Kolumbien

Indignadas – Proteste nach dem Tod von Rosa Elvira Cely


Feminicidio Kolumbien Rosa-Elvira-Cely-El Turbión CC BY-NC-SA 2.0 Flickr(Montevideo, 04. Juni 2012, la diaria-poonal).- In Kolumbien forderten etwa 5.000 Demonstrant*innen, dass die Gewalt gegen Frauen nicht straffrei bleiben dürfe. „Das schreckliche Verbrechen, das an Rosa Elvira begangen wurde, ist wie eine Zusammenfassung all der unterschiedlichen Gewalttaten, die in diesem Land an Frauen begangen werden“, sagte Olga Amparo Sánchez, Leiterin der nichtstaatlichen Vereinigung „Casa de la Mujer“ (Haus der Frau), am 3. Juni gegenüber der BBC als sie zu erklären versuchte, warum der Mord an Rosa Elvira Cely in Kolumbien Proteste hervorrief.

Einsatzkräfte kommen sechs Stunden nach Notruf

Im Morgengrauen des 31. Mai wurde die 35-jährige Rosa Elvira Cely, die in einer Cafeteria arbeitete, eine Tochter im Teenageralter hatte und versuchte, ihr Studium zu beenden, im Nationalpark von Bogotá vergewaltigt und gefoltert. In irgendeinem Moment gelang es ihr, eine Notrufnummer zu wählen und anzuzeigen, dass sie gerade misshandelt wird. Die Polizei fand sie sechs Stunden später und die Einsatzkräfte entschieden, sie in ein Krankenhaus zu bringen. Nicht das nächst gelegene Krankenhaus. Vier Tage später starb Rosa Elvira Cely im Hospital an den Folgen des Übergriffs.

Im Jahr 2011 wurden mehr als 51.200 Fälle von Angriffen auf Frauen registriert. Das sind die offiziellen Zahlen. Aktivist*innen versichern, dass die Gewalt gegen Frauen häufig so brutal ist, wie Rosa Cely sie erleiden musste. In den offiziellen Statistiken sind 1.215 Morde und Angriffe enthalten, bei denen es sich überwiegend um Gewaltverbrechen handelt, Angriffe verschiedener Art, darunter auch die immer häufigeren Attacken mit Säuren – um die Opfer zu entstellen. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen sind auch in diesem Jahr bereits hundert Frauen diesen Gräueltaten ausgesetzt gewesen.

Forderung nach härteren Strafen bei Vergewaltigungen

Kundgebung am Fundort von Rosa Elvira Cely / Foto: El Turbión CC BY-NC-SA 2.0, FlickrZwei Tatverdächtige sind verhaftet worden – einer wurde am 1. Juni festgenommen, der andere stellte sich am 3. Juni der Polizei. Der Tod von Rosa Cely brachte 5.000 Menschen unter dem Motto „Ni una más“ zu einer Kundgebung im Parque Nacional de Bogotá zusammen. Organisationen wie Oxfam, das „Casa de la Mujer“ und Journalist*innen versammelten sich und forderten vom Staat, dass die Gewalt gegen Frauen nicht weiter straffrei bleiben dürfe.

An der Kundgebung, die an der Stelle stattfand, wo man Rosa Cely gefunden hatte, nahmen auch politische Aktivist*innen teil, wie etwa Piedad Córdoba. Regierungsmitglieder, wie der Justizminister Juan Carlos Esguerra waren anwesend und mehrere Polizistinnen schwenkten bei der Kundgebung weißen Tücher.

Auf der Protestkundgebung wurden sowohl härtere Strafen für Vergewaltigungen gefordert als auch, dass im Falle einer Verurteilung wegen derartiger Verbrechen Verurteilte keine Herabsetzung der Strafe möglich sein soll. Von den Medien wurde gefordert, dass diesen Gewaltverbrechen mehr mediale Aufmerksamkeit gegeben werden müsse, um sie überhaupt sichtbar zu machen.

Bürgermeister verspricht Umstrukturierung des Notrufs

Der Ombudsmann Volmar Pérez forderte, dass die Behörden nicht nur für strafrechtliche Verfahren sorgten, sondern „unverzüglich und effizient“ Maßnahmen ergreifen, um der Gewalt gegen Frauen Einhalt zu gebieten. Gustav Pedro, Bürgermeister von Kolumbiens Hauptstadt Bogotá versprach eine Umstrukturierung des Notrufs und eine neue Abteilung, die für das sofortige Reagieren auf Anzeigen zuständig sein soll.

CC BY-SA 4.0 Indignadas – Proteste nach dem Tod von Rosa Elvira Cely von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Feministische Stimmen gegen machistische Gewalt Ni una menos - keine einzige Frau soll mehr der machistischen Gewalt zum Opfer fallen. Das fordert die argentinische Ni una menos-Bewegung, die seit 2015 den öffentlichen Diskurs um Frauenrechte mitbestimmt. Der Fokus der Bewegung liegt auf Femiziden, der extremsten Form der Gewalt gegen Frauen. Die feministische Bewegung in Argentinien hat natürlich nicht erst mit Ni una menos begonnen. Doch sie hat es geschafft viele Kämpfe, die vorher nicht sichtbar waren ins Rampenlicht z...
„Alle Rechte für Frauen! Schluss mit den Übergriffen!“ Von Montserrat Antúnez Estrada Foto: Cimac/César Martínez López (Mexiko-Stadt, 10. November 2017, cimacnoticias).- Ein Jahr nach der Einführung des "Protokolls zur Verfolgung geschlechtlich motivierter Übergriffe" in der Autonomen Universität Mexikos UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) führten von 234 Anzeigen lediglich 150 zu Untersuchungen; in einigen Fällen waren die Täter keine Angehörigen der Universität, in anderen Fällen wurde die Anzeige zurückgezoge...
Wiederholter sexueller Missbrauch von Mädchen Von Hazel Zamora Mendieta Foto: Cimac/César Martínez López (Mexiko-Stadt, 12. Oktober 2017, cimacnoticias).- Im Jahr 2016 haben in Mexiko 11.785 Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren ein Kind zur Welt gebracht. Davon waren drei Prozent (353 Fälle) schon bis zu drei Mal schwanger. Diese Daten wurden von der Organisation für reproduktive Rechte Ipas Mexiko (eine Organisation, die sich dafür einsetzt, Behinderungen und Todesfälle durch unsichere Abtreibungen zu reduzieren, ...
Vom Guerilla-Funk zum Community-Radio – Radios als Peacemaker Von Nils Brock Radios als Peacemaker? Im Friedensprozess in Kolumbien kommt ihnen eine wichtige Rolle zu / Foto: altaír, cc by-nc-2.0 Berlin, 25. Oktober 2017, npl).- Als die kolumbianische Regierung und die Guerillaorganisation FARC im Dezember vergangenen Jahres einen Friedensvertrag vorlegten, kam auf gut 300 Seiten so einiges zusammen. Schließlich soll der Text helfen, einen seit über 50 Jahren andauernden bewaffneten Konflikt zu beenden. Doch ein nachhaltiger Frie...
Colonia Dignidad: Bundestag fordert Aufklärung und Hilfe für Opfer Von Ute Löhning Michael Brand, Werner Schmidtke, Klaus Barthel, Wilhelm Wagner, Jürgen Karwelat im Bundestag, 29. Juni 2017. Foto: Ute Löhning (CC BY 2.0) (Berlin, 12. Oktober 2017, npl).- Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen fordern die Bundesregierung auf, in der Colonia Dignidad begangene Verbrechen aufzuklären und ein Konzept für Hilfen für die Opfer dieser Verbrechen zu entwickeln. Ist das der Durchbruch in Sachen Aufarbeitung der Geschichte und der deutschen Ve...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.