Guatemala

Bürgermeister schüchtert Radioaktivisten ein


von ACAN-EFE

guatemala agresion radio comunitaria. Foto: Pulsar(Montevideo, 24. März 2015, comcosur/púlsar/poonal).- Gemeindejournalist*innen und Korrespondent*innen eines Gemeinderadios in Santa Eulalia in der guatemaltekischen Provinz Huehuetenango sind von Mitgliedern des Stadtrates eingeschüchtert und zum Teil angegriffen worden. Die Stadträte reagierten damit gewalttätig auf die geplante Wiedereröffnung des Senders Snuq’ Jolom Konob’. Bürgermeister Diego Marcos hatte den Sender am 20. Januar schließen lassen.

Allerdings hatten die Dorfältesten auf Basis des Maya-Rechts für den 19. März die Wiedereröffnung des Senders geplant. Auch der Bürgermeister und der Stadtrat waren zu dem Akt eingeladen, fingen jedoch an, Einwohner*innen und Mitarbeiter*innen des Senders zu beschimpfen.

Bürgermeister Marcos erklärte, der Sender dürfe nur weiterarbeiten, wenn dafür alle Mitarbeiter*innen entlassen würden. Später wurden der Bürgermeister und einige Stadträte, die zum Teil Schusswaffen trugen, gegenüber den versammelten Nachbar*innen und Journalist*innen handgreiflich. Dabei wurden Ana Lucía Ixchíu Hernández von der Prensa Comunitaria und Jeff Aboot von der chilenischen Pressestelle für Lateinamerika OPAL (Oficina de Prensa para América Latina) geschlagen.

Wiedereröffnung gescheitert

Die geplante Wiedereröffnung „war nicht möglich“, stellte denn auch der Guatemaltekische Journalistenverband APG (Asociación de Periodistas de Guatemala) ernüchtert fest. Die Gemeindejournalist*innen „wurden(…) vom Bürgermeister und seinen Anhängern (…) eingeschüchtert und angegriffen“. Arbeitsmaterial der Journalist*innen sei vorübergehend beschlagnahmt worden, kritisierte der APG.

Der für die Partei UNE von 2011 bis 2015 gewählte Bürgermeister will nun für die populistische Oppositionspartei LIDER wiedergewählt werden. Das Sender, erklärte er, ließe sich nur nach einem entsprechenden Gerichtsentscheid wiedereröffnen.

Mordvorwurf gegen Bürgermeister

Zwei Tage vor der nun gescheiterten Wiedereröffnung, am 17. März, war der 20-jährige Pascual Basilio Pascual Diego nach fast zwei Monaten im Krankenhaus gestorben. Er war just am 20. Januar nach Auseinandersetzungen angeschossen worden. Daraufhin wurde das Radio geschlossen, weil es „zur Gewalt aufrufe“, wie die Zeitung Prensa Libre mitteilte. Der Vater des Jungen erklärte öffentlich, der Bürgermeister und dessen Sohn hätten geschossen; der Bürgermeister wies diese Anschuldigung zurück.

In diesem Monat sind in Guatemala bereits drei Journalisten ermordet worden, alle in der südlich gelegenen Stadt Suchitepéquez. Einer der Journalisten war zuvor vom dortigen Bürgermeister bedroht worden.

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