Kolumbien

Befehlshaber der kolumbianischen Armee tritt zurück


von Ingo Niebel, www.amerika21.de

(Berlin, 04. November 2008, npl).- Der Befehlshaber der kolumbianischen Streitkräfte, General Mario Montoya, trat am Dienstag (4.11.08) von seinem Amt zurück. Er reagierte so auf den Verdacht, wonach Armeeangehörige mehrere Dutzend Zivilisten aussergerichtlich hingerichtet haben sollen. Montoyas Schritt erfolgt fünf Tage, nachdem sein Präsident und Oberbefehlshaber Álvaro Uribe die Suspendierung von 27 Offizieren, darunter drei Generäle, und Unteroffizieren ankündigte. Es ist die größte „Säuberungsaktion“, die in den letzten Jahren in der kolumbianischen Armee stattgefunden hat. Die Sicherheitskräfte untersuchen, ob die Verdächtigen etwas mit dem Verschwinden und der Ermordung von zahlreichen Jugendlichen in Bogotá zu tun haben.

Die Opfer stammen vorwiegend aus einem Arbeiterviertel der kolumbianischen Hauptstadt. Ihr Verschwinden geschah unter seltsamen Umständen. Wenige Tage nachdem sie verschwunden waren, fand man ihre Leichen. Die Sicherheitsbehörden setzten die Version in die Welt, wonach sie Paramilitärs waren, die bei Auseinandersetzungen mit verfeindeten Gangs umkamen. Dem widersprachen die Angehörigen. Die Medien deckten den Skandal auf, nachdem sich die Militärs in Widersprüche verwickelt hatten.

Die „aussergerichtlichen Exekutionen“ sind eine allgemein übliche Praxis in Kolumbien. Für das Jahr 2007 verzeichnet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International 330 Fälle, an denen die Sicherheitskräfte beteiligt gewesen sein sollen. Die Staatsanwaltschaft untersucht insgesamt 400 Morde dieser Art. Die Ermittlungen richten sich gegen 110 Angehörige der Sicherheitsbehörden. Die Zahl der zivilen Opfer dürfte bei etwa Tausend liegen.

CC BY-SA 4.0 Befehlshaber der kolumbianischen Armee tritt zurück von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Großunternehmen und Militär der Hilfe für Paramilitärs beschuldigt Von Hans Weber.(Bogotá, 13. Juli 2016, amerika21).- Die Getränkefirma Postobón soll eine der ehemaligen paramilitärischen "Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens" (AUC) mitfinanziert haben. Es handelt sich dabei um die AUC-Struktur "Héctor Julio Peinado Becerra", die Ende der 1990er Jahre im Departamento Cesar aktiv war. Postobón ist im Besitz des viertreichsten Kolumbianers, Carlos Ardila Lülle. Die Truppe soll auch mit dem Bataillon Santander B2 der Stre...
Kolumbien feiert Waffenstillstand Von Eva Haule (Bogotá/Havanna, 26. Juni 2016, amerika21).- Das Abkommen zwischen Farc-Guerilla und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos über einen bilateralen Waffenstillstand ist in Kolumbien mit großer Freude aufgenommen worden. Zugleich betonten Vertreter*innen sozialer Organisationen und politischer Bewegungen, dass es sich nur um einen ersten Schritt hin zu einem "umfassenden Frieden mit sozialer Gerechtigkeit" handle. Die Revolutionären Streitkräfte Ko...
Verhandlungserfolg nach 15 Tagen Agrarstreik Von Ani Dießelmann(Cali, 14. Juni 2016, amerika21).- Nach zwei Wochen massiver, landesweiter Proteste in Kolumbien sind aufgrund erster Einigungen zwischen der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und den Organisationen der Protestierenden die Streiks beigelegt worden. Laut Berichten gingen die sozialen Bewegungen gestärkt aus dem Streik hervor und werten die Aktionen als vollen Erfolg. Vor allem Indigene, Afrokolumbianer*innen und Kleinbäuer*innen hatten mit t...
UNO fordert Aufklärung der Morde an Indigenen (Caracas, 9. Juni 2016, telesur).- Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat die kolumbianische Regierung aufgefordert, den Tod von drei Indigenen aufzuklären, die seit dem Beginn der landesweiten Streikaktion Minga Agraria am 30. Mai ums Leben gekommen sind. “Diese Vorfälle müssen von den Justizbehörden vollständig aufgeklärt werden; wir bieten dabei unsere volle Unterstützung an. Es müssen alle Vorkehrungen getroffen werden, um zu vermeiden, dass sich solche Sit...
Paramilitärs morden wieder in ganz Kolumbien Von Hans WeberBogotá, 16. März 2016, amerika21).- Basisorganisationen aus sechs Departamentos und aus der Hauptstadt von Kolumbien, Bogotá, haben in den letzten Wochen über 80 mutmaßlich politische Morde gemeldet. In die meisten betroffenen Gebiete waren im Laufe der letzten sechs Monate Paramilitärs massiver als zuvor eingedrungen, gemeinhin uniformiert und bewaffnet. Den Ermordungen waren Ankündigung in Form von Flugblättern, meistens von der ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *