Argentinien

Drei Anklagen wegen des Versprühens von Agrargiften


Versprühen von Agrargift in Argentinien (2011) /Foto: Molestias en la vía pública  CC BY-SA 2.0 Flickr(Lima, 24. Mai 2012, noticias aliadas-poonal).- Zwei Sojaproduzenten und ein Pilot sind am vergangenen 21. Mai in der zentralargentinischen Provinz Córdoba wegen des großflächigen Versprühens von Pflanzenschutzmitteln angeklagt worden. Die Chemikalien hatten zu großen Gesundheitsschäden unter der Bevölkerung von Ituzaingó Anexo geführt.

Endosulfan und Glyphosat versprüht

Staatsanwalt Carlos Matheu klagte den Piloten Edgardo Panchello sowie Jorge Gabrielli und Francisco Parra der „fortgesetzten vorsätzlichen Kontaminierung“ an. Die Anklage kam durch eine Anzeige der Stiftung für den Schutz der Umwelt (Fundación para la Defensa del Ambiente) aus dem Jahr 2002 zustande. Den Angeklagten drohen Haftstrafen von drei bis zehn Jahren, sollten sie für schuldig befunden werden.

Ituzaingó Anexo ist ein Stadtviertel am Stadtrand der gleichnamigen Provinzhauptstadt Córdoba. Die Klage wurde zu einem Präzedenzfall gegen die Nutzung von Agrarchemikalien. Vor einem Jahrzehnt hatten 30 Bewohner*innen und die Stiftung FUNAM wegen des Versprühens des Allround-Herbizids Glyphosat sowie des Insektizids Endosulfan auf Feldern geklagt, die an die Wohngebiete angrenzen.

Signifikante Zunahme von Krebserkrankungen

Sie verwiesen dabei auf eine signifikante Zunahme von Gesundheitsproblemen, vor allem einen Anstieg der Krebsfälle unter den Einwohner*innen. Bis zum Jahr 2010 sind 169 Krebserkrankungen unter den 5.000 Bewohner*innen bekannt geworden. Ein Gericht hatte 2008 das Versprühen der Chemikalien untersagt.

Der Vorsitzende der FUNAM, Raúl Montenegro, erklärte, die Suche nach Zusammenhängen zwischen den Krankheiten und Todesfällen im Viertel Ituzaingó Anexo und dem jahrelang versprühten Chemie-Cocktail, dem die Bewohner*innen des Ortes ausgesetzt gewesen seien, sei „historisch“.

 

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

banner teilhabe-2012

CC BY-SA 4.0 Drei Anklagen wegen des Versprühens von Agrargiften von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

#revolución antitransgénico – Interview mit der Maya-Imkerin Leydy Pech über den Einsatz der Gemeinden gegen Gensoja Von Gerold Schmidt, Mexiko-Stadt/Berlin (Mexiko-Stadt/Berlin, 01. Dezember 2017, npl).- Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán setzen die Maya-Gemeinden ihren Kampf gegen den Anbau von Monsanto-Gensoja und die Zerstörung ihrer natürlichen Ressourcen fort. Ende September/Anfang Oktober schilderten die Maya-Imkerin Leydy Aracely Pech Martin aus dem Bundesstaat Campeche und die Agronomin Irma Catalina Gómez Gónzalez die Lage auf einer kleinen Rundreise durch Österreich u...
Der mexikanische Mais: Multinationaler Privatbesitz? Von Antonio Turrent Fernández* (Mexiko-Stadt, 3. November 2017, la jornada).- In Kürze wird ein Bundeskammergericht über die Beibehaltung der Präventivmaßnahme entscheiden, die es dem mexikanischen Landwirtschaftsministerium Sagarpa und dem Umweltministerium Semarnat untersagt, neue Genehmigungen für den kommerziellen Anbau von Genmais auf freiem Feld zu erteilen sowie entsprechende Anträge während des Hauptverfahrens entgegenzunehmen. Das Verfahren ist Ergebnis einer ...
Glyphosat macht Krebs: Feldforschungen im Sojaanbaugebiet Von Christian Rollmann, Rosario (Berlin, 03. September 2017, npl).- Soja macht die Menschen in den argentinischen Anbauregionen reihenweise krank, das zeigen Untersuchungen der Universität Rosario. In einem einzigartigen Projekt erfassen engagierte Mediziner*innen, welche Krankheiten sich in den Sojagebieten häufen. Soja, Glyphosat und Krebs – das ist der traurige Dreiklang, der dabei immer wieder zu Tage tritt. Ein Besuch bei Mediziner*innen, für die Gesundheit ein un...
Direkt in die Magengrube: Tiefschläge von Monsanto und Co. Von Silvia Ribeiro* Mexiko-Stadt, 5. August 2017, la jornada).- Monsanto sieht sich einer Welle von Gerichtsverfahren in den USA gegenüber. Das Unternehmen wird von den Kläger*innen beschuldigt, bei ihnen Krebs durch Glyphosat verursacht zu haben - trotz des Wissens um die Schädlichkeit und potentiell krebserregende Wirkung  (s.a. poonal). Dazu kommen neue Anschuldigungen gegen den Multi und das Glyphosat: die Zerstörung von Bakterien, die sich im menschlichen Darmtrak...
Hunderte Verfahren gegen Monsanto wegen Krebs durch Glyphosat Von Silvia Ribeiro* (Mexiko-Stadt, 8. Juli 2017, la jornada).- Seit dem 7. Juli hat der US-Bundesstaat Kalifornien Glyphosat in die Liste der krebserregenden Substanzen aufgenommen. Glyphosat ist der Hauptinhaltsstoff des Pflanzengiftes RoundUp von Monsanto (enthalten ebenfalls in Faena, Rival, Machete und anderen Marken). Innerhalb eines Jahres muss es in Kalifornien als potentiell krebserregendes Mittel etikettiert werden. Monsanto hat diese Entscheidung angefochten....

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.