BRASILIEN – PERU : Thyssen Krupp sitzt in Lima auf der Anklagebank


(Buenos Aires, 08. Mai 2008, púlsar).- Auf einer Pressekonferenz am 8. Mai in Rio de Janeiro, anlässlich des Alternativgipfels, der diese Woche in Lima, Peru, parallel zum Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika, der Karibik und Europa stattfinden wird, präsentierten Vertreter*innen sozialer Bewegungen und NGOs Fälle von europäischen Unternehmen, denen auf dem “Ständigen Tribunal der Völker – Tribunal Permanente de los Pueblos” der Prozess gemacht werden soll.
Das meiste Aufsehen erregte der Fall von Thyssen Krupp. Dem Konzern werden Umweltverbrechen und die Verletzung von Arbeitsrechten vorgeworfen. Vor allem die 8.000 Fischer*innen, die in der Gegend rund um die Bahia Sepetiba im Bundesstaat Rio de Janeiro leben und arbeiten, bangen aufgrund der Umweltverschmutzung um ihre Lebensgrundlage.
Thyssen Krupp ist Hauptteilhaber des lokalen Stahlkonsortiums Companhia Siderúrgica do Atlántico (CSA), das an der Bahia unweit der Stadt Rio de Janeiro einen Hochseehafen und ein Stahlwerk errichtet. Das Stahlwerk, das Firmenangaben zufolge die derzeit größte deutsche Auslandsinvestition ist, wird Stahl ausschließlich für den Export produzieren. Das Projekt ist außerdem Teil des ambitionierten Wachstumsprogramms PAC (Programa de Aceleração do Crescimento) von Präsident Lula da Silva.
Teil des Gesamtprojektes ist die Säuberung der Bahia von abgesunkenen Schwermetallen, die von früheren Industrieprojekten stammen. Die umstrittene Ausführung dieser Säuberungsarbeiten ist offensichtlich der Grund für eine neue, umfassende Verschmutzung des Gewässers, wodurch die Ufervegetation, Mangroven und viele Fischarten akut bedroht sind.
Aufgrund der Verschmutzung des Wassers und der Gefahr von Bootsunfällen können die Fischer*innen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Vergangenen Monat kam bereits ein Fischer bei einem Zusammenstoß mit einem Schiff des Stahlkonsortiums ums Leben. Seitens der Fischer*innen und der Umweltaktivisten vor Ort wird die Vermutung geäußert, dass es auf dem Firmengelände bereits zu weiteren Todesfällen gekommen ist, doch gibt es dazu keine Dokumentation oder Beweise.
Dem Unternehmen wird zudem vorgeworfen, zur Erlangung der Baugenehmigung die brasilianische Gesetzgebung umgangen zu haben. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft von Rio de Janeiro – nach Intervention seitens der Umweltbehörde Ibama – Teile der Bauarbeiten per Verfügung gestoppt. Wie im Fall einer zuvor verhängten Geldbuße wegen Umweltschädigungen weigert sich das Unternehmen, den Anweisungen der Justiz Folge zu leisten.
All diese Anklagepunkte werden zwischen dem 13. und 16. Mai in Lima während des Tribunals zur Sprache gebracht. Ankläger sind die Vereinigung der Fischer der Bahia Sepetiba und das lokale Forum für Umwelt und Lebensqualität, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Politische Alternativen im Conosur (PACS).

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