Mexiko

Die 32.000 Verschwundenen haben Namen


Die 32.000 Verschwundenen haben Namen

Data Civica

Das Verschwindenlassen von Menschen bleibt in Mexiko ein allgegenwärtiges Verbrechen. Die Familien fühlen sich vom Staat im Stich gelassen. Grafik: Data Cívica

(Mexiko-Stadt, 14. November 2017, desinformémonos/UNAM global).- In Mexiko sind in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Menschen verschwunden; „eine nicht dagewesene Steigerung, die es in anderen Ländern Lateinamerikas nicht gibt“, so Santiago Aguirre Espinosa. Der stellvertretende Direktor des Menschenrechtszentrums Miguel Agustín Pro Juárez hat jetzt eine neue Datenbank vorgestellt, die den 32.000 Verschwundenen in Mexiko einen Namen und ein Gesicht gibt.

Die Datenbank wurde von der NGO Data Cívica zusammengestellt und befindet sich auf dem Portal personasdesaparecidas.org.mx. Damit soll Druck auf die Behörden ausgeübt werden, genügend Gelder für die Suche nach den Verschwundenen bereit zu stellen. „Die aktuelle Datenbank des staatlichen Registers für entführte und verschwundene Menschen RNPED (Registro Nacional de Personas Extraviadas y Desaparecidas) entmenschlicht die Opfer“, kritisierte Mónica Meltis, Vorsitzende von Data Cívica. „Die Menschen verschwinden zweimal, weil wir nicht wissen, wer sie sind“.

Angehörige müssen selbst nach Verschwundenen suchen

Für Aguirre Espinosa hat der Staat bei diesem Problem zwei Hauptaufgaben: Er sollte die Verschwundenen wiederfinden und die Verantwortlichen, um sie vor Gericht zu stellen. Doch die Behörden würden sich nur darauf beschränken, nach den Verantwortlichen zu suchen. Die Verschwundenen suche keiner, „dass müssen die Angehörigen selbst tun“.

„Es ist sehr hart, so zu leben“, klagte Bertila Beltrán, Mutter der verschwundenen Cruz Alejandra Peña. „Wir müssen uns mit den Behörden rumstreiten, weil sie keine zuverlässige Datenbank haben“. Deshalb kann dieses Portal den Familien helfen, die Behörden dazu zu bringen, ihre Arbeit zu tun.

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