Mexiko

Drogenboss und Ausbrecherkönig


von Wolf-Dieter Vogel

Ein Fahndungsfoto? / Maulwurf, Foto: Andre Leisner, CC BY NC 2.0, flickr(Berlin, 13. Juli 2015, taz).- Er ist der bekannteste Drogenboss Mexikos, zählt zu den reichsten Menschen weltweit und war der wohl am besten bewachte Gefangene des Landes. Seit dem Wochenende kann Joaquín Guzmán Loaera seinen Reichtum nun wieder in vollem Umfang genießen.

Zweite erfolgreiche Flucht

Am Samstag ist „El Chapo“, „Der Kleine“, wie der Chef des Sinaloa-Kartells wegen seiner geringen Körpergröße genannt wird, aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano ausgebrochen. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden floh er durch einen Tunnel. Trotz einer Großfahndung ist Guzmán weiterhin auf freiem Fuß. Es ist nicht das erste Mal, dass El Chapo aus der Haft fliehen konnte.

Acht Jahre nach seiner ersten Festnahme verließ er 2001 den Knast mit Hilfe von Gefängniswärtern in einem Wäschewagen. Als „Der Kleine“ den Fahnder*innen im Februar 2014 erneut ins Netz ging, wurde die Verhaftung als Bestätigung von Präsident Enrique Peña Nietos Kampf gegen die Mafia gefeiert. Schließlich war Guzmán der meistgesuchte Kartellchef weltweit, auf der US-Fahndungsliste stand er ganz oben.

1,5 km langer Fluchttunnel

Auch jetzt dürfte der Sinaloa-Chef auf umfangreiche fremde Hilfe gebaut haben. Das 90 Kilometer von Mexiko-Stadt gelegene Altiplano-Gefängnis ist das bestbewachte des Landes. Alle großen Kartellchefs sitzen dort ein, bislang konnte niemand fliehen.

Über Videoaufzeichnungen sei „El Chapo“ zuletzt in den Duschräumen gesichtet worden, erklärte die Nationale Sicherheitskommission CNS (Comisión Nacional de Seguridad). Von dort aus habe er das Gefängnis über ein 1,5 Kilometer langes belüftetes Tunnelsystem verlassen, sagte CNS-Sprecher Monte Alejandro García am Sonntag. Auch ein Motorrad sei gefunden worden.

Das Sinaloa-Kartell ist vom Drogenhandel bis zur Geldwäsche in kriminelle Geschäfte verwickelt und laut Expert*innen in 52 Staaten tätig. Laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes besitzt Guzmán über eine Milliarde US-Dollar. Die US-Regierung hatte nach seiner Festnahme 2014 eine Auslieferung beantragt. „Wenn er nicht ausgeliefert wird, flüchtet er bald wieder“, befürchtete der DEA-Mann Phil Jordan. Mexikos damaliger Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam lehnte ab. Guzmán könne kein zweites Mal entkommen, versicherte er.

CC BY-SA 4.0 Drogenboss und Ausbrecherkönig von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Iguala ist ein Friedhof“ Von Fabrizio Lorusso(Lima, 27. Mai 2016, noticias aliadas).- Interview mit Xitlali Miranda Mayo, Leiterin der Organisation “Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala” (Comité de Búsqueda Los Otros Desaparecidos de Iguala).Xitlali Miranda Mayo ist Psychologin in Iguala, im Bundesstaat Guerrero im Südwesten Mexikos. Sie koordiniert das „Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala", das nach dem gewaltsamen Verschwindenlasse...
Zeuge: Cáceres wurde von Soldaten ermordet (Caracas, 21. Juni 2016, telesur/poonal).- Der ehemalige Oberfeldwebel Rodrigo Cruz war Mitglied einer Sondereinheit der Armee in Honduras. Nach einem Bericht des britischen Guardian vom 21. Juni habe die Einheit von Cruz den Befehl erhalten, mehrere Führungspersonen sozialer Bewegungen in Honduras zu ermorden. Eine davon soll die Umweltaktivistin Berta Cáceres gewesen sein. Rodrigo Cruz erklärte, ihr Name sei auf einer schwarzen Liste gewesen; die honduranischen Militärs hät...
Der Pfad der Frauen Wie in kaum einem anderen Friedensprozess ist die weibliche Bevölkerung in den Dialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla eingebunden.Von Wolf-Dieter Vogel(Berlin, 20. Juni 2016, npl).- Es war eine außergewöhnliche Delegation, die am 18. Mai dem Friedensdialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Organisation FARC in Havanna beiwohnte: 16 Kämpferinnen aus ehemaligen bewaffneten Gruppen nahmen an dem Treffen teil. Darun...
Massaker an Homosexuellen – und keinen interessiert es (Caracas, 14. Juni 2016, Telesur).- Ende Mai im mexikanischen Bundesstaat Veracruz: Bewaffnete dringen in eine Schwulenbar ein und eröffnen das Feuer auf die dort anwesenden 180 Menschen. Sieben Menschen werden getötet, weitere zwölf verletzt. Die Regierung behauptet, es habe sich um eine Abrechnung zwischen Drogenbanden gehandelt.Die lateinamerikanische LGBTI-Gemeinde ist regelmäßig Gewalt ausgesetzt, aber mit dem Islam hat das nichts zu tun. Auch die Reaktionen auf die ...
Kriminelle Umweltzerstörung im Nordwesten Mexikos Von Victor M. Quintana(Mexiko-Stadt, 6. Mai 2016, la jornada).- Nicht jeden Tag genießt man ein solches Vorrecht. Die pastoralen Mitarbeiter*innen der Diözese der Sierra Tarahumara, einer Gebirgsregion im Nordwesten Mexikos, luden mich zu ihrer Versammlung zum Thema Seelsorgeplan der Diözese ein. Die Dynamik dieser großen Gruppe, die sich aus Laien, Nonnen, Mönchen und Priestern zusammensetzt, erregte meine Aufmerksamkeit. Anfang des Jahres hatten sie einen Seelsor...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *