Bolivien

Die Moon-Sekte kehrt zurück


von Antonio Peredo Leigue

(Quito, 13. März 2010, alai).- Der General Efraín Ríos Montt kam im März 1982 in Guatemala durch einen Putsch an die Macht. Unter der eineinhalb Jahre dauernden Herrschaft Montts wurden unzählige Oppositionelle durch von ihm organisierte paramilitärische Gruppen ermordet, wofür sich Montt vor Gericht verantworten muss. Der koreanische Prediger Sun Myung Moon, Führer der gleichnamigen religiösen Sekte hat offen den Putsch und den Diktator unterstützt. Die Geschäfte seiner Unternehmer in Guatemala bescherten ihm hohe Einnahmen, mit denen er den Ausbau seiner Sekte finanziert.

Im Jahr 2005 unterhielt der ehemalige Präsidentschaftskandidat in Bolivien, Manfred Reyes Villa, Kontakte zu der Moon-Sekte, was ihm nicht nur hinsichtlich des Präsidentschaftswahlkampfs Probleme bescherte. Um schwerwiegende Folgen abzuwenden, übte der ehemalige Präfekt, der sich zur Zeit auf der Flucht befindet, öffentlich Kritik an der unternehmerorientierten Sekte. Daraufhin mussten deren Anhänger*innen erneut aus dem Land verschwinden. Schon Ende der neunziger Jahre war die Sekte wegen ihrer fragwürdigen Praktiken aus Bolivien vertrieben worden. Damals reisten ihre Missionare mit einem Touristenvisum ein, um neue Anhänger*innen zu werben.

Jetzt versucht die Sekte erneut durch die Hintertür in das Land einzudringen. (Anmerkung der Redaktion: Am 12. März hatte die Tageszeitung La Razón fälschlicherweise berichtet, Präsident Morales wolle sich in Santa Cruz mit der „Vereinigungskirche“ der Moon-Sekte treffen. Tatsächlich traf er sich jedoch mit einer südkoreanischen evangelischen Kirche ähnlichen Namens.)

Die Moon-Sekte beruft sich auf eine angebliche göttliche Offenbarung. Demzufolge sei Moon der dritte Adam und der neue Christus, „weiser als Salomon und gütiger als Jesus“.

Moon übernimmt in seinem „neuen Paradies“ zusammen mit seiner Frau Hak Ja Han die Rolle der „Wahren Eltern“ der Menschheit. Sein riesiges Vermögen konnte er durch den Kauf von Waffen- und Pharmaunternehmen, koreanischen Werften, lateinamerikanischen Banken, Zeitungen und Zeitschriften, Hotels und ausgedehnten Viehfarmen anhäufen.

Moon zufolge bestünden zwischen seiner Lehre und dem Christentum gewisse „Brücken“, Seine Lehren widersprechen jedoch den Grundzügen des Christentums, da die Moon-Sekte eine neue Offenbarung predigt, die im Gegensatz zum christlichen Glauben steht. Moon bezeichnet den ersten Adam durch den Sündenfall im Paradies als gescheitert; der zweite Adam, nämlich Jesus, sei ebenso gescheitert, da er am Kreuz gestorben ist und keine Kinder hatte.

Damit verneint Moon die Heiligkeit von Jesus und bezeichnet das Christentum als gescheitert. Zudem führt er die USA als Hoffnung für die heutige Welt an, denn sie dienen ihm als säkulare Stütze im Kampf gegen den Marxismus und gegen den Islam. Interessierte werden im Internet viele Informationen zu den dunklen Geschäften und die ebenso dunkle Pseudo-Religiosität der Moon-Sekte finden.

Offiziell ist die Moon-Sekte nicht mehr in Bolivien aktiv, jedoch ist es wohl kaum zu vermeiden, ihre Aktivitäten vollkommen zu unterbinden. Auch wenn sie in den neunziger Jahren offiziell aus den Städten, in denen ihre Missionare öffentlich auftraten, vertrieben wurde, hat sie möglicherweise weiter im Untergrund agiert. Anfang des Jahrhunderts, als die Verbindung von Reyes Villa mit der Sekte bekannt wurde, verteilten ihre Missionare im Innenhof von Universitäten Pamphlete sowie Anwerbungsschriften. Erst mit erheblicher Verzögerung wurden sie von dort vertrieben. An andere Orte haben sie sich nicht gewagt und sind dann scheinbar von der Bildfläche verschwunden.

Die Glaubensfreiheit ist kein Freischein für düstere Aktivitäten, die unter dem Deckmantel einer Religion durchgeführt werden. Sun Myung Moon hat keine Skrupel. Indem er Investitionen verspricht, die Bolivien momentan dringend benötigt, will er sich mit seiner Sekte hier wieder etablieren und einen Komplott gegen den Prozess des Wandels schmieden.

Die Moon-Sekte muss aufgrund ihrer fragwürdigen Vorgeschichte vertrieben werden. Es geht hierbei nicht nur um den Sektenführer Moon allein, sondern auch um die ihm nahestehenden Unternehmen. Wir dürfen uns nicht länger blenden lassen. Ein Geschäftsabschluss mit einem seiner Unternehmer bedeutet, die Moon-Sekte anzuerkennen und zu unterstützen.

CC BY-SA 4.0 Die Moon-Sekte kehrt zurück von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


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