Deutschland

Berlin: Solidaritätsdemonstration für Mapuche im Hungerstreik


(Berlin, 21. September 2010, npl).- Mit einer Solidaritätsdemonstration signalisierten am 20. September etwa 100 Personen in Berlin ihre Unterstützung für die Mapuche, die sich in Chile seit mehr als 60 Tagen im Hungerstreik befinden.

Die Demonstrant*innen forderten von der chilenischen Regierung die Freilassung der Mapuche, die im Hungerstreik sind, sowie die Erfüllung ihrer Forderungen. Darüber hinaus forderten die Demonstrant*innen ein Ende der Kriminalisierung des Protests der Mapuche in Chile. Der Demonstrationszug führte vom Brandenburger Tor bis zum Konzerthaus am Gendarmenmarkt, wo zu diesem Zeitpunkt ein offzieller Empfang der chilenischen Botschaft anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles stattfand, heißt es in einer Presseerklärung der Veranstalter*innen.

Während der Vorbereitungen der Solidaritätsaktion habe die Polizei versucht, die Demonstration vom Konzerthaus abzudrängen, erklärten die Veranstalter*innen. Es sei ein Skandal, dass 20 Jahre nach Ende der Militärdiktatur von Augusto Pinochet in Chile immer noch Menschen nach dem Antiterror-Gesetz verurteilt würden, das mit demokratischen Prinzipien nichts zu tun habe, erklärte ein Demonstrant. Mit der Ankündigung der Regierung, einen runden Tisch einzuberufen, von dem die Hungerstreikenden jedoch ausgeschlossen seien, betreibe man eine Politik der Spaltung und wolle einen echten Dialog zwischen dem chilenischen Staat und dem indigenen Volk der Mapuche verhindern.

Gegenwärtig befinden sich mehr als 30 inhaftierte Mapuche im Hungerstreik, die sich als politische Gefangene bezeichnen. Einige nehmen seit mehr als 60 Tagen nur noch Flüssigkeit zu sich. Die Streikenden fordern einen Dialog mit dem Staat und die Rücknahme des Antiterror-Gesetzes. Diesem Gesetz zufolge können Angeklagte bis zu zwei Jahre in Untersuchungshaft sitzen, Anwält*innen der Verteidigung kann der Zugang zu den Ermittlungsakten verweigert und die Präsentation von Zeug*innen der Verteidigung kann abgelehnt werden.

Die Anwendung dieser Gesetzgebung ist bereits von den Vereinten Nationen kritisiert worden. Der Sprecher der chilenischen Polizei Fredy Cancino hatte gegenüber dem lateinamerikanischen Radiobildungsnetzwerk ALER (Asociación Latinoamericana de Educación Radiofónica) eingeräumt, dass es sich bei Angeklagten, gegen die wegen Terrorismus-Verdachts ermittelt wird, ausschließlich um Mapuche handelt. Gegenwärtig sind davon insgesamt 58 Mapuche betroffen. Gegen sie wird noch ermittelt bzw. sind bereits Urteile ergangen.

CC BY-SA 4.0 Berlin: Solidaritätsdemonstration für Mapuche im Hungerstreik von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Getöteter Mapuche war im Visier der Behörden
50
(Santiago de Chile, 2. Dezember 2018, amerika21).- Wie das investigative Nachrichtenportal Ciper berichtet, war der von Militärpolizisten ermordete Mapuche Camilo Catrillanca schon länger im Visier der Sicherheitsbehörden. Dem 24-Jährigen wurde am 14. November auf dem Weg von der Feldarbeit in den Hinterkopf geschossen. Die dabei eingesetzte Spezialeinheit Comando Jungla hatte nach eigenen Angaben Autodiebe auf das Gebiet der indigenen Gemeinde Temucuicui verfolgt und sei in ...
Familienmitglieder von Rafael Nahuel auf Gedenkdemo verhaftet
40
(Buenos Aires, 26. November 2018, ANRed).- Am 26. November 2018 fand in der patagonischen Stadt Bariloche eine Demonstration in Gedenken an Rafael Nahuel statt. Vor einem Jahr, am 25.11.2017, wurde er hinterrücks in Lago Mascardi erschossen. Die Demonstrant*innen fordern Gerechtigkeit, denn der Beamte, aus dessen Pistole die tödliche Kugel stammt, wurde noch immer nicht zur Rechenschaft gezogen. Auf der Demonstration verhaftete die Bundespolizei und die Sondereinsatzgruppe...
„Wasser ist mehr wert als Gold“ – Bergbau-Proteste in Patagonien
126
(Berlin, 21. November 2018, fdcl).- Im argentinischen Patagonien schwelt seit vielen Jahren ein Konflikt zwischen staatlicher Energiepolitik, Profitinteressen von Unternehmen und der lokalen Bevölkerung. Jahrelang haben sich Bürgerinitiativen erfolgreich gegen Bergbau-Projekte in der Provinz Chubut gewehrt. Doch der russische Staatskonzern Uranium One soll dort künftig im Auftrag der argentinischen Regierung hochradioaktives Uran gewinnen. Am Rande des G20-Gipfels will Präsid...
Spannungen nach Mord an jungem Mapuche
133
(Lima, 21. November 2018, servindi/desinformémonos).- Wieder ist der Konflikt zwischen der chilenischen Regierung und der indigenen Volksgruppe der Mapuche in die Schlagzeilen gerückt. Dieses Mal ausgelöst durch den Tod des 24jährigen Mapuche Camilo Catrillanca, der im Zuge einer Operation einer neuen Spezialeinheit der Militärpolizei in der südchilenischen Provinz Araucanía erschossen wurde. Camilo Catrillanca starb am 14. November in der Gemeinde Temucuicui, als er ein F...
Wir dokumentieren: Justizversagen im Fall Colonia Dignidad nimmt kein Ende
173
(Berlin, 26. September 2018, fdcl).- Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die Vollstreckung der chilenischen Verurteilung von Hartmut Hopp abgelehnt. Die bundesdeutsche Justiz ermittelt seit fast sechs Jahrzehnten ergebnislos gegen Täter*innen der Colonia Dignidad (CD). Seit den ersten Ermittlungen gegen Paul Schäfer im Jahr 1961 wurde hierzulande keine einzige Anklage gegen Täter*innen der CD erhoben. Nach jahrzehntelangen Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Bonn ermitte...