Mexiko

Bereits 12 Morde an Bürgermeistern in diesem Jahr


von Tatiana Félix

alt(Fortaleza, 19. Oktober 2010, adital).- Der Krieg gegen das organisierte Verbrechen, den Präsident Felipe Calderón nach seinem Amtsantritt 2006 verkündete, hat zu einer Eskalation der Gewalt und mittlerweile 29.000 Toten geführt. Neben den mehrheitlich zivilen Opfern wächst jedoch auch die Zahl der ermordeten gewählten Vertreter*innen, darunter Bürgermeister und Gemeinderäte in verschiedenen Regionen des Landes. Allein in diesem Jahr gab bereits zwölf Tote, davon allein sechs in den vergangenen zwei Monaten.

 

Bürgermeister José Felipe Garcia vermisst

Der jüngste offiziell bestätigte Fall ereignete sich im nördlichen Bundesstaat Chihuahua, wo der Bürgermeister von Práxeres G. Guerrero, Rito Grado Serrano, am 16.Oktober zusammen mit seinem Sohn ermordet wurde. Grado Serrano fehlten noch zwei Wochen bis zum Ende seiner Amtsperiode. Er war bekannt dafür, Aktivitäten der organisierten Kriminalität öffentlich zu machen. Deswegen hatte er Morddrohungen erhalten und sich zum eigenen Schutz nach Ciudad Juárez begeben. Die mexikanische Bundesregierung verurteilte den Mord und erklärte entschieden, „die Schuldigen zu bestrafen“, gab jedoch keine Informationen über die Ergebnisse der Ermittlungen bekannt.

Als ein weiteres Opfer dieser Gewaltserie könnte sich bald auch der Bürgermeister von Cruillas im Bundesstaat Tamaulipas, José Felipe Garcia, erweisen. Er gilt seit dem 13.Oktober als verschwunden.

Todesschwadronen und Revierkämpfe

Zahlreiche Aktivist*innen und Abgeordnete wiesen angesichts dieser Situation am 18.Oktober darauf hin, dass Todesschwadronen in erheblichen Maße an den Morden beteiligt und diese auch in das organisierte Verbrechen, den Menschen- und Drogenhandel verwickelt seien.

Neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht: Die lokale Presse hatte bereits seit längerem darüber berichtet, dass es Todesschwadronen gebe und über deren Beteiligung an Exekutionen im ganzen Land berichtet. Es scheint alles darauf hinzudeuten, dass es sich bei den derzeitigen Auseinandersetzungen neben einfachen Straftaten vor allem um „Revierkämpfe“ krimineller Banden handelt, die durch das allgemeine Klima der Unsicherheit in Mexiko zusätzlich anheizt werden. Darauf verweist die Tatsache, dass die große Mehrzahl der Verbrechen an Orten und in Gegenden verübt wird, die an Handelsrouten für den Drogenhandel liegen und zwischen den Kartellen heftig umkämpft sind.

Banden agieren mit gefälschten Militäruniformen

Aussagen des Anwalts Miguel Ángel Leyva von der Vereinigung gegen die Straflosigkeit (Frente Contra la Impunidad) zufolge, verfügen diese bewaffneten Gruppen über Uniformen, und Ausweise, die echten Militäreinheiten täuschend ähnlich sehen und seien zudem auch in Patrouillen unterwegs.

Nach Ansicht des Senators Ricardo Monreal von der Arbeitspartei PT (Partido de Trabajo) handeln die kriminellen Gruppierungen am Rande des Gesetzes: „Dies Gruppen agieren am Rande der Legalität im Wissen, mit Duldung und Einverständnis des mexikanischen Staates“, so der Vorwurf des Abgeordneten, der sich bei seinen Aussagen auf Untersuchungen des amerikanischen Geheimdienstes CIA bezieht. Deshalb habe Monreal bereits Auskünfte über die organisierten Gruppen beim CIA angefragt, bis heute habe es jedoch keine Meldungen über Fortschritte in den Ermittlungen gegeben.

Entlassene Sicherheitskräfte bei Banden vermutet

Monreal verwies zudem darauf, dass möglicherweise Tausende Soldat*innen die mexikanische Armee verlassen hätten und ebenso wie die wegen Korruption entlassenen Polizist*innen den Banden angehörten. Auch Bürgermeister*innen und Gouverneure der mexikanischen Bundesstaaten seien in das kriminelle System verstrickt, so der schwere Vorwurf des Senators.

(Foto: prometeo lucero/flickr)

CC BY-SA 4.0 Bereits 12 Morde an Bürgermeistern in diesem Jahr von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

2016: Zwischen Januar und Juli bereits 25 Journalist*innen ermordet Von Ernesto Carmona, Ciap-Felap*(Santiago, 2. August 2016, agenciadenoticias).- Nach den Statistiken der lateinamerikanischen Journalist*innenvereinigung CIAP-FELAP wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 25 Journalist*innen und Pressemitarbeiter*innen getötet: zehn in Mexiko sowie ein weiterer mexikanischer Journalist, der auf US-amerikanischem Boden ermordet wurde. Dazu kamen fünf in Guatemala, vier in Honduras, drei in Brasilien, einer in El Salvador sowi...
Lateinamerika: 2015 wurden 122 Umweltschützer*innen ermordet (Lima, 30. Juni 2016, noticias aliadas).- Im Jahr 2015 erreichte die Zahl der weltweit ermordeten Umweltschutzaktivist*innen einen neuen traurigen Höhepunkt. Die Organisation Global Witness spricht von einem Anstieg um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 122 der insgesamt 185 Todesopfer wurden in Lateinamerika ermordet. Brasilien wird von Global Witness als das gefährlichste Land eingeschätzt, hier wurden 50 Umweltaktivist*innen ermordet. Es folgen Kolumbien (26), Peru (12), Ni...
„Iguala ist ein Friedhof“ Von Fabrizio Lorusso(Lima, 27. Mai 2016, noticias aliadas).- Interview mit Xitlali Miranda Mayo, Leiterin der Organisation “Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala” (Comité de Búsqueda Los Otros Desaparecidos de Iguala).Xitlali Miranda Mayo ist Psychologin in Iguala, im Bundesstaat Guerrero im Südwesten Mexikos. Sie koordiniert das „Suchkomitee für die anderen gewaltsam Verschwundenen von Iguala", das nach dem gewaltsamen Verschwindenlassen...
UNO fordert Aufklärung der Morde an Indigenen (Caracas, 9. Juni 2016, telesur).- Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat die kolumbianische Regierung aufgefordert, den Tod von drei Indigenen aufzuklären, die seit dem Beginn der landesweiten Streikaktion Minga Agraria am 30. Mai ums Leben gekommen sind. “Diese Vorfälle müssen von den Justizbehörden vollständig aufgeklärt werden; wir bieten dabei unsere volle Unterstützung an. Es müssen alle Vorkehrungen getroffen werden, um zu vermeiden, dass sich solche Situ...
Kriminelle Umweltzerstörung im Nordwesten Mexikos Von Victor M. Quintana(Mexiko-Stadt, 6. Mai 2016, la jornada).- Nicht jeden Tag genießt man ein solches Vorrecht. Die pastoralen Mitarbeiter*innen der Diözese der Sierra Tarahumara, einer Gebirgsregion im Nordwesten Mexikos, luden mich zu ihrer Versammlung zum Thema Seelsorgeplan der Diözese ein. Die Dynamik dieser großen Gruppe, die sich aus Laien, Nonnen, Mönchen und Priestern zusammensetzt, erregte meine Aufmerksamkeit. Anfang des Jahres hatten sie einen Seelsorg...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *