Chile

Ausschließlich Mapuche werden wegen Terrorismus angeklagt


(Buenos Aires, 22. Juli 2010, púlsar).- Der Sprecher der chilenischen Polizei Fredy Cancino hat gegenüber dem lateinamerikanischen Radiobildungsnetzwerk ALER (Asociación Latinoamericana de Educación Radiofónica) eingeräumt, dass es sich bei den Angeklagten, gegen die wegen Terrorismus-Verdachts ermittelt wird, ausschließlich um Mapuche handelt. Gegenwärtig sind 58 Mapuche davon betroffen. Gegen sie wird noch ermittelt bzw. sind die Urteile bereits ergangen.

Seit Mitte Juli versuchen 22 inhaftierte Mapuche mit einem Hungerstreik Rechtsgarantien einzufordern. In einem Bericht der chilenischen Polizei zum Gesundheitszustand der Inhaftierten heißt es, die Gefangenen hätten seit Beginn ihres Hungerstreiks durchschnittlich vier Kilogramm Körpergewicht verloren.

Als letzter stieß der 19-jährige Ignacio Andrés Gutiérrez Coña zu der Gruppe. Er wird wegen „Brandstiftung, versuchten Totschlags und der Zufügung von Verletzungen mit terroristischem Charakter“ angeklagt. Aufgrund dieser Anschuldigungen sitzt er bereits seit einem Jahr und vier Monaten in Untersuchungshaft. „Das noch aus der Zeit der Militärdiktatur stammende Antiterror-Gesetz wird ausschließlich auf Fälle angewendet, von denen Mapuche betroffen sind“ hatte Gutiérrez in einem Kommunique erklärt.

In Chile ist bis heute ein Antiterrorgesetz aus Zeiten der Pinochet-Diktatur in Kraft. Dem Gesetz zufolge können Angeklagte bis zu zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzen, Anwälten der Verteidigung kann der Zugang zu den Ermittlungen verweigert und die Präsentation von Zeugen der Verteidigung kann abgelehnt werden. Die Anwendung dieser Gesetzgebung ist bereits von den Vereinten Nationen kritisiert worden.

Außerdem hatte auch der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte CIDH (Corte Interamericana de Derechos Humanos) Chile bereits eine Rüge erteilt, weil gegen die Indigenen das Militärrecht angewendet wird.

CC BY-SA 4.0 Ausschließlich Mapuche werden wegen Terrorismus angeklagt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Getöteter Mapuche war im Visier der Behörden
50
(Santiago de Chile, 2. Dezember 2018, amerika21).- Wie das investigative Nachrichtenportal Ciper berichtet, war der von Militärpolizisten ermordete Mapuche Camilo Catrillanca schon länger im Visier der Sicherheitsbehörden. Dem 24-Jährigen wurde am 14. November auf dem Weg von der Feldarbeit in den Hinterkopf geschossen. Die dabei eingesetzte Spezialeinheit Comando Jungla hatte nach eigenen Angaben Autodiebe auf das Gebiet der indigenen Gemeinde Temucuicui verfolgt und sei in ...
Familienmitglieder von Rafael Nahuel auf Gedenkdemo verhaftet
40
(Buenos Aires, 26. November 2018, ANRed).- Am 26. November 2018 fand in der patagonischen Stadt Bariloche eine Demonstration in Gedenken an Rafael Nahuel statt. Vor einem Jahr, am 25.11.2017, wurde er hinterrücks in Lago Mascardi erschossen. Die Demonstrant*innen fordern Gerechtigkeit, denn der Beamte, aus dessen Pistole die tödliche Kugel stammt, wurde noch immer nicht zur Rechenschaft gezogen. Auf der Demonstration verhaftete die Bundespolizei und die Sondereinsatzgruppe...
„Wasser ist mehr wert als Gold“ – Bergbau-Proteste in Patagonien
126
(Berlin, 21. November 2018, fdcl).- Im argentinischen Patagonien schwelt seit vielen Jahren ein Konflikt zwischen staatlicher Energiepolitik, Profitinteressen von Unternehmen und der lokalen Bevölkerung. Jahrelang haben sich Bürgerinitiativen erfolgreich gegen Bergbau-Projekte in der Provinz Chubut gewehrt. Doch der russische Staatskonzern Uranium One soll dort künftig im Auftrag der argentinischen Regierung hochradioaktives Uran gewinnen. Am Rande des G20-Gipfels will Präsid...
Spannungen nach Mord an jungem Mapuche
133
(Lima, 21. November 2018, servindi/desinformémonos).- Wieder ist der Konflikt zwischen der chilenischen Regierung und der indigenen Volksgruppe der Mapuche in die Schlagzeilen gerückt. Dieses Mal ausgelöst durch den Tod des 24jährigen Mapuche Camilo Catrillanca, der im Zuge einer Operation einer neuen Spezialeinheit der Militärpolizei in der südchilenischen Provinz Araucanía erschossen wurde. Camilo Catrillanca starb am 14. November in der Gemeinde Temucuicui, als er ein F...
Andrea Lammers zum Prozess wegen des Mordes an Berta Cáceres
75
Am 17. September soll der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder der Umweltaktivistin Berta Cáceres beginnen. Andrea Lammers vom Oekubüro für Frieden und Gerechtigkeit in München wird zum Prozess nach Honduras reisen. Wir haben mit ihr gesprochen. Jahrelang hatte Berta Cáceres sich gegen den Bau des Wasserkraftwerks Augua Zarca am Gualcarque-Fluss eingesetzt. Sie war Mitbegründerin des Rates zivilgesellschaftlicher und indigener Organisationen COPINH. Für ihren Kampf um Sch...