beweglichen, letalen, schnell verfügbaren [Einsatztruppe] mit geringem logistischen Aufwand“.

Sechs weitere kleine Militärstützpunkte haben die USA in Kolumbien und einen in Peru. Von dem Operationszentrum in Manta aus werden die Einheiten in der gesamten Region koordiniert. Derzeit wird untersucht, ob US-amerikanische Kampfflugzeuge dieses Stützpunktes an dem Angriff auf das FARC-Camp im ecuadorianischen Sucumbíos am 1. März dieses Jahres beteiligt waren (siehe Poonal Nr. 796, 796). Die Regierung Ecuadors hatte versichert, dass kolumbianische Flugzeuge nicht in der Lage dazu seien, über ecuadorianischem Gebiet Bomben abzuwerfen, so wie Anfang März geschehen. Die US-amerikanischen Flugzeuge, die in Manta stationiert sind, hätten diese Operation hingegen durchführen können, meint die mexikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Ana Ester Ceceña, die am Institut für Wirtschaftsstudien der Universidad Nacional Autónoma de México UNAM in Mexiko-Stadt forscht. Ana Ester Ceceña ist auch Mitglied der Kampagne zur Entmilitarisierung Amerikas CADA (Campaña por la Desmilitarización de las Américas).

CC BY-SA 4.0 ECUADOR: Verfassunggebende Versammlung stellt sich gegen US-Stützpunkt in Manta von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Intag: Fortschritt für wen? von Wolf-Dieter Vogel(Berlin, 29. Januar 2016, npl).- Junín, eine kleine Gemeinde in den nordwestlichen Ausläufern der Anden Ecuadors. Dort betreibt Olga Curtíz mit einer Kooperative ein Gästehaus, das Abenteuerurlauber*innen Unterkunft bietet. Ökotourismus zwischen Bananenstauden, Orangenbäumen und Kaffeesträuchern, inmitten eines subtropischen Regenwaldes, der die Bergregion in ein grünes Paradies verzaubert. Viel Geld verdient die 41jährige alleinstehende Frau nich...
Ecuador: Fortschritt für wen? Indigene Gemeinden und Umweltschützer hatten große Hoffnungen, als Rafael Correa 2007 zum Präsidenten Ecuadors gewählt wurde. Schließlich hatte er sich für eine vorsichtigen Umgang mit der Natur und gegen die rückhaltlose Ausbeutung der Rohstoffe stark gemacht. Doch davon will der linke Politiker längst nichts mehr wissen.Er hat grünes Licht für die umstrittene Förderung des Erdöls im Yasuní-Nationalpark gegeben und unterstützt den Abbau von Mineralien in anderen Regionen des...
Präsident Correa: „Regierung soll durch Verschwörung gestürzt werden.“ (Buenos Aires, 15. Juni 2015, púlsar).- In den letzten Tagen gab es in Ecuador verschiedene Proteste mittlerer und führender Wirtschaftszweige gegen die Regierung von Präsident Rafael Correa, die im Gegenzug dazu von diversen sozialen Organisationen verteidigt wurde. Demonstrant*innen der Opposition bildeten am 15. Juni 2015 eine lange Autokarawane mit schwarzen Flaggen und machten sich auf den Weg zum Flughafen der Stadt Quito. Dort wollten Sie bei der Ankunft von Präsident ...
Ecuador: 3,8 Prozent Wachstum trotz sinkendem Ölpreis in 2014 von Pablo Florencio Salazar (Buenos Aires, 07. April 2015, púlsar).- Ecuadors Wirtschaftswachstum ist trotz sinkendem Ölpreis im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gewachsen. Laut Präsident Rafael Correa gehöre das Land damit zu den vier Ländern mit der größten Wachstumsrate in Lateinamerika, die zudem fast das Vierfache des lateinamerikanischen Durchschnittswertes betrage. Man wolle auch in 2015 diese Dynamik aufrechterhalten, so Correa.   Vor allem die Sektoren Fisch- und...
Globale Klimagerechtigkeit: Das Beispiel Yasuní Die Idee war super: Das Naturreservat Yasuní im ecuadorianischen Amazonasgebiet sollte nicht weiter an Erdöl-Multis verkauft werden. Stattdessen sollte die ,,internationale Gemeinschaft" wenigstens der Hälfte der durch den Verzicht entgangenen Einnahmen in einen Fonds für die ecuadorianische Regierung einzahlen. Doch wie das eben so ist: Bei Geld hört nicht nur die Freundschaft, sondern auch der Umweltschutz auf. Das Projekt Yasuní-ITT steht vor dem Scheitern.   Doch n...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *