Ecuador

Ecuador erklärt Yasuni-Initiative für gescheitert


yasuni-itt-logojpg(Venezuela, 16. August 2013, telesur-poonal).- Ecuadors Präsident Rafael Correa hat in einer Fernsehansprache am 15. August bekannt gegeben, dass er ein Dekret unterzeichnet habe, welches die Yasuni-ITT-Initiative für beendet erklärt. Diese Entscheidung sei eine der schmerzhaftesten Entscheidungen seiner Regierungszeit gewesen. „Die Welt hat uns im Stich gelassen”, so der Präsident. Er habe das Parlament gebeten, der Ausbeutung der Erdölvorräte in Yasuni zuzustimmen.

Nur 0,37 Prozent der geforderten Kompensationsgelder

Der vor sechs Jahren gemachte Vorschlag der ecuadorianischen Regierung sah vor, die rund 920 Mio. Barrel Erdöl (etwa 20 Prozent der Erdölvorräte des Landes) aus dem Block Ishpingo – Tiputini – Tambococha (ITT) für immer im Boden zu belassen. Dieser Schritt hätte eine Verringerung des weltweiten CO2-Ausstoßes um 400 Millionen Tonnen bedeutet, sowie den Erhalt eines einzigartigen Naturraumes und Lebensraumes von indigenen Völkern und Pflanzen- und Tierarten im Amazonasgebiet des südamerikanischen Staates. Im Gegenzug hatte Ecuador gefordert, dass die Weltgemeinschaft dem Land 3,6 Mrd. US-Dollar als Kompensation in einen Treuhandfonds zahlt. Dieser Betrag entspräche der Hälfte der Einnahmeausfälle Ecuadors, wenn das Erdöl im Boden geblieben wäre.

„Bis zu diesem Moment sind jedoch nur 13,3 Millionen US-Dollar eingezahlt worden“, erklärte Correa. Dieser Betrag entspricht lediglich 0,37 Prozent des geforderten Kompensationsbeitrages. Ecuadors Beauftragte für das Yasuni-ITT-Projekt, Dr. Ivonne Baki bei einem Vortrag zum Projekt / UTPL, CC BY-NC-SA 2.0, flickrDie internationale Gemeinschaft hätte mindestens einen Beitrag von 1,3 Millionen US-Dollar leisten sollen, so der Präsident, „Es waren keine milden Gaben, um die wir gebeten haben, sondern Mitverantwortung“, unterstrich der Präsident. Mit seiner Unterschrift unter das Präsidialdekret Nr. 74 hat Rafael Correa die Auflösung des Treuhandfonds angewiesen.

Correa kritisiert Heuchelei

Die Verursacher des Klimawandels konnten oder wollten die Initiative nicht mittragen, kritisierte er. „Damit es niemand falsch versteht: Der grundlegende Faktor für das Scheitern liegt darin, dass die Welt eine einzige Heuchelei ist. Und die vorherrschende Logik ist nicht die der Gerechtigkeit, sondern die der Macht“, stellte Correa klar. Er glaube zudem, dass diese Initiative ihrer Zeit voraus gewesen sei, zudem „haben wir Pech gehabt, weil der Vorschlag zu dieser Initiative mit der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren zusammenfiel“, resümierte der Wirtschaftswissenschaftler.

Correa dankte in seiner Ansprache auch allen Personen, Institutionen und Regierungen, die diese Initiative unterstützt hatten. Die Erlöse aus der Erdölförderung sollen nun der ärmsten Bevölkerung Ecuadors zugute kommen und für Trinkwasserzugang, Gesundheitsversorgung, Abwassersysteme und den Zugang zu Bildung ausgegeben werden, sagte der Präsident.

Erdölförderung soll bald beginnen

Der Präsident erklärte weiter, dass nur ein Prozent des 1989 zum UNESCO-Biosphärenreservat Gefährdete Vielfalt im Yasuni-Gebiet / joshbousel, CC BY-NC-SA 2.0, flickrerklärten Yasuni-Nationalparks von der Erdölförderung betroffen sein werde. Die Explorationsarbeiten sollen bereits in den kommenden Wochen beginnen.

Zunächst muss jedoch das Parlament gemäß Artikel 407 der Verfassung die Erdölförderung in Yasuni zu einem Projekt von nationalem Interesse erklären, damit es umgesetzt werden kann. Die Regierung Correa verfügt im Parlament jedoch seit den Wahlen im Februar dieses Jahres über eine Mehrheit von 100 der insgesamt 137 Sitze.

Das „Yasuní Bündnis Deutschland“ zur Unterstützung der Initiative gab in einer ersten Stellungnahme bekannt, man sei „entsetzt“ über die Entscheidung und erkläre sich „mit den betroffenen Indigenen im und am Yasuní-Nationalpark und der Umweltbewegung Ecuadors solidarisch“.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

2013-banner-entwicklung 2013 klein

CC BY-SA 4.0 Ecuador erklärt Yasuni-Initiative für gescheitert von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Shuar kämpfen gegen den Bergbau Von Darius Ossami Diese Frauen wurden aus Nankints vertrieben, ihr Dorf zerstört. Einige ihrer Männer hielten sich monatelang in den Bergen versteckt. Foto: Wambra Radio (Berlin, 15. November 2017, npl).- Die Regierung Ecuadors hat in den vergangenen Jahren große Flächen der Gebirgskette Cordillera del Cóndor im Südwesten des Landes an Bergbau-Unternehmen verkauft, die dort Kupfer und Gold abbauen wollen. Nach Ansicht von Umweltorganisationen drohen irreparable Schäden...
Indigene Shuar kämpfen gegen den Bergbau Diese Frauen wurden aus Nankints vertrieben, ihr Dorf zerstört. Einige ihrer Männer hielten sich monatelang in den Bergen versteckt. Foto: Wambra Radio Die ecuadorianische Regierung hat große Flächen der Gebirgskette Cordillera del Cóndor im Südwesten des Landes an Bergbau-Unternehmen verkauft, die dort Kupfer und Gold abbauen wollen. Nach Ansicht von Umweltorganisationen drohen irreparable Schäden in dem sensiblen Ökosystem. In der südöstlich gelegenen Provinz Morona San...
Kein Recht auf Gesundheit Volles Wartezimmer, mangelnde Versorgung. Eine Krebsklinik in Venezuela. Foto: Wolf-Dieter Vogel Venezuela galt einst als vorbildlich: Im Kampf gegen den Hunger und für Gesundheit hatte das Land im vergangenen Jahrzehnt große Fortschritte erzielt. Aber die Sache hatte einen Haken: Das gesamte Sozialsystem war durch den Verkauf von Erdöl finanziert, schließlich verfügt der Staat über umfangreiche Vorkommen des schwarzen Goldes. Doch seit der Ölpreis auf dem Weltmarkt um di...
Mitsprache statt Urbanisierung von oben – Das Viertel Villa Las Américas kämpft für ein Recht auf Stadt Von Juan Ortega, Eco Graffiti in Talca, bunt auf Beton / Foto: Mig Rod, cc-by-nd-2-0 (Talca, 13. Oktober 2017, eco-poonal).- Talca, das heißt auf Mapudungun, der Sprache der Mapuche-Indigenas, „Donner.“ Der Name stand auch Pate für eine 1692 gegründete chilenische Provinzhauptstadt. Umringt von Weinbergen und endlosen Obstplantagen, 240 Kilometer südlich von Santiago gelegen, war Talca lange Zeit stolz auf seine koloniale Architektur. Doch im Jahr 2010 traf die Stadt e...
Was wir vom Konzept des „Buen Vivir“ lernen können Von Steffi Wassermann Bedrohtes Paradies: der Yasuní-Nationalpark. Foto: Sara y Tzunki (CC BY-NC 2.0) (Berlin, 12. September 2017, npl).- Seit mehreren Jahren wird das Konzept des Buen Vivir auch in Deutschland vermehrt diskutiert. Der Ansatz verspricht ein Leben im Einklang mit der Natur, ein Leben, das den Wachstumszwang überwunden hat. Aber nicht nur das. In Ecuador und Bolivien wurde Buen Vivir und die damit verbundenen Forderungen von Rechten der Natur sogar in di...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.