Deutschland Panama

Barro Blanco: Deutschland soll Finanzierung zurückziehen


von Guadalupe Rodríguez*

Foto: Katy Yan/internationalrivers.org(Fortaleza, 21. Juni 2012, adital).- Mitglieder der am Fluss Tabasará ansässigen indigenen und Umweltbewegung M10 (Movimiento 10 de Abril) haben sich in einem Brief an den deutschen Botschafter in Panama gewendet. Grund für das Schreiben ist das Wasserkraftprojekt Barro Blanco. Der Botschafter solle sich dafür einsetzen, dass die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG die Finanzierung, die sie dem Bau des Kraftwerks zugesagt hat, zurückziehe. Er wird aufgefordert in die Konfliktregion zu reisen, um sich persönlich von den Abweichungen zu überzeugen, die das Bauunternehmen begangen und deren sich die DEG zum Komplizen gemacht hätte.

Projekt bedroht das Leben am Fluss Tabasará

„Der Fluss Tabasará bedeutet für unsere Gemeinden Leben. Von ihm ist unser Bestehen seit vielen Generationen abhängig. Der Staudamm wird unser Land überfluten, den biologischen Kreislauf unterbrechen, natürliche Ökosysteme im Fluss zerstören und den Zugang zu unseren Wasserquellen erschweren, die von jedem und jeder in unserer Gemeinde genutzt werden“, heißt es in dem Brief an den deutschen Botschafter.

Studie zu Umweltauswirkungen in der Kritik

In dem mit 14. Juni datierten Brief wird der Botschafter darüber informiert, dass die ursprünglichen Völker Ngäbe Buglé sowie Kleinbauern und Kleinbäuer*innen das Projekt Barro Blanco des Unternehmens GENISA (Generadora del Istmo S. A.) ablehnen. „Die Studie zu Umweltauswirkungen hat weder die sozialen und kulturellen Folgen, noch jene für die Umwelt berücksichtigt“. Dem Brief zu Folge sei die Studie auf rein bürokratische Weise durchgeführt worden, ohne den realen Gegebenheiten der Umgebung und der lokalen Bevölkerung Beachtung zu schenken. Auch fehle das vorhergehende, freie Einverständnis der betroffenen Gemeinden und die dazu nötige Information. Die Energie, die erzeugt werden soll, sei außerdem gar nicht „nachhaltig“ oder „sauber“, wie behauptet werde. Das Projekt sei vielmehr aufgezwungen worden und verletze die Rechte der Kleinbauern, Kleinbäuer*innen und der Ngäbe Buglé. Es wird betont, dass die tatsächlichen Auswirkungen auf die Menschen, auf das Gebiet und die Umwelt noch zu analysieren seien.

„Als Gemeinden, die wir seit Jahrzehnten in dem Gebiet des Flusses Tabasará leben, fordern wir auch weiterhin Gerechtigkeit und Respekt gegenüber unserem Land, unserer Kultur und Lebensweise“, so in dem Brief. Das Projekt Barro Blanco rief aufgrund der zu erwartenden Entwurzelung Besorgnis hervor. Die Proteste gegen das Projekt wurden seitens des panamenischen Staates niedergeschlagen.

Europäische Banken sollen Finanzierungen zurückziehen

Die deutsche Bank DEG rechtfertigt sich ihrerseits mit einer oberflächlichen „Übersicht über die sozialen Folgen und Umweltauswirkungen des Projekts“, die von „einer erfahrenen internationalen Expertin für Umwelt und Soziales“ erstellt worden sei. Der Name der „Expertin“ wird jedoch nicht genannt. In der Übersicht wird behauptet, „die Auswirkungen des Projekts auf Umwelt und Soziales sind lokal begrenzt“. Allerdings sind es die Gemeinden der Ngäbe, auf die sich diese Auswirkungen direkt niederschlagen. Daher fordert die Organisation Rettet den Regenwald im Rahmen einer internationalen Protestkampagne, dass „die DEG und andere europäische Entwicklungsbanken ihre Finanzierungen für den Staudamm des Wasserkraftwerks Barro Blanco unmittelbar zurückziehen“.

*Guadalupe Rodríguez ist Aktivistin der Organisation Rettet den Regenwald (Salva la Selva). Weitere Informationen hier.

CC BY-SA 4.0 Barro Blanco: Deutschland soll Finanzierung zurückziehen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Uyacali: Shipibo-Indigene noch immer ohne Landtitel – sechs weitere Morde Von Vigilante Amazónico Ermordet, weil sie ihr Land nicht hergeben wollten: Sechs Shipibo-Indigene starben Anfang September 2017 durch Kopfschuss / Foto: vigilante amazónico (Lima, 06. September 2017, servindi-poonal).- Am vergangenen 1. September sind sechs Bauern des indigenen Volkes der Shipibo im Distrikt Nueva Requena nahe der Amazonas-Stadt Pucallpa (Department Ucayali) erschossen worden. Hintergrund der Morde war nach Angaben von Vigilante Amazónico die Weigerun...
Cuencas Sagradas – Ach du heiliger Quellfluss! Von Nils Brock und Darius Ossami Elvia Dagua von der Confeniae stellt das Projekt der Cuencas Sagradas vor. Foto: La Nave Radio (Berlin, 13. August 2017, npl).- Der Amazonas wird gerne als die „grüne Lunge" unseres Planeten  bezeichnet. Doch der Lunge geht es schlecht: Wie eine nimmersatte Raupe arbeiten sich von allen Seiten profitorientierte Industrien durch den Regenwald : Ölbohrungen, Bergbau, Wasserkraftwerke, Flussbegradigungen und Soja-Monokulturen. Jede einzeln...
Schule in Selbstverwaltung Schüler, Eltern und Lehrer diskutieren mit Vertretern der Gemeindeverwaltung über den Schulneubau bei einer Sitzung des Schulkomitees in San Francisco La Páz - Copyright Knut Hildebrandt In Mexiko wird das Recht auf Bildung durch die Verfassung garantiert. Den freien Zugang zu Bildung hat der mexikanische Staat sicher zu stellen. Doch wie das genau zu geschehen hat, darüber gehen die Meinungen auseinander – vor allem in den ländlichen Gebieten. Die Regierung setzt auf zen...
Indigene in Oaxaca lehnen Megaprojekte ab Foto: Desinformémonos/La Minuta (Mexiko-Stadt, 22. Februar 2017, desinformémonos).- An der Küste Oaxacas, im Südwesten Mexikos, leben verschiedene indigene Gemeinden wie Mixtek*innen, Chatinos und auch Afro-Mexikaner*innen. Sie lehnen Projekte ab, die auf ihrem Land umgesetzt werden sollen und „Tod und Landraub mit sich bringen" und sehen sich verpflichtet, ihr Land zu verteidigen. Das erklärte der Rat der Vereinten Gemeinden zur Verteidigung des Flusses Río Verde Copudev...
Illegaler Bergbau: Mehr als 10.000 Hektar Regenwald binnen vier Jahren zerstört Illegaler Bergbau in Peru: Goldsuche im Amazonas / Foto: amazoniapunomdd, cc-by-2.0 (Lima, 01. Dezember 2016, noticias aliadas).- Allein in den letzten vier Jahren sind 12.503 Hektar Regenwald dem illegalen Bergbau im Süden Perus zum Opfer gefallen. Dies geht aus einem gemeinsamen Bericht des Monitoring-Projekts MAAP (Proyecto de Monitoreo de la Amazonia Andina) und der Vereinigung zum Erhalt des Amazonas-Flussgebiets ACCA (Asociación para la Conservación de la Cuenca Ama...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.