Bolivien

Der Widerstand gegen Mega-Staudämme in Bolivien wächst


Von Ecoticias

Protest gegen Mega-Staudämme am Rio Beni

Es regt sich Widerstand gegen den Bau von Mega-Staudämmen am Rio Beni / Foto: ecoticia/servindi

(Lima, 21. März 2017, servindi).- Im November vergangenen Jahres hielten Vertreter*innen von 17 indigenen Gemeinschaften eine Mahnwache in El Chepete und El Bala, im Amazonastiefland Boliviens ab. Sie protestierten damit gegen den Plan von Präsident Evo Morales, in El Chepete und El Bala Staudämme zu errichten. Der italienischen Firma Geodata, die von der Regierung zu einer Machbarkeitsstudie für das Projekt beauftragt wurde, wurde der Zugang zum Ort blockiert. Zwölf Tage später zogen die Ingenieur*innen der Firma ihr Team mit der folgenden Begründung zurück: „Ohne Zustimmung der Gemeinschaft sind keine geeigneten Arbeitsbedingungen gegeben“.

Dieses Ereignis stellt einen kleinen aber wichtigen Sieg für indigene Gruppen, Umweltaktivist*innen und Nichtregierungsorganisationen dar, die jahrelang gegen den Bau der Staudämme Widerstand geleistet hatten. Doch ihr Kampf dauert bis heute an.

Zumindest symbolisch stellt ihr Widerstand eine Herausforderung für das erklärte Ziel des Präsidenten dar, Bolivien zur größten Energiemacht Südamerikas zu machen. Dies soll vor allem mit der Erzeugung und dem Export von Strom durch Wasserkraft erreicht werden.

Die Argumente der Regierung

Die beiden Dämme würden sich mehrere hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt La Paz, am Fluss Beni befinden, der die Grenze zwischen den Departements La Paz und Beni bildet. Zusammen würden die beiden Staudämme 3.700 Megawatt Strom produzieren. El Chepete und El Bala wären damit die größte Energiequelle aus Wasserkraft in Bolivien und eines der wichtigsten Projekte der Region. Da Bolivien schon jetzt genug Energie für den Eigenbedarf erzeugt, würde der Strom der neuen Kraftwerke fast ausschließlich exportiert werden, vor allem nach Brasilien und Argentinien.

Die Regierung argumentiert, dass Bolivien wegen der schrumpfenden Gasreserven und der fallenden Preise für fossile Brennstoffe seine Energiepolitik verändern müsse. So sollen nicht nur sauberere Energiequellen erschlossen, sondern auch alternative Exportprodukte entwickelt werden, um Boliviens wirtschaftliche Zukunft zu garantieren.

Die Argumente der Gegner*innen

Pablo Solón

Pablo Solón, Foto: ecoticias

Zwar sind noch keine offiziellen Studien zu den Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt  beauftragt worden. Trotzdem befürchten Kritiker*innen verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und im sozialen Bereich.

Pablo Solón, ehemaliger Botschafter des plurinationalen Staates Bolivien bei der UNO (2009-2011) und Beauftragter für Verhandlungen zum Klimawandel der Regierung von Morales ist einer der  Hauptgegner des Projekts. Er geht davon aus, dass die Stauseen eine Fläche überschwemmen würden, die größer als die Stadt La Paz sein würde.

Baumfrosch, Madidi-Nationalpark

Wäre dann wohl auch ohne Sitzplatz: Baumfrosch im Madidi-Nationalpark / Foto: Matthew Dryden, CC BY-NC-ND 2.0

Dadurch entstünde der zweitgrößte See Boliviens nach dem Titicaca-See. Ungefähr 4.000 Einwohner*innen indigener amazonischer Gemeinschaften (unter anderen Tsimane, Tacana, Moseten und Uchupiamonas), die seit Generationen in Subsistenz direkt vom Fluss Beni und den umliegenden Wäldern leben, würden direkt oder indirekt zu Vertriebenen.

Zudem liegt das betroffene Gebiet teilweise in den Nationalparks Pilón Largas und Madidi. Dort leben Tausende seltener Pflanzen- und Tierarten und es handelt sich um eine der Regionen, die weltweit die höchste Artenvielfalt aufweist.

Laut Solón würde das  für den Bau der Staudämme notwendige Abholzen des Waldes riesige Mengen an giftigen Methan- und Treibhausgasen freigeben. Dadurch würden die negativen Auswirkungen des Klimawandels und Störungen des Gleichgewichts in verschiedenen Ökosystemen nicht nur in Bolivien, sondern in der ganzen Welt verstärkt.

CC BY-SA 4.0 Der Widerstand gegen Mega-Staudämme in Bolivien wächst von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Peru: Cocoma-Indigenas mit Flussgeistern gegen Schwimmbagger Millionen von Bewohner*innen des Amazonas leiden unter Klimawandel, Abholzung und Artensterben. Wenn überhaupt über sie berichtet wird, dann tauchen sie höchstens als Opfer auf; als edle Wilde im Dschungel oder entwurzelte Tagelöhner*innen in den Provinzstädten. Dabei ist der Alltag im Amazonas äußerst vielschichtig. Und Indigenas sind alles andere als passive Zuschauer*innen, wenn sie ihr Land und ihre Kultur bedroht sehen. Unser Beitrag kommt aus dem peruanischen Regenwald,...
Verletzung von Umweltrechten bedroht Indigene Foto: Cimac/Anayeli Garcia Martínez von Anayeli Garcia Martínez (Mexiko-Stadt, 5. Oktober 2016, cimacnoticias).- Margarita Quino Aramayo ist die Mitbegründerin des Nationalen Netzwerkes von Frauen zur Verteidigung der Mutter Erde (Red Nacional de Mujeres en Defensa de la Madre Tierra), einem Projekt, das die “Verletzung von Umweltrechten” sichtbar machen will, wie sie sagt. Gegründet hat die Seniorin dieses Netzwerk gemeinsam mit anderen Frauen, da der Poopó-See, der z...
onda-info 409 Hallo und willkommen zum onda-info 409! Wir haben gleich drei schicke Beiträge für euch! Kolumbien: Über 300 Seiten ist er dick, der Friedensvertrag, den die kolumbianische Regierung und FARC-Guerilla ausgehandelt haben. Doch der Weg zu einem wirklichem Frieden ist weit. Helfen sollen dabei  Community Radios. Wie das geht? Wir haben uns bei Radiomachenden vor Ort umgehört. Costa Rica: Das kleine Land lebt von seinem Öko-Image. Doch Dank Globalisierung und Freihandel ist C...
Indigene Marathongewinnerin mit Rock und Sandalen Die 22-jährige Indigene María Lorena Ramírez gewinnt einen Marathonlauf in Sandalen und Rock. Foto: Servindi (Lima, 22. Mai 2017, servindi/hispantv).- Es ist eines der Bilder, von denen ganz Mexiko spricht: Eine junge Indigene hat den Bergmarathon in der Gemeinde Cerro Rojo, im Bundesstaat Puebla gewonnen. Und das ganz ohne professionelle Ausrüstung: ohne Sportschuhe, ohne speziellen Läufergürtel für Verpflegung und Getränke, sondern nur bekleidet mit einem Rock und einfa...
Karibikstaaten im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels Auch vom Klimawandel in der Karibik betroffen: Fischer an der kolumbianischen Karibikküste / Foto: Carlos Octavio Uranga, CC BY-NC-ND 2.0 (Lima, 16.05.2017, noticias aliadas).- Die Regeneration von Korallengärten und die Wiederbesiedlung von überfischten Gebieten gehören zu den Massnahmen, die Wissenschaftler*innen der Karibik seit einem Jahrzehnt im Kampf gegen den Klimawandel veranlassen. Regionales Handeln zum Schutz des Fischereisektors Für ihre Existenzsicherun...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.