Mexiko
Fokus: Erinnerung und Gerechtigkeit / Memoria y Justicia

Demonstration gegen das Vergessen


Gedenkemo Tlatelolco

Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 3. Oktober 2017, desinformémonos).- Überlebende, Organisationen und Studierende haben am Montag den 2. Oktober in verschiedenen Teilen Mexikos demonstriert und an das Massaker vom 2. Oktober 1968 erinnert, bei dem die Regierung dem Militär den Befehl gegeben hatte, auf die fast fünfzigtausend jungen Menschen zu schießen, die sich auf dem Platz der drei Kulturen in der Großwohnsiedlung Tlatelolco in Mexiko-Stadt versammelt hatten.

In Mexiko-Stadt nahmen mehrere tausend Menschen an der Demonstration teil, die von Mitgliedern des Komitees 68 angeführt wurde. Sie startete in Tlatelolco mit einem Treffen, bei dem an das Geschehen erinnert wurde und führte dann zum Zócalo, dem zentralen Platz im Stadtzentrum von Mexiko-Stadt. Die Polizeibehörde von Mexiko-Stadt setzte von sechs Uhr morgens bis zum Ende der Demonstration ein Polizeiaufgebot von 4.226 Polizeikräften ein.

An der Demonstration nahmen auch Betroffene des Erdbebens vom 19. September teil, Studierende der Lehrerausbildungsstätte aus Ayotzinapa und andere Bürgerinnen und Bürger. Bevor sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte, wurden die Namen der 43 Studenten vorgelesen, die in Iguala, im Bundesstaat Guerrero gewaltsam verschwunden gelassen wurden. Während der Demonstration, auf der Spruchbänder und Fotografien mitgeführt wurden, gab es Sprechchöre wie „2. Oktober – wird niemals vergessen!“

Rund 50 vermummte junge Menschen zogen über den Boulevard Paseo de la Reforma bis zum Platz der drei Kulturen, wo sie eine Versammlung abhielten und an das Massaker an den Studierenden in Tlatelolco erinnerten.

Auch in den Bundesstaaten Oaxaca, Veracruz, Michoacán und Quintana Roo gab es Demonstrationen in Erinnerung an das Massaker von 1968.

Das Massaker von Tlatelolco

Genau wie in vielen anderen Ländern auch, hatten sich damals die jungen Menschen in Mexiko entschlossen, Einfluss auf die politischen Entscheidungen zu nehmen und sich durch friedliche Demonstrationen Gehör bei den Regierenden zu verschaffen. Zu dieser Zeit war Gustavo Díaz Ordaz Präsident von Mexiko. Am 2. Oktober 1968 erhielt das Militär schließlich den Befehl, auf die rund fünfzigtausend jungen Menschen zu schießen, die sich in Tlatelolco versammelt hatten.

Nach dem Massaker, bei dem rund 400 Menschen starben und mehr als Tausend verletzt wurden, entfernten Polizeikräfte und Feuerwehrleute alle Spuren auf dem Platz und verbrannten die Leichen, um keine Spuren zu hinterlassen. Deshalb gibt es noch immer offene Fälle von Menschen, die von ihren Familienangehörigen als gewaltsam verschwunden gemeldet wurden.

Jedes Jahr geht die Zivilgesellschaft auf die Straße, um gegen das Massaker von Tlatelolco zu protestieren – nicht nur, um die Erinnerung aufrecht zu erhalten, sondern auch um gegen aktuellen Amtsmissbrauch und Unterdrückung von friedlichen Bewegungen zu protestieren.

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