Honduras

„Die Regierung schützt diejenigen, die Berta bedroht haben“


Foto: Adital

Foto: Adital

(Caracas, 21. März 2016, telesur).- Der honduranische Abgeordnete Bartolo Fuentes hat am Montag, 21. März 2016, die Regierung scharf kritisiert. Diese habe fast einen halben Monat nach der Ermordung der indigenen Anführerin und Umweltaktivistin Berta Cáceres immer noch nicht gegen diejenigen Personen ermittelt, die Cáceres jahrelang bedroht hatten. Er beschuldigte die Behörden, ihre Mörder in Schutz zu nehmen.

Der Abgeordnete erklärte gegenüber TeleSur, dass die Bevölkerung über den Tod von Berta Cáceres sehr schockiert sei. Er warf dem Präsidenten des Landes, Juan Orlando Hernández, vor, diejenigen zu unterstützen, die die Anführerin mehrfach angegriffen hatten. Grund dafür sei deren Kampf gegen private Unternehmen gewesen, da diese die Ressourcen an natürlichen Rohstoffen des Landes gefährdeten.

Weiterhin vertrat Fuentes die Meinung, dass die offiziellen Medien die Tatsachen manipuliert und die Forderungen der Freund*innen und Familie von Berta Cáceres in Misskredit gebracht hätten.

Doktrin der 1980er Jahre

„Wir sind bestürzt über die Art und Weise, mit der dieser Mord behandelt wird. Man will, dass er in Honduras als eine allgemeine Straftat gesehen wird. Das ist fürchterlich (…). Und anstatt gegen die vermeintlichen Mörder zu ermitteln, gegen die Auftragsmörder, die sie bedrohten und gegen die Mitglieder der Armee, die sie angegriffen haben, finden keinerlei Untersuchungen statt“, beklagte Fuentes.

Die Mordserie an indigenen Anführer*innen stünde in Zusammenhang mit der Mentalität des Präsidenten von Honduras, der „in der Doktrin der achtziger Jahre stehengeblieben sei“.

„Er ist Soldat – ausgebildet in den Vereinigten Staaten, auf einer Militärakademie im Norden, auf der eine schlimme Lehre über die nationale Sicherheit propagiert wurde (…), die besagt, dass jeder Kämpfer und jede Kämpferin oder jede Person, die ihre Rechte einfordert, verfolgt werden und verschwinden muss“, kritisiert der Abgeordnete.

Es regiert die Straflosigkeit

Während das Verbrechen an Berta Cáceres weiterhin ungeahndet bleibe, nähmen die Zweifel an der Aufrichtigkeit der Ermittlungen zu, teilte die Korrespondentin von TeleSur in Honduras, Gilda Silvestrucci, mit. So würden die drei Ermittlungslinien diejenigen Personen nicht mit einbeziehen, die Berta Cáceres wiederholt mit dem Tode bedroht hätten. Außerdem habe die internationale Mission ihre Aufgaben in Honduras bereits abgeschlossen, obwohl es noch keinerlei Klarheit über die Untersuchungen gebe.

„Das Tatmotiv ist ein Geheimnis in Händen der Staatsanwaltschaft von Honduras“, erklärte Silvestrucci und betonte, dass viele Menschen und Organisationen über die fehlende Klarheit in diesem Fall schwer enttäuscht seien.

Am vergangenen 3. März wurde die Anführerin und Koordinatorin des Komitees der Indigenen Völker Honduras COPINH (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras), Berta Cáceres, von Unbekannten in ihrer Wohnung in der Stadt La Esperanza im Departamento Intibucá im Südwesten des Landes ermordet. Eine Woche vor ihrem Tod hatte sie die Ermordung von vier indigenen Anführer*innen der Gemeinschaft der Lenca angeprangert.

Im Jahr 1993 war Berta Cáceres eine der Gründer*innen des COPINH. Für ihren Kampf zur Verteidigung der Rohstoffe im Westen von Honduras wurde ihr 2015 der Goldman Umweltpreis verliehen.

 

banner 2016

CC BY-SA 4.0 „Die Regierung schützt diejenigen, die Berta bedroht haben“ von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Tochter von Berta Cáceres: Verantwortlich sind DESA, Regierung, Armee und Polizei Von Gloria Muñoz Ramírez Berta Isabel Zúñiga Cáceres, zweitälteste Tochter der ermordeten Berta Cáceres, im Interview. Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 3. März 2016, desinformémonos).- Berta Isabel Zúñiga Cáceres, das zweitälteste Kind der Umweltaktivistin Berta Cáceres, die am 3. März in ihrem Haus in La Esperanza, Intibucá, Honduras ermordet wurde, ist überzeugt, dass die Baufirma DESA hinter der Ermordung ihrer Mutter steckt. DESA ist für den Bau des Staudamms A...
Colonia Dignidad: Bundestag fordert Aufklärung und Hilfe für Opfer Von Ute Löhning Michael Brand, Werner Schmidtke, Klaus Barthel, Wilhelm Wagner, Jürgen Karwelat im Bundestag, 29. Juni 2017. Foto: Ute Löhning (CC BY 2.0) (Berlin, 12. Oktober 2017, npl).- Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen fordern die Bundesregierung auf, in der Colonia Dignidad begangene Verbrechen aufzuklären und ein Konzept für Hilfen für die Opfer dieser Verbrechen zu entwickeln. Ist das der Durchbruch in Sachen Aufarbeitung der Geschichte und der deutschen Ve...
Colonia Dignidad: Landgericht beschließt Haft für Hopp Von Ute Löhning Ana Molina und Rosa Merino fordern Aufklärung des Mordes an ihrem Sohn bzw. Bruder, Dezember 2016. Foto: Ute Löhnung (CC BY 2.0) (Berlin, 12. Oktober 2017, npl).- Das Landgericht Krefeld hat beschlossen, dass der Sektenarzt Hartmut Hopp seine chilenische Haftstrafe in einem deutschen Gefängnis absitzen soll. Ex-Bewohner*innen der deutschen Sektensiedlung erheben schwere Vorwürfe gegen Hopp. Ist das der Anfang vom Ende der faktischen Straflosigkeit für T...
Straflosigkeit in Uruguay: Alles damit niemand redet Proteste gegen die Straflosigkeit in Uruguay. Foto: Antje Vieth (Berlin, 14. September 2017, npl).- Als in Uruguay 2004 das linke Bündnis Frente Amplio zum ersten Mal in die Regierung gewählt wurde, verbanden viele Menschen damit die Hoffnung, dass nun endlich die Verbrechen aus der Diktatur von 1973 bis 1985 aufgeklärt würden und Schluss sein würde mit der Straflosigkeit für die verantwortlichen Militärs. Sie sollten sich täuschen. Bis heute ist das Amnestiegesetz in Kra...
onda-info 416 Während wir uns mit der Frage beschäftigen, ob der Herbst nun golden oder nasskalt wird, haben andere Menschen richtige Probleme: In Mexiko bebte die Erde, fast hundert Menschen sind dabei um Leben gekommen. In Argentinien hält die Ungewissheit über den Verbleib des Aktivisten Santiago Maldonado an. Am 1. August wurde er bei Protesten der indigenen Mapuche im Süden des Landes von der Gendamerie verhaftet und in einen Mannschaftswagen verfrachtet. Seitdem fehlt von dem jungen ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.