Uruguay

Dokumentenfund weist auf Geheimgefängnis hin


(Montevideo, 04. Mai 2012, comcosur).- Am 4. Mai wurden aus dem Museum für präkolumbische Kunst (Museo de Arte Precolombino), dem ehemaligen Sitz des Verteidigungsministeriums, zwischen 20 und 25 Pakete mit Informationen aus der Zeit der Diktatur sichergestellt, um näher untersucht zu werden. Die bevorstehenden Ermittlungen sollen klären, ob sich an jenem Ort ein Geheimgefängnis befand.

Arbeiter stoßen auf versteckte Dokumente

Zwei Tage zuvor stieß eine Gruppe von Arbeitern eines Unternehmens, das in dem Museum Ausbesserungsarbeiten durchführte, auf die Existenz eines Halbgeschosses zwischen Keller und Erdgeschoss. Als ein alter Aufzug bei dessen Reparatur verschoben wurde, kam ein Raum von drei Metern Breite und eineinhalb Metern Tiefe zum Vorschein, der mit Brettern verschlagen war und in dessen Inneren mehrere Pakete versteckt lagen. Diese enthielten sowohl persönliche Unterlagen, als auch offizielle Dokumente.

Bis zum 4. Mai konnten nur einige der Unterlagen aus den Paketen, die von den Trümmern der Arbeitsmaßnahmen beschädigt wurden, entnommen werden. Die Unterlagen sind aus dem Jahr 1951, wobei auf anderen wiederum das Jahr 1977 sowie Namen von Abteilungen des Innenministeriums vermerkt sind.

Akten tragen Siegel des Verteidigungsministeriums und des Militärs

Größtenteils handelt es sich um Unterlagen, die einerseits persönliche Daten, wie Vorname, Nachname und Adresse enthalten und andererseits Daten über die Eignung für sportliche Tätigkeiten wie Schwimmen oder Reiten. Auf der Rückseite einiger Papiere befindet sich ein Briefkopf mit dem Titel “Sanidad Militar“ („Militärisches Gesundheitswesen“) mit Anmerkungen darunter. Alle Unterlagen tragen das Siegel des Verteidigungsministeriums und des Militärs sowie die Unterschrift der Amtsträger jener Zeit.

Álvaro Rico, der Historiker des Forschungsteams, erklärte gegenüber Últimas Noticias, dass es sich [bei den Funden] um Beitrittsakten zum Militärdienst handeln könnte. Jedoch bestehe auch die Möglichkeit, dass eine weitere Art von Dokumenten existiere, die Informationen zur Diktaturzeit liefern könnte. Das Forschungsteam gehört zum Überwachungsamt der Kommission für den Frieden (Secretaría de Seguimiento de la Comisión para la Paz).

Fundort der Dokumente weckt Aufmerksamkeit der Ermittler

Um in den Aufzug zu gelangen, führt der Weg zunächst in den Keller und von dort aus in einen Luftschacht. Diesem folgt man zwölf Meter zum Ende hin, bis man in das Halbgeschoss gelangt, das von außen nicht zu sehen ist. Der Ort an dem die Dokumente lagerten, weckte die Aufmerksamkeit der Ermittler, da er scheinbar als Versteck geschaffen worden ist.

Darüber hinaus existieren inoffizielle Daten – jedoch ohne direkte Zeugenaussagen – die Hinweise darauf geben, dass der Keller während der Diktaturzeit möglicherweise als geheimes Gefängnis genutzt wurde. Diese Daten wurden dem Museum von Bauarbeitern und ehemaligen Funktionären des Verteidigungsministeriums übermittelt.

Auf der Suche nach weiteren Dokumenten

Eine Gruppe von Archivaren des Sekretariats der Kommission für den Frieden hat das Material sichergestellt, um es im Detail zu begutachten. Währenddessen werden weitere Ecken des Museums auf der Suche nach neuen Dokumenten untersucht, welche die Hypothese über die [geheimen Gefängnisse] der Diktaturzeit und deren Nutzen für die laufenden Ermittlungen entweder bestätigen oder verwerfen könnten. In dem Keller befindet sich auch ein Raum, dessen Tür versperrt und von der nur die Kante des Rahmens sichtbar ist. Außerdem existiert ein Tunnel, dessen Eingang zugemauert ist und der mit der Bucht von Montevideo verbunden ist.

Das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Emilio Reus als Beispiel einer „hydrothermisch-therapeutischen Anlage“ errichtet. Die Krise von 1890 verhinderte jedoch deren Einweihung. Wie Facundo de Almeida, Direktor des Museums für präkolumbische Kunst erklärte, sollte die Anlage das Wasser des Río de la Plata nutzen, um damit die Heizkessel der klimatisierten Becken zu versorgen. In den 1930er Jahren wurde das Gebäude zum Sitz des Verteidigungsministeriums ernannt und blieb dies auch während der gesamten Diktatur, bis zum Jahr 1985.

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