Mexiko

Die US-amerikanischen Kontakte von „Barbie“ Valdez


von Lydia Cacho

(Mexiko-Stadt, 07. September 2010, cimac).- von Lydia Cacho, Plan b

Im Februar 2005 tauchte ein detaillierter Bericht über die kriminellen Aktivitäten von Edgar Valdez auf, dem Drogenhändler mit dem Spitznamen „Barbie“. Ein Zeuge hatte den Bericht an José Luis Santiago Vasconcelos überreicht, den damaligen Antidrogenzar der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft. Barbie hatte eine Todesdrohung gegen Vasconcelos ausgesprochen.

Der 1973 in Texas geborene Valdez floh nach Mexiko, nachdem er in den Vereinigten Staaten zweimal festgenommen worden war (mit 18 Jahren wegen Mordes, und mit 21 Jahren wegen Drogenhandels). Sein Onkel, Anführer der Bande Los Chachos aus Nuevo Laredo, protegierte und versteckte ihn in seiner Villa San Agustin in San Pedro Garza García, Monterrey. Barbie flog reines Kokain und Waffen in einer zweimotorigen Cessna nach Toluca und Veracruz. Nach dem Tod des Onkels übernahm Valdez die Führung der Bande und rückte in die Liga der großen Drogenbosse auf. Schließlich wurde er auch Chef der Auftragsmörder des Drogenkartells der Beltrán Leyva-Brüder (die er angeblich in Morelos betrog). Barbie konnte sich 20 Jahre in Mexiko versteckt halten, bis er vor Kurzem festgenommen wurde.

Der Zeuge, den ich vor fünf Jahren persönlich interviewt habe, hatte eine Liste aller Personen übergeben, die in Valdez‘ Aktivitäten verwickelt waren. Sie zeigt die umfangreichen Kontakte von Valdez in die USA.

Barbies ehemalige Geliebte war Besitzerin eines Restaurants in Nuevo Laredo, in dem er ein regelmäßiger Gast war. Häufig wurde er von seinem Kumpanen Jorge González („der Batman“) begleitet.

Seit 1999 war eine Baufirma in Dallas, Texas eines seiner Unternehmen zur Geldwäsche. In Dallas konnte Valdez auf ein weites Schutznetz von Polizei und Politik zählen, das ihm beim Drogenhandel in den Vereinigten Staaten half.

In Las Vegas wuschen Barbies Partner Sasha und sein Lebensgefährte „der Schwarze“ das Geld aus dem Drogenhandel in drei Casinos und einem Bordell. Seltsamerweise haben die Behörden nicht einmal erwähnt, dass Barbie auch Bordelle betrieb. Es ist unverantwortlich, dass sie ihn als „Frauenhelden“ bezeichnen.

Es ist erstaunlich, dass Valdez jahrelang in seinem Jet von Monterrey nach Toluca und Guerrero fliegen konnte, ohne je von den Behörden festgenommen worden zu sein. Obwohl Valdez durch die US-amerikanische Antidrogenbehörde DEA verfolgt wurde und einer der „meistgesuchtesten“ Drogenhändler war, schaffte er es, in der Zeit hunderte Tonnen Kokain in sein Heimatland einzuführen. Barbie hatte systematisch Agenten der US-amerikanischen Grenzpolizei bestochen.

Valdez‘ Vorbild war der Kolumbianer Isaac Guttnan Esternberger, der mit den Motorrad-Sicarios die effizienteste Mordmaschinerie in Medellín gegründet hatte. Wie Guttnan verstand auch Valdez, dass die Jugendlichen in den Armenvierteln, ohne Zugang zu Bildung aber mit großer Wut auf die Gesellschaft, sich irgendwo zugehörig fühlen wollten. Valdez ermöglichte es ihnen, sich durch Morde als Herren des Lebens zu fühlen.

Eines ist klar: Ohne die Zusammenarbeit mit einem Netz von korrupten US-amerikanischen Beamten, das von Texas bis Louisiana und nach Ostnevada reicht, hätte Valdez niemals mit Dollars und großkalibrigen Waffen gefüllte Lastwagen für die Drogenkartelle nach Mexiko bringen können.

Diese Geschichte zeigt uns, dass sich die Vereinigten Staaten mit denselben Maßstäben messen sollten, wie sie Mexiko sehen. Ich glaube, dass Barbie darüber lacht, dass er zur Verurteilung in seinem eigenen Land ausgeliefert werden wird. Sein Geständnis wird ein Chaos in Washington hervorrufen – dort wo versucht wurde, mit der Inszenierung des Plan Mérida (das Abkommen zwischen den USA, Mexiko und mittelamerikanischen Staaten zur grenzüberschreitenden Bekämpfung des Drogenhandels) eine grundlegende Säuberung zu erreichen.

* Plan b ist eine Kolumne, die montags und donnerstags in CIMAC, El Universal und anderen mexikanischen Zeitschriften veröffentlicht wird. Der Name soll ausdrücken, dass es immer eine andere Möglichkeit der Sicht auf Dinge und Themen gibt, die durch den traditionellen Diskurs, den Plan A, nicht abdeckt werden.

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