Lateinamerika

Die Schäden durch transnationale Konzerne


von Hedelberto López Blanch

(Lima, 19. April 2012, servindi).- Seit Jahrzehnten haben die transnationalen Konzerne mit Unterstützung der Regierungen der Länder, in denen ihre Hauptsitze liegen (Vereinigte Staaten, Europa, Asien und ebenso Weltbank und der Internationale Währungsfond IWF), die Zerstörung der Umwelt, die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung und die Verletzung der Menschenrechte der Völker Lateinamerikas vorangetrieben mit ihrer Gier nach großen Profiten. Diese Verhältnisse sind ermöglicht worden durch die Kontrolle, die die Vereinigten Staaten durch das 20. Jahrhundert hindurch über die Regierungen der Region ausübten, die riesige Ländereien abtraten (einige tun dies noch heute), Steuerbefreiungen genehmigten, Bergbau und die Ausbeutung von Wasser und der biologischer Vielfalt gewährten. Gleichzeitig verschlimmerten sich die Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung und den Arbeitskräften in der Region wurde kein Schutz gewährt.

Während die transnationalen Konzerne jährlich Millionenumsätze erzielen, hinterlassen sie schwere Schäden in den Ökosystemen Lateinamerikas.

Die von der US-amerikanischen Firma Chevron in Ecuador und Brasilien verursachten Katastrophen haben die lateinamerikanische Öffentlichkeit aufhorchen lassen, weil die nationalistischen Regierungen, die heute in Quito und Brasilia das Sagen haben, die Klagen der Betroffenen unterstützt haben.

Schwere Umweltschäden seit 1964

Die Umweltkatastrophe im ecuatorianischem Amazonasgebiet hat 1964 seinen Lauf genommen, als die texanische Ölfirma Texaco (2001 von Chevron geschluckt) zusammen mit der US-amerikanischen Gulf Oil Company in der Provinz Sucumbíos nach Öl suchte.

Die von verschiedenen Spezialist*innen angefertigten Studien kamen allesamt zu dem Schluss, dass in dieser Region eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der Menschheitsgeschichte stattgefunden hat.

Die ecuatorianische Justiz verurteilte Chevron zu einer Zahlung von 18 Milliarden US-Dollar wegen der Katastrophe, unter der Bevölkerung und Umwelt leiden. Der Konzern jedoch weigert sich zu zahlen, und hat seit nunmehr 19 Jahren mehrere Strafanträge gestellt.

Ölpest in Brasilien

In Brasilien hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen im Prozess gegen Chevron und die Bohrfirma Transocean. Beide werden der Beschädigung staatlich geschützter Naturbestände und der Falschdarstellung beschuldigt, im Zusammenhang mit dem Auslaufen von 2.400 Barrel Rohöl im November 2011 und im März dieses Jahres auf einer Bohrinsel im Atlantischen Ozean, 370 Km vor der Küste von Rio de Janeiro.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die transnationalen Konzerne der Umweltverbrechen und Beschädigung staatlich geschützter Naturbestände durch die Verschüttung von Rohöl in Campo de Frade, im Flussgebiet Campos.

Der Konzern unternimmt zahlreiche Rechtsschritte, lässt Geld fließen und versucht jeden zu kaufen, um sich der Angelegenheit zu entledigen. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat sich jedoch klar zum Fall geäußert: „Die Firmen die hierherkommen, sowie diejenigen, die sich bereits hier niedergelassen haben müssen wissen, dass die Sicherheitsbestimmungen dafür da sind, befolgt zu werden.“

Reichtum aus dem Hinterhof

Für Lateinamerika markiert fast das gesamte 20. Jahrhundert eine Zeit, in der die Vereinigten Staaten – Besitzer und Herr der Mehrheit der Region, die als Hinterhof für sich in Anspruch genommen wurde – ihnen nahestehenden Regierungen und Politikern aufdrängte, den Reichtum ihrer Länder zuerst den US-amerikanischen Firmen und dann den transnationalen Konzernen bereitzustellen.

Während einige wenige einheimische Amtsinhaber*innen sich durch die Gewährung zahlreicher Pfründe an auswärtige Bergbau- und Agrarunternehmen bereicherten, konnten und können diese immer noch durch geringste Investitionen den Reichtum dieser Nationen exportieren. Konsequenz ist die Zerstörung der Umwelt und der Verschlechterung der wirtschaftlichen und gesundheitlichen Verhältnisse der Bevölkerung.

Ein von der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe) im Jahr 2005 veröffentlicher Bericht weist darauf hin, dass „zwischen 1990 und 2000 in Lateinamerika 467.000 Quadratkilometer Wald für Agrarindustrie, Bergbau, Zellulosefabriken, Wasserkraftwerke etc. gerodet wurden, und bereits 2005 belief sich die gerodete Fläche im brasilianischen Amazonasgebiet auf 680.000 Quadratkilometer.

Weltbank begünstigt Investitionen ausländischer Firmen

Die Weltbank ist einer der größten Antreiber der Operationen auswärtiger Firmen in Lateinamerika. Zwischen 1994 und 2004 gewährte sie durch die Internationale Finanz-Corporation 900 Mio US-Dollar für Bergbauprojekte in Bolivien, Brasilien, Chile, Mexiko und Peru.

Anglo American, BHP-Billiton, Barrick Gold, Mitsubishi, Mitsui, Newmont, Pan American Silver und Rio Tinto waren einige der begünstigten transnationalen Konzerne.

Zyanid und Quecksilber in Umwelt geschüttet

Unzählige Firmen haben schwere Schäden in lateinamerikanischen Ländern hinterlassen, wie die AngloGold/Anglo American Gruppe, die 1999 hunderte von Zyanidfässern (Substanz, mit dem Gold von Gestein gelöst wird) in den Vila Nova Fluss, Amapá, Brasilien, auslaufen ließ. 2005 wurde in Chile bekannt, dass die Zellulose-Firma Celco über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren unerlaubt Quecksilber verklappte und die Vorfälle verschwieg.

In Argentinien, Paraguay und Bolivien wurde durch transnationale Konzerne im vergangenen 20. Jahrhundert eine ungebremste Rodung durchgeführt, um den Anbau von Soja, Mais oder Baumwolle zu ermöglichen. Argentinien verlor 140.000 km2 Wald, Paraguay 20.000 und Bolivien 15.000.

Spur der Verwüstung beim Bergbau

Die schweizer Bergbauriesen Xstrata Plc. und Glencore haben eine Spur der Verwüstung in verschiedenen Ländern dieses Kontinents hinterlassen, während sie mehr als 14.000 Mio US-Dollar Überschuss pro Jahr erwirtschafteten.

In den Kohlebergwerken von El Cerrejón, in dem kolumbianischen Teil der Guajira-Halbinsel, beging Xstrata eine Unzahl von Umwelt- und Steuervergehen sowie Menschenrechtsverletzungen. Der Abbau und der stetige Ausbau der Gruben hatte nicht nur die schwere Beeinträchtigung von Qualität und Wassermenge des Flusses Ranchería zur Folge, sondern auch die gewaltsame Vertreibung indigener Gemeinden.

In Peru baut Xstrata seit 2006 im Projekt Tintaya Kupfer ab. Die Bergbauaktivitäten haben die Flüsse Salado und Cañipia verunreinigt; die Staatsanwaltschaft der Provinz Cusco hat Strafantrag gegen die Firma gestellt.

Zahlreiche Gerichtsverfahren in Kolumbien

Zahlreich sind die Klagen vor kolumbianischen Gerichten gegen auswärtige Firmen, die Umwelt und Leben der Bevölkerung ruiniert haben. Dazu gehören: Coca Cola, Nestlé, Chiquita Brands, Drummond, Cemex, Holcim, Muriel mining corporation, Glencore-Xstrata, Anglo American, Bhp Billington, Anglo Gold Ashanti, Kedhada und Smurfit Kapa.

Desweiteren: Pizano S.A. und ihr Filialunternehmen Maderas del Darién, Urapalma S.A., Monsanto, Dyncorp, Multifruit S.A. als Filiale des transnationalen Konzerns Del Monte, Occidental Petroleum Corporation, British Petroleum, Repsol YPF, Unión Fenosa, Endesa, Aguas de Barcelona, Telefónica, Canal Isabel II, Canal de Suez, Petrominerales, Gran Tierra Energy, Brisa S.A.

Gegenwind durch progressive Regierungen

Der Schaden ist für Lateinamerika von katastrophalem Ausmaß gewesen. Das ist inzwischen auch den neuen progressiv und national ausgerichteten Regierungen der Region aufgefallen; diese sind zudem in ihrem Vorgehen gegen die Absichten der transnationalen Konzerne nicht allein.

Brasilien, Argentinien, Venezuela, Ecuador, Bolivien, Peru, Paraguay und Nicaragua, nur um einige zu nennen, sind dabei, sich von den Ketten zu befreien, die ihnen von den Vereinigten Staaten und den transnationalen Konzernen angelegt worden sind.

Auch wenn alle Nationen sicherlich eine Kapitalinvestition für ihre Entwicklung brauchen, so haben die Firmen jedoch die Umweltgesetze einzuhalten, den Standort von Siedlungen zu beachten, für entstandene Schäden zu haften und Rendite auch für die Länder zu erwirtschaften, in denen sie sich niederlassen.

Darin besteht die derzeitige und zukünftige Herausforderung.

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Quelle: Rebelión

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