BRASILIEN: Aktionstage stärken Kampf um Agrarreform


(Buenos Aires, 24. April 2008, púlsar).- Nach einer Vielzahl von Protestaktionen in 16 brasilianischen Bundesstaat vergangene Woche, können die Landlosenbewegung MST und andere soziale Bewegungen die Früchte der politischen Mobilisierung im Rahmen des „Roten Aprils“ ernten.

Die Bundesregierung hat die Forderungen der Aktivist*innen entgegengenommen und einige Zusagen gemacht. Zum Beispiel versprach das Ministerium für Stadtentwicklung, ein neues Programm zum Wohnungsbau in ländlichen Gebieten ins Leben zu rufen. Das Ministerium räumte ein, dass von den 160 Millionen Reais, die für diesen Zweck in 2007 vorgesehen waren, lediglich 40 Millionen ausgegeben wurden.

Die Agrarreformbehörde INCRA ihrerseits sagte zu, im laufenden Jahr die Ansiedlung von 100.000 Familien zu ermöglichen. Derzeit ist die Ansiedlung von 150.000 Familien, die auf besetztem Land wohnen, die wichtigste Forderung des MST im Kontext der Agrarreform.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Übereinstimmung zwischen den Vorschlägen bezüglich eines Landwirtschaftsmodells der sozialen Bewegungen und den Vorstellungen der UNO im Kontext von Lösungsansätzen der momentanen Krise der Lebensmittelpreise. Laut eines Artikels des Direktors des UN-Agrarprogramms FAO kann lediglich ein nachhaltiges Agrarmodell die Nahrungsmittelsicherheit sichern. Jacques Diouf verteidigt die „Etablierung von Strategien und Programmen, die eine nachhaltige Agrarwirtschaft, ländliche Entwicklung und Nahrungssicherheit fördern“.

Nach Meinung des MST-Koordinators José Batista bietet die Bewegung konkrete Lösungen an. „Wir haben einen konkreten Vorschlag bezüglich der Krise der Preiserhöhung bei Lebensmitteln. Es gibt 150.000 landlose Familien, die Land brauchen, um zu produzieren.“

Einer der Gründe, der für die weltweite Inflation der Preise im Bereich der Nahrungsmittel verantwortlich gemacht wird, ist das kapitalistische Agrarexportmodell. Deren Repräsentant*innen wittern mittlerweile größere Gewinnchancen in der Produktion von Agrotreibstoffen als in der von Lebensmitteln.

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