Uruguay

Dürrefolgen und Gegenmaßnahmen


(Berlin, 26. Januar 2009, poonal-prensa latina-púlsar).- Die meist als „Klimaphänomen“ abgetane Dürre in Uruguay (vgl. Poonal 828) hält weiter an.

Erste Regenfälle in den letzten Januartagen konnten die Situation zwar leicht entspannen, sind jedoch keinesfalls ausreichend. Im Süden des Landes müsse mit einem Totalausfall der Ernte gerechnet werden, wenn es im Februar keine nennenswerten Regenfälle gebe, so der Leiter von Crop Uruguay, Daniel Torres.

Die uruguayische Kühlhausindustrie vereinbarte am 14. Januar mit der Regierung die Notschlachtung abgemagerter Rinder und deren Weiterverarbeitung zu Konserven und Wurstwaren. Die Viehhalter*innen zögen einen Verkauf zum Schleuderpreis dem Verhungern oder Verdursten der Rinder auf ihren Weiden vor, sagte Fernando Pérez, Vizepräsident des Nationalen Instituts der Fleischindustrie (Instituto Nacional de Carnes).

Mit dem Entschluss, die Rinder so schnell wie möglich zu schlachten, soll den Verbraucher*innen mit geringem Einkommen eine Kaufalternative angesichts der steigenden Fleischpreise angeboten werden und Spekulationen und Inflation eingedämmt werden.

Uruguays Hauptexportprodukt ist Rindfleisch (mit einem Rekorderlös von 339 Mio. USD im Jahr 2008) und jährlich werden 1 Mrd. Liter Milch ins Ausland verkauft, was etwa 70 Prozent der Gesamtproduktion des Landes entspricht.

Die Vereinigung der Milchproduzenten (Cámara Uruguaya de Productores de Leche) schätzt laut einer Mittelung vom 29. Januar, dass rund 100.000 Milchkühe, fast ein Drittel des gesamten Milchviehbestandes, der Dürre zum Opfer fallen werden.

Unterdessen dreht sich die Preisspirale bei Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst weiter nach oben. Auf den Feldern ist die Situation verheerend: Wasserreservoirs und Bäche sind ausgetrocknet, Bauern und Bäuerinnen verlieren ihre Ernten und die Viehzüchter*innen legen mit ihren Herden große Distanzen zurück, auf der Suche nach einer Grasfläche, die noch als Futterfläche für das Rind herhalten kann. Einige haben ihr Vieh zu einem Spottpreis verkauft.

Die Dürre verteuert auch Tomaten, Äpfel, Kartoffeln und Blattgemüse. Dasselbe Schicksal stehe auch anderen landwirtschaftlichen Produkten bevor, sagte Fernando López, Vertreter der Landeskommission zur Förderung des ländlichen Raumes (Comisión Nacional de Fomento Rural) bei der Landesversammlung der Landwirte JUNAGRA (Junta Nacional de la Granja) und dem staatlichen Modellmarkt (Mercado Modelo). Die Dürre, die bisher nur den Süden und Südwesten des Landes betraf, drohe, so Fernando López, Richtung Norden zu wandern.

Angesichts dieses Szenarios setzte der Minister für Landwirtschaft und Viehzucht am 14. Januar einen Notfallplan in Kraft, der vor allem den kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetrieben und unter diesen vor allem die Viehzüchter*innen und Milchtierhalter*innen unterstützen soll.

Dieser Plan ermöglicht den zuständigen Stellen, aus zusätzlich bereitgestellten Geldern 20.000 Tonnen Viehfutter aus Argentinien zu importieren. Neben anderen Maßnahmen ist in diesem Plan auch ein effizienterer Umgang mit den heruntergewirtschafteten Wasserressourcen des Landes vorgesehen. Am 19. Januar traf im Hafen von Montevideo ein erstes Schiff mit 650 Tonnen Sojabohnenhülsen aus Argentinien ein.

Doch die Dürre schafft noch andere Probleme, wie etwa den Mangel an Trinkwasser in einigen Ortschafen; sie begünstigt Wald- und Flächenbrände und ist Ursache für eine Heuschreckenplage, die im südlichen Zentralgebiet des Landes herrscht.

Bis zum 25. Januar waren bereits 12.000 Hektar Land den Flammen zum Opfer gefallen, wobei noch unklar ist, wie viele Brände durch die Trockenheit und wie viele durch Brandstiftung ausgelöst worden sind.

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