Honduras

Aufgebot von 300 Militärs: Radio „La Voz de Zacate Grande“ geschlossen


(Rio de Janeiro, 04. Juni 2010, púlsar).- Etwa 300 Militärs sorgten am 3. Juni für die Schließung des Community Radios „La Voz de Zacate Grande“. Den Radiomacher*innen wird Steuerhinterziehung vorgeworfen. In einem Interview mit Radio Progreso de Honduras schilderte Pedro Canales, Mitarbeiter der geschlossenen Radiostation La Voz de Zacate Grande, den Ablauf der Schließung. Die mehr als 300 Uniformierten hätten den Ort regelrecht „überschwemmt“, so der Mitarbeiter. Diese Vorfälle verdeutlichten „die Wehrlosigkeit, in der wir uns gegenwärtig befinden“, so Canales.

Die Militärs seien in die Gemeinde Puerto Grande und andere Siedlungen der im Süden von Honduras gelegenen Halbinsel einmarschiert, um fünf Anführer der Bewegung zur Wiedererlangung von Grundstückstiteln auf Zacate Grande (Movimiento de Recuperación y Titulación de Tierras de Zacate Grande) zu verhaften. Der Haftbefehl war vom Gericht in Ampala gegen Gemeindeführer des Gebiets ausgestellt worden. Sie werden der widerrechtlichen Aneignung von Land sowie der Steuerhinterziehung beschuldigt.

Das Komitee der Familienangehörigen von Verschwundenen und Gefangenen in Honduras COFADEH (Comité de Familiares de Detenidos y Desaparecidos en Honduras) informierte darüber, dass Angehörige der Staatsanwaltschaft die Einwohner*innen über den Aufenthaltsort der Bauern befragt hätten. Außerdem meldete das Komitee, dass vielen in Puerto Grande lebenden Familien mit Enteignung gedroht worden sei, da sie Land bearbeiteten, dass der Großgrundbesitzer und Agroindustrielle Miguel Facussé als sein Eigentum ansieht.

Die Vereinigung der Community Radios für Lateinamerika und die Karibik AMARC ACL (Asociación Mundial de Radios Comunitarias – América Latina y el Caribe) zeigte sich besorgt bezüglich des „übertriebenen Einsatzes von Sicherheitsorganen und Strafprozessen, um Medien zum Schweigen zu bringen, die zugunsten der Gemeinde arbeiten.“ Die Mitarbeiter*innen des Radios der Steuerhinterziehung zu beschuldigen, sei eine völlig überzogene Kriminalisierung“, unterstrich AMARC ALC.

CC BY-SA 4.0 Aufgebot von 300 Militärs: Radio „La Voz de Zacate Grande“ geschlossen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Hinhörer: Wahrheit, Gerechtigkeit, Erinnerung Menschenrechte auf den Punkt gebracht. Heute: Wahrheit, Gerechtigkeit und Erinnerung Folter, sexualisierte Gewalt, Mord, Verschwindenlassen von Personen: durch Militärs, bezahlte Auftragskiller, Kartelle oder Banden – das schreit nach Aufklärung, damit die Luft zum Atmen reicht! ¡Nunca más - nie wieder!  
Die 32.000 Verschwundenen haben Namen Die 32.000 Verschwundenen haben Namen (Mexiko-Stadt, 14. November 2017, desinformémonos/UNAM global).- In Mexiko sind in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Menschen verschwunden; "eine nicht dagewesene Steigerung, die es in anderen Ländern Lateinamerikas nicht gibt", so Santiago Aguirre Espinosa. Der stellvertretende Direktor des Menschenrechtszentrums Miguel Agustín Pro Juárez hat jetzt eine neue Datenbank vorgestellt, die den 32.000 Verschwundenen in Mexiko einen...
Argentinischer Aktivist bleibt verschwunden Von Jessica Zeller und Darius Ossami (Berlin, 7. September 2017, npl).- In Argentinien herrscht weiterhin Unklarheit über den Verbleib von Santiago Maldonado. Am 1. August war der linke Aktivist bei Protesten der indigenen Mapuche im Süden des Landes von der Gendamerie verhaftet und in einen Mannschaftswagen verfrachtet worden. Das berichten Augenzeugen, die an dem Tag dabei waren. Seitdem fehlt von dem jungen Mann jede Spur. Der Verdacht steht im Raum, dass er von der...
Straflosigkeit in Uruguay: Alles damit niemand redet Als in Uruguay 2004 das linke Bündnis Frente Amplio zum ersten Mal in die Regierung gewählt wurde, verbanden viele Menschen damit die Hoffnung, dass nun endlich die Verbrechen aus der Diktatur von 1973 bis 1985 aufgeklärt und Schluss sein würde mit der Straflosigkeit für die verantwortlichen Militärs. Sie sollten sich täuschen. Bis heute ist das Amnestiegesetz mit dem zynischen Namen: Gesetz über die Verjährung des staatlichen Strafverfolgungsanspruchs, das direkt nach Ende d...
Wo ist Santiago Maldonado? In Argentinien herrscht weiterhin Unklarheit über den Verbleib des Aktivisten Santiago Maldonado. Am 1. August war der junge Mann bei Protesten der indigenen Mapuche im Süden des Landes von der Gendamerie verhaftet und in einen Mannschaftswagen verfrachtet worden. Das berichten Augenzeugen, die an dem Tag dabei waren. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Menschenrechtsorganisationen verlangen vom argentinischen Staat aufzuklären, was an dem Tag passiert ist. Denn momentan sieht a...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.