Haiti

Brandanschlag auf Community-Radio in Carice


Das ausgebrannte Community-Radio Tèt Ansemn / www.ayitikaleje.org(Concepción, 25. April 2011, agencia medio a medio).- Sympathisant*innen der Regierungspartei und Partei des Ex-Präsidenten René Préval INITÉ (Einheit) zündeten am vergangenen 21. April in der Gemeinde Carice das Zentrum für Kultur und Entwicklung SKDK (Centre pour la Culture et le Développement de Carice) sowie den kommunalen Radiosender Tèt Ansanm Karis an. Das Feuer griff auf sechs weitere Häuser und die Kommunalbibliothek Jacques Roumain über. Nach vorliegenden Informationen fielen die gesamte Ausstattung sowie alle Bücher und Archive der Bibliothek den Flammen zum Opfer.

Radiosender musste Betrieb einstellen

Der Radiosender musste nach seiner vollständigen Zerstörung den Betrieb einstellen. Das Kommunalradio diente als Informationsmedium für die Gemeinde Carice, die sich im Nordosten der Insel, nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik befindet.

Sony Esteus vom Weltverband der Basisradios AMARC (Asociación Mundial de Radios Comunitarias) in Haiti informierte die Presse, dass die Angreifer*innen schwer bewaffnet waren. Alle konnten jedoch von Anwohner*innen aus der Gemeinde und Mitarbeiter*innen des Radiosenders identifiziert werden. Mit dem Anschlag habe man verhindern wollen, dass der Sender, der kontinuierlich Informationen verbreitete, die von Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen ausgingen und der über Proteste im Land berichtete, weiterarbeiten konnte.

Die Proteste hatten sich auch gegen die Niederlage des Kandidaten John Bastien Berthol und die Ergebnisse der Parlamentswahlen gerichtet, die ebenso wie die Stichwahl um das Präsidentenamt, am 20. März stattgefunden hatten. Sowohl die Organisation Amerikanischer Staaten OEA (Organización de Estados Americanos) als auch die Vereinten Nationen hatten Unregelmäßigkeiten im Wahlprozess moniert. Zudem bat auch der neu gewählte Präsident Martelly Ende April vor seiner Amtsübernahme um eine Überprüfung der Wahlergebnisse der Parlamentswahlen, aus denen sonst die Partei INITÈ von Ex-Präsident Préval sowohl im Abgeordnetenhaus als auch im Senat INITÉ als stärkste Kraft hervorgehen würde.

Weltverband der Basisradios AMARC fordert Opferschutz

Da aufgrund der Osterfeiertage alle zuständigen Behörden geschlossen waren, konnten sowohl der Radiosender als auch das Zentrum für Kultur und Entwicklung erst Tage nach den Anschlägen Anzeige erstatten. Die lateinamerikanische Sektion des weltweiten Verbandes der Basisradios AMARC ALC (Asociación Mundial de Radios Comunitarias – América Latina y el Caribe) verurteilte den Übergriff als Versuch, kritische Stimmen zu ersticken und die Meinungsfreiheit zu unterbinden. Sie forderte die Regierung und die zuständigen Behörden dazu auf, die Täter*innen zu bestrafen. Ferner fordert AMARC ALC, Schutzmaßnahmen für das Radio und seine Mitarbeiter*innen zu ergreifen und für einen schnellen Wiederaufbau des Radiosenders zu sorgen, damit dieser unverzüglich wieder senden könne. Ebenso seien Schutzmaßnahmen für die Leitung sowie für die Mitglieder des Zentrums für Kultur und Entwicklung erforderlich.

Solidaritätsaufruf für den Wiederaufbau

In einem Solidaritätsaufruf bat AMARC ALC um internationale Unterstützung, um Druck auf die Regierung Haitis auszuüben, damit diese unverzüglich für Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit sorge. Zudem bat der Radioverband um Unterstützung für den Wiederaufbau in der Gemeinde Carice. In einem Appell an die Interamerikanischen Menschenrechtskommission CIDH forderte AMARC ALC, die Ereignisse zu überprüfen, da sie einen Angriff auf die Meinungsfreiheit in einem Land darstellten, das bereits durch Gewalt, Straflosigkeit und Armut zerrüttet sei.

 

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