Chile

Bildungsproteste: Erneut mehr als 100.000 DemonstrantInnen


(Buenos Aires, 22. September 2011, púlsar/prensa latina/poonal).- Mehr als 100.000 Menschen, darunter viele Schüler*innen und Student*innen, demonstrierten am 22. September im ganzen Land erneut für eine kostenlose und qualitativ hochwertige öffentliche Bildung. Zu der Demonstration, die friedlich verlief, hatte der Dachverband der chilenischen Student*innen Confech (Confederación de Estudiantes de Chile) aufgerufen.

Verfassungsgebende Versammlung gefordert

Den Abschluss bildete bei der Demonstration in der Hauptstadt Santiago de Chile eine Kundgebung im Parque Almagro. Im Anschluss an die Demonstration kam es zu Ausschreitungen, wie lokale Medien berichten. Die chilenische Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Mehrere Personen wurden verhaftet.

Der Studentensprecher Giorgio Jackson erklärte, die Demonstrationen „haben alle Erwartungen übertroffen“. Die meisten Kundgebungen fanden in Santiago statt. Dem Aufruf zu den Protesten hatten sich ungefähr 60 Organisationen unter dem Motto “Demokratie für Chile” angeschlossen. Sie fordern eine Volksabstimmung über die Bildung einer verfassungsgebenden Versammlung, die dann eine neue Verfassung für Chile erarbeiten könnte.

Regierung lehnt Gesprächsbedingungen ab

Die Proteste der Schüler*innen richteten sich auch gegen die Entscheidung der Regierung, dass rund 70.000 Schüler*innen der Grund- und Oberschulen das Schuljahr wiederholen sollen. Schülerverbände hatten im Rahmen von Vorbedingungen für Gespräche mit der Regierung gefordert, den Zeitraum des Schuljahres zu verschieben, damit hohe Fehlzeiten von Streikenden nachgearbeitet werden könnten. Die Regierung hatte dies, wie auch den gesamten Forderungskatalog, Ende der vergangenen Woche abgelehnt.

Sprecher*innen der SchülerInnen- und Studierendenverbände erklärten daraufhin, die Proteste würden unvermindert weitergehen. Die eindrucksvolle Demonstration vom 22. September sei ein klares Signal an die Regierung, die von den Protestierenden geforderten Minimalbedingungen für einen Dialog zu akzeptieren, so Jaime Gajardo, Vorsitzender der LehrerInnenvereinigung.

In Chile demonstrieren Studierende und Schüler*innen bereits seit Frühjahr dieses Jahres. Im August war bei Ausschreitungen im Zuge der Proteste ein Jugendlicher von einem Polizisten erschossen worden.

banner ddhh


Das könnte dich auch interessieren

Philadelphia atrevete! Latin@s in Zeiten von Trump von Nils Brock (Santiago, 6. Februar 2017, npl).- Schulbeginn im Franklin Learning Center. Die Türen des historischen Schulgebäudes quietschen. Mehr als hundert Jahre hat der Specksteinbau im Zentrum Philadelphias auf dem Buckel. Doch hinter der neoklassischen Fassade versteckt sich keine Eliteschmiede, Nein, wer hier lernt, hat gute Chancen es auf ein solides, staatliches College zu schaffen. Zudem fördert die öffentliche Schule seit den 1970er Jahren ethnische Minder...
„Die derzeitige FSLN ist nicht sandinistisch” – Interview mit María López Vigil Von Paolo Moiola (Lima, 24. November 2016, noticias aliadas).- Die aus Kuba stammende Theologin, Autorin und Journalistin María López Vigil kam vor 35 Jahren nach Nicaragua. Sie ist Redaktionsleiterin der monatlich erscheinenden Zeitschrift Envío. Das Magazin für Analyse wird seit 1981 von der Universidad Centroamericana (UCA) in Managua herausgebracht. López Vigil hat mehrere theologische Schriften verfasst, darunter „Un tal Jesús“ („Ein gewisser Jesus“), „Otro Dios e...
Worin bestehen die Änderungen im neuen Friedensvertrag von Kolumbien? (Caracas/Bogotá, 14. November 2016, telesur-poonal).- Die Delegationen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Organisation FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) unterzeichneten einen neuen Friedensvertrag, nachdem die erste Fassung beim Plebiszit am 2. Oktober nicht angenommen worden war. Das neue Dokument wurde von beiden Seiten als „Vertrag der Hoffnung“ bezeichnet, da dieser nach den Widerständen gegen die erste Version nun Vorschläge von verschi...
Die neuen Bildungszentren Von Luis Hernández Navarro (Mexiko-Stadt, 22. November 2016, la jornada-poonal).- Unter dem Vorwand, die Bildung auf dem Land verbessern zu wollen, befindet sich eine Art neue „Indigenen-Verbringung“ auf dem Weg. Nebenbei soll eine der wichtigsten pädagogischen Erfahrungen in Mexiko beseitigt werden. Auf dem Gipfel für Soziale Mobilität verkündete Bildungsminister Aurelio Nuño den neuen Unsinn: Ein Programm, um 100.000 Schulen in Bildungszentren zusammenzufassen. Hunde...
Bildungsministerium plant riesige Bildungszentren statt lokaler Schulen (Mexiko-Stadt/Berlin, 04. Dezember 2016, poonal).- Der umstrittene mexikanische Bildungsminister Aurelio Nuño trug Mitte November auf dem Social Mobility Summit 2016 sein neuestes Projekt vor. Etwa 100.000 kleine und vor allem in ländlichen und armen Regionen verstreute Schulen, auf denen Kinder und Jugendliche die Vor-, Grund- und Sekundarschule besuchen, sollen in großen Bildungseinrichtungen „neu konzentriert“ werden. Laut Nuño wird an den kleinen Schulen „der Effekt der U...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.