Guatemala

Behörden ermitteln drei Hauptursachen für Frauenmorde


(Guatemala-Stadt, 03. August 2010, cerigua).- Die erschreckend hohe Zahl der Morde an Frauen in Guatemala hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft MP (Ministerio Público) und der Spezialeinheit Kriminalistische Untersuchung der Nationalen Zivilpolizei DEIC/PNC (División Especializada en Investigación Criminal de la Policía Nacional Civil) drei Hauptursachen: die Verwicklung in die organisierte Kriminalität, häusliche Gewalt und persönliche Rache.

Gemäß der Veröffentlichung in der Abendzeitung La Hora wird in dem Bericht die Mehrzahl der untersuchten Fälle im Zusammenhang mit Aktionen von Banden der Maras und anderer Gruppen gesehen, die dem organisierten Verbrechen zugeordnet werden. Demnach würden viele Frauen ermordet, wenn sie versuchen, aus der Gruppe auszusteigen, des Verrats bezichtigt werden oder wenn sie bei einer kriminellen Aktion Fehler begangen haben.

Feministische Organisationen schlossen zwar nicht aus, dass die von den Behörden als Hauptursachen angeführten Motive richtig seien, die Ursache liege jedoch im gesellschaftlich verankerten Machtgefälle zwischen den Geschlechtern: Die Frau werde immer noch als Eigentum des Mannes betrachtet, über das er die volle Verfügungsgewalt habe, und dies sei der eigentliche Hintergrund der massiven Gewalt gegen Frauen.

Es werde nach einem Muster agiert, das schon aus der konventionellen Kriegsführung bekannt ist, erklärt Sandra Morán vom Frauennetz Sector de Mujeres: „Um Rache am Feind zu üben, werden stellvertretend die Frauen angegriffen. Die Morde an guatemaltekischen Frauen stehen außerdem in engem Zusammenhang mit der Rolle, die sie in der Gesellschaft spielen. Frauen, die bestimmte Machtpositionen errungen haben und aktiv an der Gesellschaft teilnehmen, erregen den Unmut der traditionalistischen Bereiche der Gesellschaft, die darauf beharren, dass die einzige weibliche Domäne die Hausarbeit zu sein hat“, so die Aktivistin.

Genau in diesen Bereichen würden Frauen am häufigsten Opfer gewaltsamer Angriffe ihrer Lebenspartner. Diese Situation drohe sich kontinuierlich zu verschlimmern, wenn Behörden keine speziellen Hilfsmaßnahmen anböten oder der Zugang zu rechtlichen Mitteln nicht erleichtert werde.

Dem Bericht zufolge wurden im Jahr 2010 bereits 410 Morde registriert. Damit ist ein geringfügiger Anstieg gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen. Unabhängig von der Zugehörigkeit zu den verschiedenen Gesellschaftsschichten der Opfer tragen die Morde überwiegend deutlich frauenverachtende Züge.

Die Frauengruppe Grupo de Apoyo Mutuo (GAM) empfiehlt den Behörden in einem von der Organisation erstellten Bericht, Gewaltdelikte, insbesondere Strafanzeigen, die sich auf Gewalt in der Familie und sexuelle Gewalt beziehen, mit größerer Sorgfalt und Ernsthaftigkeit zu verfolgen. Andernfalls biete man den Tätern ideale Bedingungen, ihre Gewalttätigkeit bis hin zum Mord zu steigern.

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