Brasilien

Dem Amazonasgebiet droht die teilweise Versteppung


Foto: Pixabay/Ihu-unisinos

(São Leopoldo, 13. Juli 2018, ihu-unisinos).- Einer Studie zufolge könnten Teile des Amazonasgebietes infolge der Abholzung versteppen. In einigen Regionen sei der Prozess schon fast unumkehrbar. Wer einen konkreten Brand gelegt hat, lässt sich kaum ermitteln, wann und wo der Brand endet, weiß niemand. Der beißende Rauch kann eine Fernstraße so einhüllen, dass ein Motorradfahrer seine Fahrt abbrechen muss. Ist es dann einmal gelungen, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, bleibt nur graue Asche zurück. Für viele Bewohner*innen des Amazonasgebietes ist dies Alltag, das ganze Jahr über. Ein mit ständiger Angst verbundener Alltag.

Traditionelle Anbaumethode ist ein Umweltdelikt

Auch wenn es sich um ein Umweltdelikt handelt, für das Strafen bis zum Gefängnisaufenthalt drohen, ist das Legen von Bränden im Norden Brasiliens nach wie vor etwas ganz Gewöhnliches. Auf dem Land handelt es sich bei der Brandrodung um eine sehr alte Vorgehensweise. Der Boden soll auf diese Weise für die neue Aussaat vorbereitet werden. Die zu dieser Jahreszeit herrschende Hitze und die trockene Vegetation sorgen aber dafür, dass sich die Flammen sehr schnell ausbreiten und große Zerstörungen anrichten.

Prozess droht unumkehrbar zu werden

Einer Untersuchung der US-Fachzeitschrift „Science Advances“ zufolge würde eine Abholzung von 20 bis 25 Prozent der Regenwälder des Amazonasgebietes dazu führen, dass auf einem Großteil der Fläche künftig kein Wald mehr wachsen wird. Aktuell sind bereits 18 Prozent abgeholzt. Der brasilianische Klimaforscher Carlos Nobre warnt, dass der Regenwald durch eine Steppe ersetzt wird, wenn der Prozess sich fortsetzt. Hierfür muss sich aber unter den Anbauer*innen landwirtschaftlicher Produkte die Erkenntnis durchsetzen, dass das Legen von Feuer nicht ein Arbeitsmittel ist, sondern fatale Folgen hat.

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