Nicaragua

Durch Ignorieren werden die Länder der OAS zu Mittätern der Gräueltaten in Nicaragua: Amnesty


Nicaragua

Die Zahl der bei den Protesten seit dem 18. April Getöteten soll mittlerweile auf über 110 Menschen angestiegen sein. Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 5. Juni 2018, desinformémonos).- „Die Regierung von Präsident Ortega hat nicht die kleinste Bereitschaft gezeigt, ihrer Politik der systematischen und gewaltsamen Unterdrückung ein Ende zu setzen, die in weniger als zwei Monaten mehr als 100 Menschenleben gefordert hat – eine Zahl, die mit jedem Tag steigt. Wenn die Länder der Region die Verantwortung der nicaraguanischen Regierung für diese Gräueltaten ignorieren, werden sie zu Komplizen bei der stetigen Ermordung von Demonstrant*innen und Bürger*innen“, erklärte die Amerika-Direktorin bei Amnesty International (AI), Erika Guevara.

Als Antwort auf den von den Ständigen Vertretungen der USA und Nicaragua bei der OAS vorgelegten „Erklärungsentwurf zur Unterstützung des Volkes von Nicaragua“, betonte Guevara, dass die Mitglieder der Organisation Amerikanischer Staaten OAS „ sich nicht von der nicaraguanischen Bevölkerung abwenden dürfen, wenn es deren Hilfe am nötigsten braucht“.

„Der staatlichen Unterdrückung muss aufhören“

Sie betonte, dass eine wirkliche Unterstützung der Nicaraguaner*innen bedeuten würde, dafür zu sorgen, dass der Staat seine internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf die Menschenrechte erfülle, um Wahrheit und Gerechtigkeit sowie die Entschädigung der Opfer zu garantieren. „Der staatlichen Unterdrückung muss aufhören“, fügte sie hinzu.

Sie erklärte, dass „die mutigen Menschen, die Verteidiger*innen der Menschenrechte und die zivilgesellschaftlichen Organisationen Nicaraguas viel mehr benötigen, als vorsichtige Anteilnahme und Verallgemeinerungen“ und dass es die Pflicht der Staaten sei, ihre bindende Zusage zu geben, „zu garantieren, dass die außergerichtlichen Hinrichtungen und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen sich nicht wiederholen und nicht straffrei bleiben“.

Die Proteste in Nicaragua nahmen zu, nachdem die Regierung von Präsident Daniel Ortega eine verschärfte Repression gegen die Bürger*innen anordnete, die Ende April 2018 die Reformen des Renten- und Sozialversicherungssystems ablehnten. Seitdem wächst im Land die Anzahl der im Rahmen der Unterdrückung festgenommen Menschen und der Opfer der Gewalt.

CC BY-SA 4.0 Durch Ignorieren werden die Länder der OAS zu Mittätern der Gräueltaten in Nicaragua: Amnesty von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Repression gegen die Proteste in Nicaragua geht weiter Bei den Protestierenden in Nicaragua ist die schwarz-rote Flagge der Sandinist*innen nicht so angesagt. Stattdessen wird lieber die Nationalflagge geschwenkt. Foto: Ihu-unisinos (Montevideo, 2. Juni 2018, la diaria/poonal).- Wie geht es weiter mit den Machtverhältnissen in Nicaragua? Seit dem 18. April reagiert die Regierung von Daniel Ortega und seiner Ehefrau Rosario Murillo mit scharfen Waffen auf die weiter anschwellende Protestwelle. Diese wird von Student*innen und ...
Ay Nicaragua, Nicaragüita Foto: ruptura.org (28. April 2018, ruptura).- „Wie schafft man es nicht faschistisch zu werden, (vor allem) wenn man sich für einen revolutionären Aktivisten hält?“ Der Satz von Michel Foucault beschreibt auf perfekte Art und Weise den Prozess, den Nicaragua erleidet. Die Regierung unter Daniel Ortega und Rosario Murillo hat das Sozialsystem reformiert, das unter anderem eine Kürzung der Renten um fünf Prozent vorsieht, um die Kassen des Nicaraguanischen Instituts für Sozi...
Nicaragua: Der unerwartete Ausbruch Unruhen in Nicaragua. Alle Fotos: Desinformémonos/Óscar Navarrete (Managua, 28 April 2018, desinformémonos/el salto).- Niemand hat es vorhergesehen. Es ist in diesen neun Tagen viel zu viel passiert, und doch genug um zu wissen, dass in Nicaragua nichts mehr so sein wird wie vorher. Das Land trauert um die 39 bestätigten Todesopfer (von 28 weiteren gibt es noch keine Bestätigung) - vor allem junge Leute, die in den ersten vier Tagen einer Protestwelle gestorben sind, die ...
Junger Anarchist nach viereinhalb Jahren freigelassen Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 12. Juni 2018, desinformémonos/poonal).- Der junge Anarchist Fernando Bárcenas aus Mexiko-Stadt wurde am 12. Juni nach viereinhalb Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Er war am 13. Dezember 2013 im Zusammenhang mit Protesten gegen die Preiserhöhung der Metro in Mexiko-Stadt festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, einen von Coca-Cola gesponserten Weihnachtsbaum angezündet zu haben. Dazu wurde er zu fünf Jahren und neun Monaten ...
15 Tote nach Großdemo gegen Ortega "Nicaragua trauert" steht auf dem Banner auf der Großdemo in Managua. Foto: Democracy Now (Washington, 1. Juni 2018, democracy now).- Am Mittwoch, 30. Mai haben zehntausende Menschen in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua gegen die Regierung demonstriert. Daraufhin haben Anhänger des Präsidenten Daniel Ortega das Feuer auf die Demonstrant*innen eröffnet und mindestens elf Menschen getötet und 80 verletzt. Auch in anderen Landesteilen gab es Demonstrationen; dabei star...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.