Brasilien

Bergbaukatastrophe: Schlammlawine aus Rückhaltebecken verwüstet Minas Gerais


von onda

Katastrophe von Mariana / Foto: Douglas Resende und Rafael Lage, Bildquelle: Adital(Berlin, 24. November 2015, onda).- Am 5. November ist es in Brasilen zur bisher größten Umweltkatastrophe des Landes gekommen. Die Dämme von zwei Rückhaltebecken der Eisenerzmine Samarco sind gebrochen; eine riesige Schlammlawine wälzte sich ins Tal und begrub den Stadtteil Bento Rodrigues nahe der Stadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais im Südosten Brasiliens. Bis zu zehn Menschen starben, etwa 20 weitere werden noch vermisst. Von enormer Tragweite sind die ökologischen Folgen: Der giftige Schlamm transportierte große Mengen an Arsen, Aluminium, Blei, Kupfer und Quecksilber.

Rio Deus für Jahrzehnte ökologisch zerstört

Die Schlammmassen wälzten sich in den Rio Deus, den “süßen Fluss”, den Expert*innen jetzt schon als “toten Fluss” bezeichnen. Eine trübe Brühe aus Abwässern hat den Richtung Atlantik fließenden Fluss, der zu den wichtigsten Gewässern im Südosten Brasiliens gehört, über mehr als 500 Kilometer verseucht und für Jahrzehnte ökologisch zerstört.

Der Direktor eines städtischen Wasserversorgungsunternehmens erklärte, das vergiftete Wasser sei weder zur Bewässerung noch für den menschlichen Konsum zu gebrauchen. Obwohl der Schlamm nicht außerordentlich toxisch sein soll, hat er im Rio Doce jegliches Leben ausgelöscht. Von fünf Millionen toten Tieren ist die Rede. Auch endemische Tierarten könnten vom Unglück ausgerottet worden sein. Von der Wasserverschmutzung sind bisher etwa eine Million Menschen betroffen. Für 200 Kommunen entlang des Flusses Deus gilt der Ausnahmezustand.

Naturkatastrophe oder Nachlässigkeit?

Anwohner*innen sehen sich die Ausmaße der Katastrophe von einem Hügel aus an / Foto: Douglas Resende e Rafael Lage, AditalDennoch ist diese Katastrophe außerhalb des Landes kaum bekannt. Die Regierung spricht von einer Naturkatastrophe; die Betreibergesellschaft, die zu den weltgrößten Bergwerkskonzernen Vale und BHP Billiton gehört, macht ein angebliches Erdbeben für den Dammbruch verantwortlich und wiegelt ab: der Schlamm sei doch gar nicht so giftig. Unabhängige Geolog*innen und Bergbauexpert*innen vermuten hingegen Sicherheitsmängel als Ursache für den Dammbruch. Zudem hatte die Betreibergesellschaft die Produktion ihrer Samarco-Mine im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent erhöht – mit wachsender Belastung für die Rückhaltebecken.

Die Betreibergesellschaft hat sich nun zu einer Zahlung von umgerechnet 250 Millionen Euro verpflichtet. Doch die Folgekosten des Unglücks dürften in die Milliarden gehen. Da der Schlamm unfruchtbar ist, wird auf den verschütteten Böden nichts mehr wachsen. Es wird laut Expert*innen Jahrzehnte dauern, bis sich die Natur von den Folgen dieser Schlammlawine wieder erholt hat.

CC BY-SA 4.0 Bergbaukatastrophe: Schlammlawine aus Rückhaltebecken verwüstet Minas Gerais von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Andrea Lammers zum Prozess wegen des Mordes an Berta Cáceres Am 17. September soll der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder der Umweltaktivistin Berta Cáceres beginnen. Andrea Lammers vom Oekubüro für Frieden und Gerechtigkeit in München wird zum Prozess nach Honduras reisen. Wir haben mit ihr gesprochen. Jahrelang hatte Berta Cáceres sich gegen den Bau des Wasserkraftwerks Augua Zarca am Gualcarque-Fluss eingesetzt. Sie war Mitbegründerin des Rates zivilgesellschaftlicher und indigener Organisationen COPINH. Für ihren Kampf um Sch...
onda-info 441 Mit Nachrichten aus Kolumbien, Mexiko und Zentralamerika. Und zwei Beiträgen aus Argentinien und Chile. In der rohstoffreichen Provinz Chubut in Patagonien soll radioaktives Uran gefördert werden. In der Nähe von Buenos Aires ein Atomkraftwerk entstehen. Was das mit dem G20-Gipfel im November und den Rechten der indigenen Mapuche zu tun hat, darüber berichtet unser aktueller Beitrag aus der Reihe "Menschenrechte und Unternehmen", einer Kooperation mit dem FDCL. Demokratisch...
Megaminería in Patagonien. Auf Spurensuche in Chubut Im argentinischen Patagonien schwelt seit vielen Jahren der Konflikt zwischen staatlicher Energiepolitik, Profitinteressen von Unternehmen und der lokalen Bevölkerung, die für ihre Rechte kämpft. Nachdem sich Bürgerinitiativen erfolgreich gegen verschiedene Bergbau-Projekte in der Provinz Chubut gewehrt haben, soll der russische Staatskonzern Uranium One dort nun im Auftrag der argentinischen Regierung hochradioaktives Uran gewinnen – mit gravierenden Folgen für Mensch und Um...
Fotoreportage: „Die Niemande“ aus La Guajira, Kolumbien (Bogotá, 26. Juli 2018, Colombia Informa/desinformémonos/poonal).- Die Halbinsel Guajira liegt auf der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela und wird von der größten indigenen Gruppe Kolumbiens, den Wayúu bewohnt. Die Landschaft ist sehr trocken, Trinkwasser ist auf der Guajira knapp und es herrschen starke Winde. Das einzige Wasser in der Region, kam -bis zur Fertigstellung des Staudamms Cercado im Jahr 2010- von dem Fluss Ranchería. Seit diese Wasserversorgung gekappt ist...
Hidroituango in Bildern – Flora und Fauna (Bogotá, 27. Juni 2018, Colombia Informa).- Die Staudämme in Kolumbien sind zu einer Bedrohung für die Lebensmodelle und die Ökosysteme in den Gemeinden geworden. Im Fall von Hidroituango sind nicht nur die negativen Folgen für die Bewohner*innen beachtlich, sondern auch die Vertreibung und Ausrottung der Flora und Fauna, die den Cauca-Fluss bewohnen. Während des Sommers gibt es im tropischen Trockenwald nur wenig Wasser und an den wenigen Stellen, wo es sich zeigt, kommt es ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.