Peru

Ausschreitungen bei erneuter Flussblockade wegen Untätigkeit von Pluspetrol


alt(Buenos Aires, 26. Oktober 2010, púlsar).- Aus Protest gegen die Untätigkeit des argentinischen Konzerns Pluspetrol, der Anwohner*innen des Flusses Rio Marañón versprochene Hilfen nach einem Erdölunglück am Fluss schuldig geblieben sein soll, haben insgesamt etwa 4.000 Menschen mehrere Tage die Flussmündung des Rio Marañón mit dem Rio Tigre blockiert. Mit Netzen und Fischerbooten verhinderten sie vom 25. bis 28. Oktober die Weiterfahrt größerer Schiffe. Man habe vor allem die Erdöltransporte blockieren wollen, erklärte der Sprecher der Indigenen, Dennis Pashanase, gegenüber der peruanischen Zeitung El Comercio.

Der Fluss ist eine der wichtigsten Verkehrsadern in der Region. Bei den Protesten sei es zu Handgreiflichkeiten zwischen Besatzungen blockierter Schiffe und den Protestierenden gekommen. Mindestens ein Indigener wird noch vermisst, heißt es in Presseberichten. Er sei ins Wasser gefallen, als ein Schiff die Blockade zu durchbrechen suchte und ein Fischerboot dabei gerammt habe.

Anwohner*innen ohne Trinkwasser

Etwa 50 indigene und 52 benachbarte Gemeinden forderten mit dieser Aktion die Umsetzung einer Übereinkunft vom Juni dieses Jahres. Demnach sollte eine gemischte Kommission von Behördenvertreter*innen aus der Provinzhauptstadt Loreto und Verantwortlichen des Erdölunternehmens Pluspetrol vor Ort erscheinen.

Am 19. Juni war im Einzugsgebiet des Flusses Río Marañón ein für Pluspetrol fahrendes Schiff leck geschlagen, das 5.000 Barrel Rohöl geladen hatte. Etwa 300 Barrel Rohöl hatten sich daraufhin in die Flusssenke ergossen. Die Bewohner*innen der von dem Unglück betroffenen Gemeinden fordern seit dem Unglück eine alternative Versorgung mit Trinkwasser, da sie normalerweise das Flusswasser nutzen, das nun mit Öl verseucht ist.

Blockade nach Verhandlungen aufgelöst

Pluspetrol habe zwar die eigene Verantwortung für das Unglück anerkannt, die versprochenen Hilfen seien jedoch bisher nur leere Versprechungen geblieben, so Dennis Pashanase. Die vereinbarte Bereitstellung von Lebensmitteln und Trinkwasser sei nicht erfolgt, erklärten Sprecher*innen mehrerer Gemeinden.

Nach mehrstündigen Verhandlungen mit Behördenvertreter*innen hätten sich die Protestierenden am 28. Oktober dazu entschlossen, die Blockade einzustellen. Man sei übereingekommen, die Veröffentlichung einer Studie der Nationalen Wasserbehörde zu Umweltschäden an der Unglücksstelle abzuwarten, die in Kürze veröffentlicht werden soll, ehe weitere Schritte unternommen werden.

Die Anwohner*innen hatten bereits Ende Juli mit mehrere Tage lang die Flussmündung blockiert, um Behörden und Konzern zum Handeln zu zwingen. Anfang August machte der Konzern Hilfszusagen für medizinische Betreuung, Lebensmittellieferungen und Trinkwasserversorgung.

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