Lateinamerika

Drogenbekämpfungsstrategie hat versagt


(Fortaleza, 16. Februar 2009, adital).- Die aktuelle Politik der Drogenbekämpfung, die u.a. anderem gekennzeichnet ist durch Prohibition, hat in Lateinamerika versagt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht mit dem Titel „Drogen und Demokratie: auf der Suche nach neuen Paradigmen“ der Lateinamerikanischen Kommission für Drogen und Demokratie, der Anfang Februar veröffentlicht wurde. Die Kommission gibt damit einer Debatte über den Sinn prohibitionistischer Drogenbekämpfungsstrategien neuen Auftrieb.

Als „verlorenen Krieg“ bezeichnet die Kommission, der 17 Mitglieder angehören, darunter mit Ernesto Zedillo, César Gaviria und Fernando Henrique Cardoso u.a. die Ex-Präsidenten von Mexiko, Kolumbien und Brasilien, die Drogenbekämpfungsstrategie, die in Lateinamerika vorherrsche. „Im Angesicht einer Situation, die sich jeden Tag verschlechtert und höchste humanitäre und soziale Kosten verursacht sowie die Institutionen der Demokratie bedroht, muss die Strategie des Krieges gegen die Drogen, die in den letzten 30 Jahren in der Region angewendet wurde, verändert werden“, so eine der Forderungen der Kommission.

Die prohibitionistische Politiklinie, die sich auf das Verbot und die Repression bei der Produktion und dem Handel von Drogen konzentriere sowie auf die Kriminalisierung des Konsums, hätte nicht die erwarteten Ergebnisse hervor gebracht. Lateinamerika sei nach wie vor der größte Exporteur von Kokain und Marihuana, die Produktion von Opium und Heroin wachse und auch mehr und mehr synthetische Drogen würden in der Region produziert. Der Konsum von Drogen nehme in Lateinamerika selbst zu während er sich in den USA und Europa stabilisiere.

Die Kommission geht davon aus, dass die Drogenbekämpfungspolitik in der Region von Ängsten und ideologischen Visionen geleitet wird. „Das Thema hat sich in ein Tabu verwandelt und weil es mit Kriminalität identifiziert wird, gibt es darüber keine öffentliche Debatte. Informationen werden blockiert und Drogenkonsument*innen auf geschlossene Zirkel zurückgeworfen, in denen sie verwundbarer sind und wo es schwieriger wird, gegen das organisierte Verbrechen vorzugehen.“

Die Kommission fordert stattdessen eine Drogenbekämpfungspolitik, die die Menschenrechte achten und die unterschiedlichen nationalen Situationen anerkennen müsse. Man müsse auf Prävention und Behandlung von Drogensüchtigen setzen. Allerdings auch weiterhin auf repressive Aktionen, durchaus auch mit dem Militär, um, wenn nötig, auch so gegen das organisierte Verbrechen vorzugehen.

Im Bericht wird das Beispiel Kolumbien angeführt, wo seit Jahrzehnte eine extrem repressive Drogenbekämpfungsstrategie angewendet wird. „Die Ergebnisse korrespondieren nicht mit den enormen finanziellen Ausgaben und humanitären Kosten“, so das Urteil. Auch wenn Kolumbien scheinbar erfolgreich gegen die Drogenkartelle vorgegangen und bestimmte Delikte im Zusammenhang mit dem Drogenanbau, -konsum und -handel zurück gegangen seien, käme es zu einer Ausweitung der illegalen Anbaugebiete sowie zu einem Anstieg des Drogenausfuhrs von Kolumbien in die andinen Regionen.

CC BY-SA 4.0 Drogenbekämpfungsstrategie hat versagt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Zeuge: Cáceres wurde von Soldaten ermordet (Caracas, 21. Juni 2016, telesur/poonal).- Der ehemalige Oberfeldwebel Rodrigo Cruz war Mitglied einer Sondereinheit der Armee in Honduras. Nach einem Bericht des britischen Guardian vom 21. Juni habe die Einheit von Cruz den Befehl erhalten, mehrere Führungspersonen sozialer Bewegungen in Honduras zu ermorden. Eine davon soll die Umweltaktivistin Berta Cáceres gewesen sein. Rodrigo Cruz erklärte, ihr Name sei auf einer schwarzen Liste gewesen; die honduranischen Militärs hät...
Der Pfad der Frauen Wie in kaum einem anderen Friedensprozess ist die weibliche Bevölkerung in den Dialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla eingebunden.Von Wolf-Dieter Vogel(Berlin, 20. Juni 2016, npl).- Es war eine außergewöhnliche Delegation, die am 18. Mai dem Friedensdialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Organisation FARC in Havanna beiwohnte: 16 Kämpferinnen aus ehemaligen bewaffneten Gruppen nahmen an dem Treffen teil. Darun...
Massaker an Homosexuellen – und keinen interessiert es (Caracas, 14. Juni 2016, Telesur).- Ende Mai im mexikanischen Bundesstaat Veracruz: Bewaffnete dringen in eine Schwulenbar ein und eröffnen das Feuer auf die dort anwesenden 180 Menschen. Sieben Menschen werden getötet, weitere zwölf verletzt. Die Regierung behauptet, es habe sich um eine Abrechnung zwischen Drogenbanden gehandelt.Die lateinamerikanische LGBTI-Gemeinde ist regelmäßig Gewalt ausgesetzt, aber mit dem Islam hat das nichts zu tun. Auch die Reaktionen auf die ...
Kriminelle Umweltzerstörung im Nordwesten Mexikos Von Victor M. Quintana(Mexiko-Stadt, 6. Mai 2016, la jornada).- Nicht jeden Tag genießt man ein solches Vorrecht. Die pastoralen Mitarbeiter*innen der Diözese der Sierra Tarahumara, einer Gebirgsregion im Nordwesten Mexikos, luden mich zu ihrer Versammlung zum Thema Seelsorgeplan der Diözese ein. Die Dynamik dieser großen Gruppe, die sich aus Laien, Nonnen, Mönchen und Priestern zusammensetzt, erregte meine Aufmerksamkeit. Anfang des Jahres hatten sie einen Seelsor...
Interview mit Verónika Mendoza: Das kleinere Übel wählen Von Stephanie Demirdjian(Montevideo, 01. Juni 2016, la diaria).- Mendoza kommt zu spät zum Interview, sie hat sich in den Straßen von Montevideo verlaufen, empfindet das aber nicht als Zeitverlust: „So lerne ich die Stadt ein bisschen besser kennen.” Ihre Ernennung als Präsidentschaftskandidatin lief eigentlich ähnlich ab: Bis in den Dezember hinein stellte die Kandidatin der Partei Frente Amplio mit ihren Umfragewerten das Schlusslicht; die Medien nahmen kaum Notiz ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *