BRASILIEN: Angriffe auf rechtmäßig anerkanntes Indígena-Reservat Raposa Serra do Sol


(Berlin, 07. Mai 2008, npl).- Seit einigen Tagen spitzt sich die Situation im indigenen Amazonasreservat Raposa Serra do Sol, im Norden des brasilianischen Bundesstaates Roraima, erneut zu. Mitte April hatte Brasiliens Präsident Lula da Silva ein Dekret zur Anerkennung des 1,74 Mio. Hektar großen indigenen Reservats, in dem über 18.000 Indígenas leben, unterzeichnet. Nun wurden am 7. Mai zehn Indígenas von Männern, die laut Roberto Jaramillo Bernal, Ordensoberer der Jesuiten im Amazonas, im Dienste von Reisfarmern der Region stehen, beschossen und verletzt. Auch sei die Kirche von Boa Vista Anfang Mai zweimal überfallen worden. Die katholische Kirche von Roraima hatte sich mit den Forderungen der Indígenas stets solidarisch erklärt und diese unterstützt. Sechs Familien von Reisfarmern weigern sich laut Roberto Jaramillo Bernal, das Land, dass sie sich illegal angeeignet haben, zu verlassen. “Sie stecken mit den lokalen Politiker*innen und den Polizeikräften unter einer Decke und versuchen, die Schaffung des Reservats zu verhindern. Gelingt dies, so wäre ein gefährlicher Präzedenzfall für all die Indígenas Brasiliens geschaffen”, so Bernal. Schon mehrfach hatten bekannte Reisfarmer der Region Indígenas in Raposa überfallen und schwer verletzt, ihre Hütten angezündet, ihr Hab und Gut zerstört und Brücken, die in das Gebiet führen, niedergebrannt.Während die Mehrzahl der nicht-indigenen Siedler*innen Raposa Serra do Sol bereits verlassen haben und dafür von der Regierung entschädigt wurden, hat eine kleine Gruppe von Reisfarmern mit ihren gewalttätigen Aktionen erreicht, dass der Oberste Gerichtshof Brasiliens den Polizeieinsatz zur Räumung des Landes erst einmal aufhob. In einem Brief, der auf den 9. April datiert, wehren sich die indigenen Bewohner*innen von Raposa Serra do Sol dagegen: „Wir können nicht akzeptieren, dass die Behörden … den Terrorismus der letzten elf Tage in Raposa Serra do Sol zugelassen haben und dass der oberste Gerichtshof sogar die Räumung aufgeschoben hat. Wir weisen die Haltung der Landesregierung zurück, die sich für Reissäcke zum Nachteil des Lebens von 18.992 Indigenen entscheidet.“Das Gebiet, an der Grenze zu Venezuela und Guayana, ist eines der umkämpftesten indigenen Reservate Brasiliens. Seine Bodenschätze und sein fruchtbares Land weckten die Begehrlichkeiten vieler Gruppen, neben Viehzüchtern und Reisfarmern erhob auch das Militär Anspruch auf das Land. So hatte der mehr als 30 Jahre dauernde Kampf der Indígenas um ihre traditionellen Landrechte unter ihnen zahlreiche Todesopfer gefordert. Nach der endgültigen Anerkennung des Reservats müssen nun alle Nicht-Indigenen Bewohner*innen das Gebiet verlassen. Der Zugang zu Raposa Serra do Sol ist künftig regulär nur Beamten der Bundesregierung gestattet. Nicht-Indígenas brauchen dafür eine Sondergenehmigung. Anmerkung: Jesuit Roberto Jaramillo Bernal bittet um die solidarische Unterstützung der Indígenas in Raposa Serra do Sul. Ein Protestschreiben samt Adressen, an die es geschickt werden soll, findet man unter www.rebelion.org/noticia.php?id=67118

von Eva Völpel

CC BY-SA 4.0 BRASILIEN: Angriffe auf rechtmäßig anerkanntes Indígena-Reservat Raposa Serra do Sol von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Neue Gentechnik in Brasilien auf dem Vormarsch
115
Brasilien – das ist nicht nur das Land des riesigen Amazonas-Regenwaldes, sondern auch das weltweit größte Anbaugebiet für genveränderten Soja und Spitzenreiter im Einsatz von Pestiziden. Und, Brasilien gilt nicht nur als Vorreiter der alten, sondern auch der neuen Gentechnik. Bereits unter der konservativen Regierung von Michel Temer wurden die Weichen dafür gestellt, dass mit dem so genannten Crispr-Verfahren veränderte Pflanzen keinen Regulierungen mehr unterliegen. Und un...
Abholzung im Amazonasgebiet nimmt wieder zu
112
(Berlin, 8. November 2018, poonal).- Nach Jahren des Rückgangs hat die Abholung im brasilianischen Amazonasgebiet in den vergangenen Monaten wieder stark zugenommen. Grund dafür ist vermutlich ein verändertes politisches Klima, das den brasilianischen Großgrundbesitzern zu Gute kommt. Diese wollen weiterhin große Flächen des Regenwaldes abholzen, um es in Weideland für Vieh oder Ackerland für Monokulturen umzuwandeln. Die brasilianische Umweltschutzorganisation Imazon hat ...
Fernando Haddad ist der neue Lula
119
(São Paulo, 11. September 2018, Brasil de Fato).- Lula kündigte am 11. September mit den Worten „Von heute an wird Haddad für Tausende Brasilianer*innen der neue Lula sein“ sein, den neuen Präsidentschaftskandidaten der Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) für die Wahlen am 8. Oktober an. „Wenn sie uns mundtot machen wollen und unser Projekt für das Land zerstören wollen, sind sie auf dem Holzweg. Wir sind weiterhin lebendig, im Herzen und im Gedächtnis der Bevölkeru...
Jair Bolsonaro während Wahlkampfveranstaltung niedergestochen
257
(Montevideo, 7. September 2018, la diaria).- Der brasilianische Kandidat der Ultrarechten, Jair Bolsonaro, wurde mit einem Messer niedergestochen, das ihn im Unterbauch traf, während er am Ende einer politischen Veranstaltung auf den Schultern seiner Anhänger durch die in der im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais liegenden Stadt Santa Casa de Juiz de Fora getragen wurde. Er wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht und dort operiert. Dort lag Bolsonaro auf der Intensivsta...
Korruptionsvorwürfe auch gegen Haddad
186
  (Caracas, 5. September 2018, telesur/poonal).- Am Dienstag, 4. September hat die Staatsanwaltschaft von São Paulo den zuständigen Ermittlungsrichter aufgefordert, den möglichen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Fernando Haddad wegen angeblicher Korruption anzuklagen. Haddad ist für die kommenden Präsidentschaftswahlen im Oktober als Vize-Kandidat für den ehemaligen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2011) aufgestellt, gilt aber als dessen wahrs...